Fußball-EM
Russland zerlegt Schweden

Russland ist weiter: Die Mannschaft von Guus Hiddink erreichte am Mittwochabend mit verzückendem Angriffsfußball das Viertelfinale und trifft dort am Samstag auf die Niederlande. Am Ende siegte die russische Mannschaft verdient mit 2:0.

INNSBRUCK. Natürlich ließ Guus Hiddink ihn spielen. Vorbei die Machtspielchen, Andrej Arschawin, die russische Nummer zehn, stand auf dem Spielberichtsbogen. Und wer weiß, vielleicht wäre dieses Tor ohne ihn nicht gefallen. Denn er war der Auslöser. Auf der rechten Seite.

Von dort aus spielte er den vertikalen Pass auf Biljaletdinow, der spurtete, so wie es Hiddink predigt, zur Grundlinie durch, spielte den Ball in den Rücken der schwedischen Abwehr auf den Kollegen Anjukow, der ihn nur noch auf den in der Mitte wartenden Pawljutschenko weiterreichen musste. 1:0 nach vier Stationen.

Allein aufs Stürmen beschränkt sich Arschawin längst nicht mehr. Er stößt in die Spitze, rochiert von links nach rechts, während Pawljutschenko von rechts nach links wechselt. Beide holen sich die Bälle aus dem Mittelfeld, um stets eine Überzahlsituation zu schaffen, und entsprechen in ihrer Spielanlage exakt jenem Stürmertypus, über den in diesen Tagen so viel geredet und geschrieben wird, seit Holländer, Spanier und die Portugiesen ihre Gruppen so dominierten.

Die holländische Handschrift Hiddinks ist bei den jungen russischen Spielern – das Durchschnittsalter des Kaders liegt bei 22,9 Jahren – deutlich zu sehen. Und seine Elf scheint in rasendem Tempo zu lernen: „Wir können zur Bereicherung für den Fußball in Europa werden“, hat Hiddink schon vor diesem Spiel gesagt. Nach diesem Spiel könnte es sogar sein, dass sich die Holländer wünschten, vielleicht doch lieber Gruppenzweiter geworden zu sein, damit sie im Viertelfinale hätten gegen Spanien spielen können.

Hiddink will permanente Bewegung. Und er bekommt sie. Das belegten schon nach den ersten zwei Spielen die Daten der Uefa, deren 16 im Stadion angebrachten Kameras das Spielfeld in jeder Sekunde 25-mal digitalisieren. So hatten die Russen mehr Ballbesitz, waren in der Summe mehr und im Durchschnitt schneller gelaufen, hatten mehr Pässe an den Mann gebracht und häufiger aufs Tor gezielt. Auch gestern.

Die Schweden erstarrten derweil von Beginn an in ihrem 4-4-2-System, ähnlich der deutschen Elf gegen Kroatien. Anfangs versuchten sie zwar noch, die Russen daran zu hindern, ihr schnelles Kurzpassspiel zu vollenden. Trotzdem hatte die „Sbornaja“ nach 20 Minuten schon sieben Mal aufs Tor von Isaksson geschossen. Einmal war es Arschawin, der – dieses Mal auf links unterwegs – es mit einem Heber versuchte, den Keeper Isaksson gerade noch mit den Fingerspitzen über das Tor lenken konnte. Nur war auch der Eckball folgenschwer, weil diesen Schirkow, von Hiddink für die linke Seite vorgesehen, volley nur knapp neben das Tor setzte.

Richtig gefährlich wurde es für die Schweden in Halbzeit eins aber meist über rechts, vor allem, wenn sie ihrerseits dort schon im Mittelfeld den Ball verloren. So erging es in der 36. Minute Zlatan Ibrahimovic, der auch mitspielte, das von vielen zuvor ersehnte Duell gegen Arschawin aber weithin sichtbar verlor. Was folgte, war die bereits bekannte Stafette, die schon zum 1:0 geführt hatte: Arschawin - Biljaletdinow - Anjukow - Pawljutschenko - Lattenkreuz. Es blieb beim 1:0. Vorerst.

Das Einzige, was Guus Hiddink in der Halbzeitpause hätte kritisieren können, war vielleicht, dass Schirkow über links etwas hinter der Offensivgewalt Anjukows über rechts zurückblieb. Und vielleicht hat er dieses auch angemahnt. Denn Schirkow ließ sich nicht lumpen, schon nach fünf Minuten in Durchgang zwei war er es, der Arschawin einsetzte, der seinerseits bewies, dass er auch Tore schießen kann. 2:0.

Nun also die Niederlande. Am Samstag in Basel. Man darf gespannt sein, was Guus Hiddink seiner Mannschaft bis zum Spiel gegen seine Landsleute noch alles so beizubringen vermag.

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