Fußball-EM
Türken beenden alle EM-Träume der Schweiz

In einer denkwürdigen „Wasserschlacht“ hat die Türkei die Träume der Schweiz von einem Wunder bei der Euro 2008 zunichte gemacht. Die Eidgenossen verloren ein lange schon gewonnen geglaubtes Spiel durch ein Last-Minute-Tor von Arda Turan in der dritten Minute der Nachspielzeit mit 1:2 (1:0) und sind damit schon vor dem letzten Gruppenspiel gegen Portugal vorzeitig als erste Mannschaft bei der Euro 2008 ausgeschieden.

BASEL. Bei zeitweise sintflutartigem Regen hatten die Eidgenossen vor 40 000 Zuschauern im ausverkauften St. Jakob-Park durch einen Treffer von Hakan Yakin (32.) geführt. Dem eingewechselten Semih (57.) gelang der Ausgleich für die Türken. Danach stand die temporeiche und kampfbetonte Partie bis zuletzt auf des Messers Schneide, beide Mannschaften spielten in einer phasenweise dramatischen Schlussphase voll auf Sieg.

„Ich denke, dass unser Sieg verdient war und er tut sehr, sehr gut. Wir haben nur Endspiele gehabt in letzter Zeit. Anscheinend brauchen wir diesen Druck“, sagte der Münchner Hamit Altintop, der wie schon zum Turnierstart auf der ungeliebten Position des rechten Außenverteidigers spielen musste. Am Boden zerstört war dagegen Eren Derdyiok, der die Schweizer Führung eingeleitet hatte: „Aus zwei Halbchancen haben wir zwei Tore bekommen, das ist natürlich ganz bitter. Die Chancen zum 2:0 haben wir leider nicht genutzt.“

Zweieinhalb Jahre nach der „Schande von Istanbul“ waren die Fans beider Seiten um ein friedliches Miteinander bemüht. „Schweiz-Türkei - Fußball verbindet“ war auf einem großen Transparent zu lesen. Am 16. November 2005 waren die Türken nicht so freundlich mit den Eidgenossen umgegangen. Nach dem 4:2 im WM-Qualifikationsspiel hatten sich hässliche Prügelszenen in den Katakomben des Sükrü Saracoglu Stadions abgespielt, wobei vor allem Schweizer die Opfer waren.

In die Rubrik denkwürdig gehörte auch die Neuauflage. Am Himmel zogen zu Spielbeginn dunkle Wolken auf. Und es standen Jakob „Köbi“ Kuhn die Tränen in den Augen, als die Schweizer ihre Hymne sangen – von den Alpen, von Gott und vom Vaterland. Und als sie zu Ende gesungen hatten, da begann ein Spiel, das 90 Minuten später keine Fitness entschieden hat, keine Technik und auch kein Kunststück. Sondern Kuhns Tränen und die Wolken.

Die Schweizer Nationalelf unterlag der Türkei in einer Partie, die es mit der legendären Wasserschlacht zwischen Deutschland und Polen im Halbfinale der Weltmeisterschaft 1974 aufnehmen kann. Ab der 20. Minute brach über den St. Jakobs Park ein Platzregen herein, der den Rasen binnen weniger Minuten in einen Sumpf verwandelte. Die Türken sind darin lange Zeit stecken geblieben.

Nicht aber die Schweizer, sie ließen das Schnörkeln einfach sein und rannten drauf los. Angetrieben von den Sorgen ihres Trainers, weder seinen Kapitän Alex Frei (Innenbandanriss) aufbieten zu können noch seinen zweiten Stammstürmer Marco Streller, der sich vor der Partei mit schmerzhaften Leistenproblemem abmeldete, legte seine Elf die Nervosität schnell ab und spielte mit Mut und Leidenschaft. Alles für Kuhn, dessen Frau vor einer Woche nach einem epileptischen Anfall in ein Koma fiel. Und alles für die Heimat. Eine Niederlage hätte das sichere Aus bedeutet, und bei einem Remis müssten sie Portugal im letzten Spiel schon schlagen und hoffen, dass sich Tschechen und Türken 0:0 trennen. Besser, nicht darauf angewiesen zu sein.

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