Fußball EM
Zwanziger: "Halten an unserem Ziel fest"

Auch nach der EM-Niederlage gegen Kroatien will Theo Zwanziger die Marschroute nicht ändern. "Ich weiß, dass diese Mannschaft Charakter hat", so der DFB-Präsident im sid-Interview.

Auch nach der 1:2-Niederlage der DFB-Auswahl im zweiten Gruppenspiel der Euro gegen Kroatien, glaubt Dr. Theo Zwanziger weiterhin an die Mannschaft. Im sid-Interview äußert sich der DFB-Präsident über die bisherigen beiden EM-Auftritte der deutschen Mannschaft und blickt auf das entscheidende Spiel am Montag gegen Co-Gastgeber Österreich.

sid: "Die deutsche Mannschaft hat bei der EM bislang zwei Gesichter gezeigt. Wie beurteilen sie die bisherigen Auftritt der DFB-Auswahl?"

Dr. Theo Zwanziger: "Das ist in der Tat richtig. Gegen Polen hat unsere Mannschaft ein attraktives Spiel geboten, mit guten Szenen in der Offensive und einem präzisen Passspiel. Nach diesem Auftakt hatten wir alle ein sehr gutes Gefühl. Gegen Kroatien war es dann ganz anders. Unsere Mannschaft hat viel zu langsam gespielt, ist nach kurzer Zeit in eine Spielweise verfallen, die wir eigentlich nicht mehr für möglich gehalten haben. Dies lag natürlich auch an den Kroaten, die taktisch geschickt agiert haben. Aber dennoch war dies ein Gesicht unserer Mannschaft, wie wir es nicht sehen wollen. Ich hoffe, dass wir am Montag gegen Österreich wieder das Gesicht aus dem ersten Spiel sehen."

sid: "Nach einer solchen Leistung wie gegen Kroatien kommt zwangsläufig auch wieder Kritik an der Überversorgung der deutschen Profis auf, die zudem noch nicht mal Zeit haben, sich bei der EM ihren Fans zu präsentieren..."

Zwanziger: "Das eine hat mit dem anderen doch nichts zu tun. Wir befinden uns bei einem EM-Turnier mit 16 nahezu gleichwertigen Mannschaften, die sich alle optimal vorbereiten. Für die Vorbereitung auf die Spiele ist für den Trainerstab und die Mannschaft absolute Konzentration auf die Sache notwendig. Dieser Weg ist meiner Meinung nach überhaupt nicht mehr zu korrigieren. Unsere Mannschaft muss wissen, dass der EM-Titel das Ziel ist. Und dafür wird im Vorfeld, wie bei allen anderen Mannschaften auch, alles getan. Dass diese akribische Planung keine Garantie für den Erfolg gibt, haben wir immer gesagt und war uns trotz allem Optimismus immer bewusst. Wir wissen aber natürlich, wie wichtig die Fans für uns sind. Aber sie müssen auch Verständnis dafür haben, dass PR-Aktionen zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden. Hätten wir ein öffentliches Training gemacht, hätten vielleicht manche, vor allem auch die Medien, behauptet, dass wir uns nicht richtig und konzentriert auf dieses Spiel vorbereitet haben."

sid: "Zählt die deutsche Mannschaft denn trotz der Niederlage gegen Kroatien für Sie noch zu den EM-Favoriten?"

Zwanziger: "Natürlich halten wir an unserem Ziel fest. Tatsache ist aber auch, dass 15 von 16 Mannschaften nicht den Pokal in den Händen halten können. Wichtig ist zunächst mal, dass wir uns jetzt alle auf das Spiel gegen Österreich konzentrieren. Wir waren zudem im Vorfeld nicht so naiv, zu glauben, dass vor dem dritten Spiel bereits alles klar ist, oder wir sogar mit neun Punkten ins Viertelfinale durchmarschieren. Dies wäre vielleicht auch gar nicht so gut. Denn die EM-Geschichte zeigt, dass Mannschaften, die souverän die Vorrunde gemeistert haben, sich anschließend oftmals einen überraschenden Ausrutscher geleistet haben."

sid: "Was macht Sie so sicher, dass Deutschland gegen Österreich den Viertelfinaleinzug perfekt macht?"

Zwanziger: "Ich weiß, dass diese Mannschaft Charakter hat und aus dem Spiel gegen Kroatien die richtigen Schlüsse ziehen wird. Vielleicht war es eine Niederlage zum richtigen Zeitpunkt. Ich bin mir sicher, dass wir gegen Österreich eine Trotzreaktion erleben werden."

sid: "Joachim Löw steht noch bis 2010 beim DFB unter Vertrag, ein erneutes Vorrundenaus würde das System Löw aber mehr als in Frage stellen..."

Zwanziger: "Nicht für uns. Die Situation von Joachim Löw ist nach dem Kroatien-Spiel genauso wie vor dem Spiel und wird auch nach dem Turnier, egal mit welchem Ausgang für uns, so bleiben. Egal was passiert, Joachim Löw bleibt bis 2010 unser Trainer. Es gibt keine Alternative zu ihm. Das ist völlig unabhängig davon, ob wir bei der EM weiterkommen oder nach der Vorrunde ausscheiden sollten, wovon ich nicht ausgehe. Wir werden diesen eingeschlagenen Weg mit ihm weitergehen, weil wir genau wissen, dass wir nur so unsere Chancen erhalten, auch bei den nächsten Turnieren 2010 oder 2012 erfolgreich zu sein. Wir sind auch bereit, auf diesem Weg mal einen Rückschlag hinzunehmen. Das kann aber nicht unser gesamtes Konzept und unsere Philosophie beeinträchtigen."

sid: "Was ist Ihr Wunsch für die kommenden Tage?"

Zwanziger: "Ich appelliere an unsere Fans, dass sie uns weiter bedingungslos unterstützen, auch wenn es mal einen Rückschlag gibt. Die Mannschaft hat diese Unterstützung ohne Wenn und Aber verdient, weil sie den absoluten Willen hat und Gutes für unsere Land leisten will. Die Spieler wissen, worauf es ankommt und lassen sich auch nicht auseinander dividieren. Die Mannschaft muss merken, dass das Land weiter hinter ihr steht."

© SID

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