Fußball-Engagement war 2001/2002 besonders profitabel
Sparkurs bei Sportförder-Riese Bayer

Die Bayer AG, einer der größten Sportförderer in Deutschland, hat beim Sponsoring Sparkurs eingeschlagen. "Im Bereich des gesamten Sports haben wir die Vereine aufgefordert, fünf Prozent einzusparen", erklärte Meinolf Sprink, Sportbeauftragter des Leverkusener Chemie-Konzerns. "Wir gehen als Unternehmen in eine schwierige Phase. Und schließlich ist der Sport keine Insel der Glückseligkeit."

HB/dpa LEVERKUSEN. Exemplarisch dafür, dass bei der Förderung genauer hingesehen wird, ist der Fall des deutschen Badminton-Meisters Bayer 05 Uerdingen. "Unter Werbeimage-Gesichtspunkten waren die 150 000 ? nicht mehr zu vertreten", meinte Sprink, "die Bundesliga-Spiele haben keinen Menschen interessiert und die Medien auch nicht." Da unterstütze man lieber die Bundesliga-Teams im Frauen-Handball und-Volleyball, zu denen stets rund 1000 Zuschauer kommen.

Angesicht der schwierigen wirtschaftlichen Zeiten will Bayer in seinen Clubs auch das Sponsoren-Monopol aufgeben. "Bayer ist so gut aufgestellt, dass es ein Umdenken gibt. Wir möchten gern auch andere Sponsoren für unsere Sportförderung gewinnen", berichtet Sprink. Gespräche mit zwei größeren Unternehmen, die Partner werden wollen, würden bereits mit guter Aussicht geführt.

Obwohl die Bayer AG im 99. Jahr nach der Gründung des TSV 04 Leverkusen, dem ersten von mittlerweile 29 Werksclubs mit 55 000 Mitgliedern, einsparen muss und neue Geldquellen erschließen will, bleibt sie ein Riese unter den Sponsoren. Mit 15 Mill. ? fördert die Bayer AG den Amateursport, mit sechs Mill. wird der Profisport ohne Fußball unterstützt und noch einmal 15 Mill. erhalten die Bundesliga-Kicker von Bayer Leverkusen. Die Fußball-GmbH erwies sich in der Saison 2001/2002 als besonders profitabel: Das damalige Erreichen des Champions-League-Finale hatte einen intern geschätzten Werbewert für Bayer von rund 80 bis 100 Mill. ?.

Gelohnt haben sich die Fördergelder aber auch für den gesamten deutschen Sport. So holten die Bayer-Athleten 55 Medaillen bei Olympischen Spielen, 32 bei Paralympics, 200 bei Weltmeisterschaften. Hinzu kommen 100 ?pameister-Titel und 800 bei deutschen Titelkämpfen.

"Im Gegensatz zu anderen Unternehmen wie Gerolsteiner oder Telekom, die eher Promotion machen, fördern wir den Sport an sich, um ein Werbeimage zu erhalten", so Sprink. Das Sponsoring wird seiner Ansicht nach immer wichtiger werden, "da die öffentlichen Hände auf Dauer auf dem Rückzug sind". Die Wirtschaft wird andererseits künftig genauer hinsehen, wen und für was sie ihr Geld ausgibt. "Die Sportverbände müssen sich etwas einfallen lassen. Viele haben es aber nicht kapiert, dass sie auch eine Gegenleistung bringen müssen."

Der Umbruch in der deutschen Fernseh-Landschaft, in der neben Fußball und Formel 1 sowie einmal im Jahr die Tour de France nicht viel Sport zu gedeihen scheint, macht es den Verbänden aber nicht einfacher. "Es kommt zu einer Verödung der Landschaft, manche Sportarten haben ja schon jetzt keine Plattform mehr", weiß Sprink. Der Sport müsse darauf endlich reagieren. Aber: "Bei vielen Verbänden fehlt einfach die Professionalität."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%