Fußball-Fieber grassiert in den Betrieben
Politiker fordern WM-frei zum Halbfinale

Arbeitgeber sollten ihren Beschäftigten zum Spiel Deutschland - Südkorea eine Pause genehmigen, so die Forderung. Die Unternehmen gehen unterschiedlich damit um.

rtr BERLIN. Spitzenpolitiker quer durch die Parteien haben die Arbeitgeber in Deutschland aufgefordert, ihren Mitarbeitern zum WM-Halbfinale am Dienstag eine Pause zu genehmigen. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) zeigten sich zuversichtlich, dass die Deutschen gegen Südkorea gewinnen und ins Finale einziehen würden.

"Die Fußballfans wollen weiter mitfiebern. Und die Arbeitgeber sollten sich ein Herz nehmen und das ermöglichen", sagte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) der "Bild am Sonntag". CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte dem Blatt: "Deutschland ist schließlich nicht alle Tage im Halbfinale einer WM. Ich würde mir wünschen, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer flexible Möglichkeiten finden, damit möglichst viele das Halbfinalspiel sehen können." Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle forderte: "Die Arbeitgeber sollten als Leistungsprämie fußballfrei geben oder die Arbeitsabläufe so organisieren, dass eine möglichst große Zahl von Mitarbeitern das Spiel live erleben kann."

Allianz-Sprecher Oliver Santen sagte der Zeitung, wegen der großen Nachfrage seien für die fußballbegeisterten Mitarbeiter für Dienstagnachmittag mehrere Konferenzräume bereitgestellt worden. Eine Sprecherin von Ikea kündigte an, dass einige Möbelhäuser zu "WM-Stadien" umgebaut würden. "In den Billy-Regalen stehen Fernseher, da können Kunden und Kollegen die Tore anschauen."

Bei Volkswagen und Daimler-Chrysler müssen die Beschäftigten dagegen nach Angaben der Konzernsprecher versuchen, ihre Schichten so zu tauschen, dass sie das Spiel der Deutschen in Seoul am Fernseher mitverfolgen können. Auch die Deutsche Telekom plant nach eigenen Angaben keine Sonderpausen für die Live-Übertragung.

Kanzler Schröder hatte am Samstag am Rande des EU-Gipfels in Sevilla gesagt, Südkorea sei ein sehr starker Gegner für die deutsche Mannschaft, den man sehr ernst nehmen müsse. Technisch habe die südkoreanische Mannschaft viel dazugelernt. Die deutsche Mannschaft sei physisch und psychisch aber in ausgezeichneter Verfassung. "Wir müssen vor keinem Gegner Angst haben."

Stoiber erwartet nach eigenen Worten ein schwieriges Halbfinale. "Das wird am Dienstag ein heißer Tanz in Seoul", sagte er der "Bild am Sonntag". "Wir spielen gegen eine begeisterte Nation. Für den Einzug ins Finale brauchen wir einen guten Tag und mehr als nur Olli Kahn. Ich hoffe auf ein Traumfinale Brasilien-Deutschland." Für die Partie am Dienstag tippte er auf 1:0 für die deutsche Nationalelf.

Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt erwartet nach eigenen Worten positive Konjunkturimpulse von einem möglichen WM-Sieg der Deutschen im Finale. Sollte die deutsche Nationalelf den WM-Titel holen, würde es einen positiven Impuls für die Stimmung in der Bevölkerung und auch für das Konsumverhalten geben, sagte Hundt dem "Tagesspiegel". "Einen Zusammenhang zwischen Erfolg im Fußball und wirtschaftlicher Entwicklung ist historisch betrachtet nicht zu leugnen." Deutschland hatte sich am Freitag mit einem 1:0-Sieg über die USA für das Halbfinale qualifiziert.

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