Fußball hat eine politische Komponente
Wenn Steine zu viel kosten

Viele Fußball-Proficlubs sind nicht mehr in der Lage, Gewinne zu erwirtschaften - auch, weil neue Stadien zu teuer sind.

FRANKFURT. Der Titelkampf in der Fußball-Bundesliga ist wieder spannend geworden, kurz vor Saisonschluss steigt die Dramatik. Nicht undramatisch ist auch die Situation hinter den Kulissen. 17 Millionen Euro an Verbindlichkeiten steuert Hertha BSC Berlin zum Schuldenszenario der deutschen Fußball-Proficlubs bei. Borussia Dortmund wird vermutlich in diesem Jahr mit 60 Millionen Euro an diesem Schuldenberg beteiligt sein.

Insgesamt schlagen bei den Vereinen der Ersten und Zweiten Bundesliga Verbindlichkeiten von über 600 Millionen Euro zu Buche. Folgen bei der Lizenzerteilung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte das keine, wenn auch einige Klubs, wie Hertha BSC, der Hamburger SV und Borussia Dortmund, nur mit Auflagen das Plazet für die kommende Saison erhielten. "Schulden sind per se nichts Schlimmes", sagt Björn Bloching, Partner der Unternehmensberatung Roland Berger, "es gibt kaum Unternehmen, die keine haben." Was die Angelegenheit bei den Bundesliga-Clubs aber so prekär macht, sei die extrem niedrige Eigenkapital-Decke. "Die liegt im Schnitt bei 4 Millionen Euro pro Club, und das ist eindeutig zu wenig", betont Bloching. Hintergrund für diese finanzielle Malaise: Viele Vereine sind nicht in der Lage, in einem Markt, der sich in der Konsolidierungsphase befindet, schwarze Zahlen zu schreiben. "Knapp die Hälfte der Clubs in der Ersten Bundesliga arbeitet nicht profitabel", schätzt der Unternehmensberater.

Europas Sportvermarkter Nummer eins, Sportfive, kennt solche Probleme. "Wir stellen unsere fälligen Sponsoring-Raten schon einmal zurück und helfen so einem Partner-Verein mit einer Zwischenfinanzierung, wenn Liquiditätsprobleme aufgetreten sind", erklärt Robert Müller von Vultejus, Vorsitzender der Sportfive-Geschäftsführung. Zur Sportfive-Klientel zählen unter anderem der Hamburger SV, Dortmund und Hertha BSC. "Wir bekommen von allen unser Geld", betont Müller von Vultejus. "Bei den Einnahmen unserer Vereine aus Sponsoring-Verträgen werden wir vorrangig bedient."

Müller von Vultejus kann sich trotz bestehender Finanzprobleme der Vereine nicht vorstellen, dass ein großer deutscher Club in die Insolvenz abrutscht. "Fußball hat bei uns eine große politische Komponente. Wenn ein Club wie Borussia Dortmund in die Insolvenz geraten sollte, wäre das nicht nur für den Club, sondern auch für Nordrhein-Westfalen ein Desaster."

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