Fußball-Mutterland jubelt
„Magische Nacht" für England und Beckham

Für David Beckham ging ein Trauma zu Ende, für England erfüllte sich ein Traum: In einer magischen Fußball-Nacht entzauberte das Mutterland des Fußballs den seit zwei Jahren ungeschlagenen WM-Favoriten Argentinien - und ausgerechnet Superstar Beckham sorgte per Foulelfmeter für den Siegtreffer zum verdienten 1:0 (1:0).

dpa SAPPORO. "Das ist einfach unglaublich. Es waren vier lange Jahre für mich, und das hier setzt allem die Krone auf", jubelte der Superstar nach der persönlichen Rehabilitierung. Im WM-Achtelfinale '98 war er gegen den gleichen Gegner wegen einer Tätlichkeit vom Platz geflogen und am Tiefpunkt seiner Karriere angelangt - als "Vaterlandsverräter" und "dummer Junge" abgestempelt.

Die Chance zur Wiedergutmachung bot sich eine Minute vor der Halbzeit, als Argentiniens Mauricio Pochettino den wieselflinken Michael Owen touchierte und Schiedsrichter Pierluigi Collina (Italien) auf den Elfmeterpunkt zeigte. Unplatziert, aber knüppelhart drosch Beckham den Ball mitten ins Tor und ins argentinische Herz. "Ich habe geträumt, dass ich einen Freistoß zum Sieg verwandeln würde", sagte der Kapitän, der nach dem Befreiungsschlag sein Trikot küsste, die ganze Erleichterung herausschrie und von den 12 000 Briten unter den 35 927 Fans frenetisch gefeiert wurde.

Dagegen trotteten die hochgelobten Südamerikaner, die seit 1966 kein WM-Spiel mehr gegen den Erzrivalen verloren hatten, wie die begossenen Pudel in die Kabine. Erst 50 Minuten nach Abpfiff fand der gezeichnete Trainer Marcelo Bielsa seine Worte wieder. "Wir haben alles versucht. Wir hatten ein Unentschieden verdient", stammelte er. Torwart Pablo Cavallero wurde deutlicher: "Es war ein sehr wichtiges Match. Die Punkte, die wir haben wollten, haben wir nicht bekommen."

Nach der bis auf die Schlussphase indiskutablen Leistung steht das Starensemble in der vermeintlichen "Todesgruppe" F plötzlich am Abgrund. Nur ein Sieg am Mittwoch gegen Schweden bringt die Argentinier ins Achtelfinale, wenn man sich nicht auf nigerianische Schützenhilfe gegen England verlassen will. Mit einem Remis ist England sicher weiter.

"Ich bin sehr glücklich. Man weiß nie, was im Fußball passiert, aber dieser Sieg war extrem wichtig", ordnete Englands schwedischer Trainer Sven-Göran Eriksson den Prestigeerfolg auch sportlich dementsprechend hoch ein und gab eine vollauf zutreffende Analyse ab: "Das waren schwere Schlussminuten für mein Team. Allerdings haben wir verdient gewonnen. Wir hatten mehr Chancen und den Sieg am Ende mit großem Herzen verteidigt."

In der Tat war England in der hitzig und mit vielen Fouls geführten Partie über weite Strecken abgeklärter und zielstrebiger als die weit unter ihren Möglichkeiten spielenden Argentinier. Vor allem Owen sorgte ständig für Gefahr im gegnerischen Strafraum. Die Führung lag schon in der 24. Minute in der Luft, als der Torjäger vom FC Liverpool von der Strafraumgrenze aus nur den Pfosten traf (24.).

Auch in der zweiten Halbzeit hatten zunächst Owen (49.), Paul Scholes (50.) und Joker Teddy Sheringham (58.) die Entscheidung auf dem Fuß. Erst dann erwachte in den Argentiniern die Bereitschaft, sich zu wehren. Doch die aufopferungsvoll kämpfenden Briten, bei denen Owen Hargreaves bereits nach 18 Minuten verletzt ausschied, brachten den Vorsprung mit viel Glück und Geschick über die Zeit.

Auf den Rängen der unter Sicherheitsstufe eins geführten Partie herrschte über die gesamte Zeit eine fantastische Atmosphäre. Nach Polizeiangaben gab es keine nennenswerten Zwischenfälle.

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