Fußball Olympia
Diego und Rafinha dürfen trotz Urteil wohl bleiben

Das hatten sich die brasilianischen Bundesligaprofis Diego und Rafinha sicher anders vorgestellt: Der Internationale Sportgerichtshof bestätigte den Vereinen, dass es keine Abstellungspflicht für die olympischen Spiele in Peking gebe. Das letzte Wort ist trotzdme nicht gesprochen.

Dem Sieg vor Gericht folgte das Geschenk an die Spieler: Obwohl die Bundesligisten Werder Bremen und Schalke 04 das wochenlange Tauziehen mit dem Weltverband Fifa um die Olympia-Abstellungen ihrer Spieler Diego und Rafinha am Mittwoch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS für sich entschieden, zeigen sie olympischen Geist und werden ihre "Revoluzzer" unter bestimmten Voraussetzungen wohl nicht in die Heimat zurückbeordern.

"Wir werden Rafinha für die Olympischen Spiele freigeben, wenn der brasilianische Fußballverband kurzfristig die Rahmenbedingungen für seine Teilnahme schafft", sagte Schalkes Manager Andreas Müller. Fast im exakt selben Wortlaut äußerte sich sein Bremer Kollege Klaus Allofs im Fall Diego. Zuvor hatte Manager Dieter Hoeneß von Hertha BSC erklärt, dass sich sein Klub mit den beiden Liga-Konkurrenten zu einer "gemeinsamen Strategie" entschlossen habe. Die Berliner sind durch den Serben Gojko Kacar ebenfalls betroffen.

Klubs stellen Bedingungen

Folgende Bedingungen wollen die Klubs laut Hoeneß an die jeweiligen Verbände stellen: Die Verbände sollen für die Zeit der Abstellung die Gehälter der Spieler übernehmen, eine zusätzliche Abstellungsgebühr in nicht genannter Höhe entrichten und zudem eine Unfallversicherung für die Spieler abschließen. Die Zeit drängt, Serbien (gegen Australien) und Brasilien (gegen Belgien) bestreiten am Donnerstag jeweils um 17.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr Mesz) ihre Auftaktmatches.

Damit könnte das olympische Fußball-Turnier doch noch im Chaos versinken. Der Richterspruch betrifft zwar zunächst neben den beiden deutschen Klubs nur den FC Barcelona, der wegen des Argentinieres Lionel Messi ebenfalls den CAS angerufen hatte. Andere Vereine können sich aber mit einem Widerspruch anschließen und ihre U23-Spieler zur Rückkehr zwingen.

CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb betonte, dass die Klubs nach dieser Entscheidung durchaus die Möglichkeit hätten, die Spieler zu bestrafen, sollten sich diese weigern, während des olympischen Turniers zu ihren Vereinen zurückzukehren.

CAS-Generalsekretär Reeb: "Die Spieler müssen zurück"

"Die Spieler müssen zurück. Ansonsten drohen ihnen Strafen durch die Vereine. Jetzt können sich andere Vereine dranhängen. Wir werden auch dann zu keinem anderen Urteil kommen", erklärte Reeb vor dem Park Plaze Wangfujing Hotel in Peking vor mehreren Fernsehteams: "Vielleicht gibt es aber auch so eine Art olympischen Geist bei den Klubs, und die Spieler dürfen im Turnier bleiben. Aber das ist nicht unsere Entscheidung."

Schalke-Manager Müller will Rafinha nicht zurückbeordern. "Wir sind der festen Auffassung, dass es leider überhaupt nichts bringt, Rafinha einen Tag vor dem ersten Spiel zurückzuholen." Für Rafinha hatte der Klub allerdings schon ein Bußgeld in Höhe von 25 000 Euro vorgesehen - pro Tag. Vor allem der kleine Verteidiger hatte seine Interessen rigoros durchgesetzt und zuletzt jeglichen Kontakt zu seinem Arbeitgeber abgebrochen. Dagegen hatten sich Werder und sein Spielmacher gegenseitig zugesichert, das CAS-Urteil akzeptieren zu wollen.

Blatter ist "überrascht und enttäuscht"

An eine erzwungene Abreisewelle aus China mochte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter, der sich erst sehr spät und unter schwammigem Verweis auf das Gewohnheitsrecht auf die Seite der Spieler geschlagen hatte, am Mittwoch noch nicht denken. Der Schweizer hatte sich zunächst über die Entscheidung des CAS "überrascht und enttäuscht" gezeigt.

Er appellierte aber auch an die Klubs: "Lasst eure Spieler an den Olympischen Spielen teilnehmen! Es wäre ein Akt der Solidarität in perfekter Harmonie mit dem olympischen Geist. Es wäre wunderbar für die Spieler, die Fans und für das Spiel selbst", so Blatter.

Bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde das CAS-Urteil derweil mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen. "Wir haben gemeinsam mit dem DFB stets die Auffassung vertreten, dass sich weder aus den Fifa-Reglements, noch aus Gewohnheitsrecht eine Verpflichtung unserer Klubs ableiten lässt, die Spieler freizustellen", erklärt Holger Hieronymus in seiner Eigenschaft als Geschäftsführer Spielbetrieb in der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Die Fifa habe es leichtfertig verpasst, so Hieronymus, frühzeitig die geltende Rechtslage anzuerkennen. Die Vorbereitung der Klubs auf die neue Saison sei erheblich beeinträchtigt.

Ähnliche Probleme soll es in vier Jahren bei den Sommerspielen in London nicht mehr geben. "Wir werden mit der Fifa zusammen daran arbeiten, die Regel so zu fassen, dass die Athleten an dem Turnier teilnehmen können", sagte IOC-Direktor Gilbert Felli.

© SID

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