Fußball Olympia
Fifa-Richter verfügt Olympia-Abstellungspflicht

Der Fußball-Weltverband Fifa hat eine Abstellungspflicht von Spielern unter 23 Jahren für die Olympischen Spiele verfügt. Damit stützte der Einzelrichter der Kommission für den Status von Spielern, Slim Aloulou (Tunesien), eine Entscheidung des Fifa-Dringlichkeitskomitees vom Vortag.

Die Bundesligisten Schalke 04 und Werder Bremen gehen nach dem endgültigen Votum der Fifa im Olympiastreit vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS. Der Weltverband Fifa untermauerte am Mittwoch mit dem Spruch des Einzelrichters der Kommission für den Status von Spielern, Slim Aloulou (Tunesien), die Abstellungspflicht für Spieler unter 23 Jahren für das olympische Turnier und berief sich auf das Gewohnheitsrecht.

Schalke und Bremen hatten Rafinha beziehungsweise Diego die Olympia-Freigabe verweigert, die Spieler haben dieses Verbot ignoriert und befinden sich bereits im Kreis der brasilianischen Auswahl, die ihr erstes Spiel am 7. August gegen Belgien bestreitet. Eine CAS-Entscheidung wird für Anfang kommender Woche erwartet.

CAS "teilweise nicht zuständig"

Unterdessen erklärte sich der CAS im Hinblick auf die Klagen für teilweise nicht zuständig. Die Klagen der Bundesligisten gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Nationale Olympische Komitee Brasiliens werde der CAS laut einer Pressemitteilung vom Mittwochabend nicht verhandeln, weil die Olympische Charta auf Profiklubs "nicht direkt anwendbar" sei.

Werder und Schalke hatten angeführt, dass die beiden Profis mit ihrer nicht genehmigten Olympia-Reise Vertragsbruch begangen hätten und damit gegen die Olympische Charta verstießen.

Die Klage der beiden Klubs gegen den Fußball-Weltverband Fifa liege dem CAS nach eigenen Angaben aber weiterhin vor. Somit können beide Klubs weiterhin auf einem Erfolg vor der letzten Sportgerichtsinstanz und eine Rücksendung ihrer Spieler hoffen. In der Klage gegen die Fifa hatten Schalke und Bremen angeführt, dass sich der Weltverband unrechtmäßig auf das Gewohnheitsrecht beziehe und eine Abstellungspflicht für U23-Spieler für die Spiele in Peking deshalb nicht bestehe.

Werder erwägt Rückzug der Klage

Bremen hatte zuvor angesichts des Fifa-Spruchs dem Serben Dusko Tosic die Olympia-Freigabe erteilt und denkt auch über einen Rückzug der Klage nach. "Wir werden die Begründung durch unseren Anwalt prüfen lassen und dann entscheiden, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Ob der Rückzug der Klage eine Option ist, werden wir sehen. Aber wir werden nichts machen, was aussichtslos erscheint", sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs dem sid nach Rücksprache mit Rechtsanwalt Theo Paeffgen und bestätigte damit einen Bericht der Tageszeitung Die Welt.

In Peking befindet sich bereits eine Ad-Hoc-Kammer des CAS, die innerhalb kürzester Zeit über dringliche Fälle befinden soll. Die Unterlagen für eine Klage haben Schalke und Werder bereits in der vergangenen Woche (25. Juli) eingereicht, nachdem Fifa-Präsident Joseph S. Blatter erstmals öffentlich von einer Abstellungspflicht gesprochen hatte.

"Barca" will Messi nicht ziehen lassen

Die beiden Bundesligisten und auch der 18-malige spanische Meister FC Barcelona, der seinen Stürmerstar Lionel Messi nicht abgeben will, stützen ihre Argumentation auch darauf, dass das olympische Turnier nicht im koordinierten internationalen Kalender aufgeführt sei. Der Einzelrichter erachtete diesen "als nicht maßgebend" an.

Angesichts der "langjährigen und unbestrittenen Praxis", nach der die Klubs seit 1988 stets zur Abstellung ihrer Spieler unter 23 Jahren bereit waren, sah der Einzelrichter eine Berufung auf Gewohnheitsrecht für gerechtfertigt und stützte die Entscheidung des Fifa-Dringlichkeitskomitees vom Dienstag.

"Das Urteil haben wir natürlich genau so erwartet. Es hätte uns auch sehr gewundert, wenn der Richter seinen Präsidenten Blatter im Regen stehen gelassen hätte", erklärte Schalke-Manager Andreas Müller.

Schalke und Bremen hatten schon vor dem Spruch am Mittwoch die Entscheidung getroffen, den CAS einzuschalten. "Um die Hoheit über den Zeitablauf zu behalten, müssen wir die Entscheidungsgewalt über das Verfahren der Fifa entziehen und bringen daher unsere Klagen gegen den brasilianischen Fußball-Verband direkt vor den CAS", teilte Paeffgen auf der Internetseite der Königsblauen mit. Der brasilianische Verband CBF hatte sich auf eine Abstellungspflicht gestützt, die Spieler entsprechend nominiert und offenbar auch Druck gemacht.

Fifa-Einzelrichter Aloulou hielt zum Abschluss fest, dass die Teilnahme an Olympischen Spielen für Athleten aller Sportarten eine einmalige Gelegenheit sei. Das sieht auch Lionel Messi so. Der Argentinier will noch diese Woche trotz Freigabe-Verbots Barcelonas zur argentinischen Olympia-Auswahl reisen. "Der Klub muss verstehen, dass es mein Traum ist, für mein Land bei den Olympischen Spielen aufzulaufen. Wenn der CAS sagt, dass ich zurückkommen muss, komme ich zurück", wurde Messi auf Barcas Internetseite zitiert.

Wie Messi will sich im übrigen auch Werders Diego verhalten.

© SID

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