Fußball paradox auf der Paradies-Insel
Brasilien zittert, China tönt

Chinas Trainer Bora Milutinovic gibt sich selbstbewusst: "Wir können hier nicht nur Brasilien, sondern jedes Team schlagen". Der Kollege vom nächsten Gruppengegner, Brasiliens Luiz Felipe Scolari stapelt dagegen tief: "Wir sind nicht besser als jedes andere Team hier in Südkorea."

dpa SEOGWIPO. Auf der Paradies-Insel Jeju ist Fußball paradox angesagt: Während Rekord-Weltmeister Brasilien vor dem Spiel gegen China in Seogwipo tiefstapelt, klopft der WM-Debütant aus dem asiatischen Riesenland kesse Sprüche. "Ich denke, wir können hier nicht nur Brasilien, sondern jedes Team schlagen", meint Coach Bora Milutinovic - und verdrängt die 0:2-Auftaktniederlage gegen Costa Rica völlig. Brasiliens Trainer Luiz Scolari wollte nicht widersprechen: "Das wird kein leichtes Spiel, wir sind nicht besser als jedes andere Team hier in Südkorea."

Nach der Kritik an seiner Abwehr beim 2:1-Startsieg über die Türkei macht "Feldwebel" Scolari jetzt Nägel mit Köpfen. Gegen China fliegt der offensive Verteidiger Edmilson aus dem Team. Für ihn bekommt Anderson Polga eine Chance, der - wie die Zeitung "Estado" in Brasilien schreibt - "im Sinne des Trainers jeden Ball blind nach vorne hauen wird". Auf kritische Fragen zur vorsichtigen Taktik gegen den 51. der Weltrangliste reagiert Scolari, der seine millionenschwere Schützlinge im Training weiter beschimpft, böse und laut: "Wir haben keine Angst, nur Respekt."

"Wenn wir 1:0 gewinnen können wir froh sein. Die Qualifikation für das Achtelfinale ist noch längst nicht sicher", meinte sogar Roberto Carlos, der sonst den Gegner gern veräppelt. Trotz des Sieges über die Türkei ist bei der von den Qualifikationsmühen gezeichneten "Selecao" keine Ruhe eingekehrt. Offenbar gibt es Auseinandersetzungen zwischen den Stürmern und den nach dem WM-Start vielkritisierten Abwehrspielern um den Leverkusener Lucio. "Wenn es hinten Fehler gibt, hat das mit dem Stellungsspiel des ganzen Teams zu tun", meinte Roque Junior.

Chinas "Drachen" haben allerdings größere Probleme. Fünf Stammspieler waren am Freitag auf der Krankenstation. Bei dreien, darunter Torjäger Chen Yang, gab es noch Hoffnung. Schlechter sah es mit dem erfahrenen Innenverteidiger-Duo Zhiyi Fan/Jihai Sun aus. Gute Nachricht für den nach einer Depressionsphase wieder motivierten Superstar Ronaldo - und schlechte für Klose. "Ich will den Deutschen bis zum Finale von der Spitze der Torschützenliste verdrängen", meinte das "Phänomen". Star-Kollege Rivaldo dagegen hat Angst, dass die Schiedsrichter ihn nach seiner Schauspieleinlage gegen die Türkei ins Visier nehmen wollen.

Milutinovic ist überzeugt, dass im Fußball "nichts unmöglich ist". Seine Spieler dürften sich gegen Brasilien nur keine neuen Konzentrationsfehler leisten. Der 57-jährige Serbe wird in China wie ein Volksheld verehrt. "Bei einem Sieg über Brasilien wird er zum Gott", meint ein Reporter der Agentur Xinhua. In einem sind die Chinesen dem Gegner von Samstag schon jetzt überlegen. Der längste Spieler des Turniers, Tormann Jin Jiang (1,98 Meter) trifft auf den Kleinsten, Juninho Paulista (1,65 Meter).

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