Fußball-Profis mit Zukunftssorgen
Nach der Karriere droht die Leere

Wenn am Wochenende der Vorhang hinter der Bundesliga-Saison fällt, geht für einige Hauptdarsteller der letzten Jahre die Zeit auf der Fußball-Bühne zu Ende. Manche Profis beginnen nahtlos eine zweite Karriere, für viele gleicht die Aussicht auf die Zeit nach dem Rampenlicht aber einem schwarzen Loch.

HB/dpa FRANKFURT/M. Der bei 1860 auf das Abstellgleis geratene Ex-Nationalspieler Thomas Häßler war zwar nie süchtig nach großem Brimborium um seine Person, ans Aufhören mag "Icke" trotz seiner fast 37 Jahre dennoch nicht denken. "Ich will nur Spaß haben und Fußball spielen", ist seine Version. Sein Trainer Falko Götz bescheinigt ihm "das große Problem loszulassen".

Wie dem auch sei - mit seiner offensichtlichen Perspektivlosigkeit ist der Weltmeister früherer Tage kein Einzelfall. Nach einer Umfrage der Spielervereinigung VdV haben die wenigsten Berufskicker eine Vorstellung davon, wie sie nach ihrem Abtritt vom Bundesliga-Rasen beruflich neuen Boden unter die Füße bekommen sollen. "Ein Problem ist, dass ehemalige Fußballer selbst mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung als Arbeitnehmer unattraktiv sind, wenn sie sich nicht zwischendurch weitergebildet haben", erklärt VdV- Geschäftsführer Thomas Hüser. Die Auswertung der 297 Fragebögen habe ergeben, dass sich zwar vor allem erfahrene Profis schon gedanklich mit der Zeit nach ihrer Karriere beschäftigt haben - konkrete Vorstellungen hinsichtlich der eigenen Zukunft hat aber nicht einmal jeder Fünfte.

Am nächsten liegt den meisten "Fußball-Rentnern", sich in anderer Funktion weiterhin in dem Geschäft zu tummeln, das sie am besten kennen. Michael Preetz, scheidender Kapitän von Hertha BSC, erhält bei den Hauptstädtern einen Posten in der Marketingabteilung. Sein Hertha-Kollege René Tretschok, der mit 34 Jahren ebenfalls die Fußballschuhe an den Nagel hängt, plant die Eröffnung einer eigenen Fußball-Schule im brandenburgischen Neu Fahrland. Und Krassimir Balakow, langjähriger Regisseur des VfB Stuttgart, wechselt mit 37 Jahren ins Trainerfach und wird die "jungen Wilden" künftig als Felix Magaths Assistent von der Seitenlinie aus dirigieren.

Unter den noch aktiven Profis sieht nach den Befragungsergebnissen allerdings nur etwa jeder Dritte im Fußball gute berufliche Zukunftschancen, für andere Berufsfelder sind es sogar nur rund 24 Prozent. Dabei trifft das Klischee vom "dummen Fußballer" längst nicht mehr zu, viele verfügen über ein solides Bildungsfundament. Fast 60 Prozent der in der VdV-Studie erfassten Spieler haben Abitur, mehr als 40 Prozent eine abgeschlossene Berufsausbildung in der Tasche. "Aber danach kommt bei den meisten nichts mehr", sagt Hüser.

Ein klassischer Fall ist der neue Torhüter des VfL Wolfsburg, Simon Jentzsch. Als 21-Jähriger beendete er, damals beim Werksclub Bayer Uerdingen, seine Ausbildung als Bürokaufmann, danach gab es für ihn nur noch seine Karriere zwischen den Pfosten. "Man hat dann den Kopf nicht frei. Wenn man sich noch nicht einmal sicher ist, ob der Sprung zu den Profis gelingt, will man einfach noch mehr trainieren als alle anderen", erzählt der 27-Jährige. "Aber nach der Kirch-Krise ist weniger Geld da, und man muss sich mehr Gedanken machen. Irgendwann werde ich ein Fernstudium im Bereich Sportmarketing anfangen, um zu sehen, ob das etwas für später sein könnte." Neu- Nationalspieler Tobias Rau, der nach Saisonende vom VfL Wolfsburg zum FC Bayern wechselt, hat sich für den gleichen Weg entschieden und will damit bereits im Herbst beginnen.

Damit derartige Eigeninitiativen nicht zu spät kommen, will die VdV durch neue Kooperationen zusätzliche Anreize geben. Partner sind das "Institut für Lernsysteme" in Hamburg sowie eine große Personalberatungsfirma. "Wir wollen den Spielern Bildungsangebote machen, bei denen sie auch gecoacht werden", erläutert Hüser. "Denn für die Mehrheit ist mit dem Karriereende eine berufliche Neuorientierung und damit auch Qualifikation erforderlich."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%