Fußball selbst bei 40 Grad: Kein Wetterschutz für Profis - Training frühmorgens und viel trinken - Amateure dürfen am Abend spielen
Schwitzen wie die Schweine

Die Deutschen stöhnen unter der Rekordhitze und flüchten in den Schatten. Doch selbst wenn die Quecksilbersäule am Wochenende die 40-Grad-Marke erreichen sollte und die Bürger wegen erhöhter Ozonwerte aufgefordert werden, ihre körperlichen Aktivitäten einzuschränken, wird das Programm in den Fußball-Bundesligen wie geplant nachmittags zur größten Hitze abgespult.

dpa HAMBURG. Während im Winter Skilangläufer und Biathleten bei unter minus 20 Grad und Rodler bei weniger als minus 25 Grad nicht mehr starten dürfen, gibt es für Fußball-Profis keinen Wetterschutz. Dabei hatte der hitze-erprobte Brasilianer Dede von Borussia Dortmund schon am vergangenen Wochenende nach dem 2:2 in der überdachten "Arena AufSchalke" geflucht: "Das Klima war eine Katastrophe. Schon nach dem Aufwärmen waren alle platt." Und Landsmann Giovane Elber stöhnte am Donnerstag nach dem Bayern - Training: "Ich schwitze wie ein Schwein."

Doch in den Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gibt es keine Vorschriften bezüglich erhöhter Temperaturen. "Es steht nicht expressis verbis drin", sagte Pressesprecher Harald Stenger, der jedoch einräumte, dass das Thema "angesichts der Situation bei einer künftigen Sitzung auf die Tagesordnung kommt". Dabei warnen Mediziner vor den Belastungen bei tropischen Temperaturen. "Bei diesen Verhältnissen gibt es auch für den trainierten Hochleistungssportler keine Garantie. Hier geht es um die Gesundheit und allein darauf ist Rücksicht zu nehmen", sagte Prof. Georg Sabin, Chefarzt und Direktor der Klinik für Kardiologie am Essener Elisabeth-Krankenhaus, in einem Interview der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag- Ausgabe).

Er empfiehlt, wie in Südeuropa üblich am Abend zu spielen. Bedrohlich seien, so Sabin, auch die Ozonwerte, die sich auf Sauerstoffversorgung und Atemwege auswirken könnten. Dagegen stellte Nationalmannschafts-Arzt Prof. Wilfried Kindermann, fest: "Nachmittagsspiele sind zwar derzeit belastender, dennoch für einen gesunden und gut trainierten Spieler möglich."

Eine Verlegung von Spielen in die Abendstunden, wie von mehreren Bundesliga-Trainern gefordert, steht schon wegen der Verträge mit dem Fernsehen nicht zur Diskussion. "Weder die DFL noch der Vertragspartner Infront haben uns mitgeteilt, dass Verlegungen geplant sind", sagte ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf. Denn eine solche Verlegung wäre höchst problematisch. Würde die Sportschau am Samstag erst um 22 Uhr laufen, könnte keine Werbung gesendet werden, denn Spots sind nur bis 20 Uhr erlaubt. "Dann würde unser gesamtes Refinanzierungsmodell ins Wanken geraten", ergänzte Boßdorf.

Immerhin wurde den Clubs der Regionalliga Nord am Donnerstag vom DFB zugestanden, ihre für 14.00 Uhr vorgesehenen Partien in den Abendstunden auszutragen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Vereine eine Einigung mit den Fernsehanstalten erzielen, die eine Übertragung planen.

Derweil hat sich die Bundesliga mit flexibleren Trainingszeiten auf die Backofen-Temperaturen eingestellt. Statt am Vormittag und Nachmittag werden die Profis bereits am frühen Morgen und abends zur Übungseinheit gebeten. Die Belastungen für die Kicker werden zudem reduziert. "Es gibt viele Trinkpausen, außerdem trainieren wir sehr viel im Schatten", sagte Freiburgs Coach Volker Finke. Bei Eintracht Frankfurt stehen bei jedem Training 60 Liter Elektrolytgetränke bereit. Ausreichend zu trinken empfiehlt auch Peter Kuhlbach, Physiotherapeut beim Zweitligisten MSV Duisburg: "An den beiden Tagen vor dem Spiel soll die Flüssigkeitszufuhr auf je sieben Liter geschraubt werden."

Auch Ottmar Hitzfeld achtet beim Training des FC Bayern München auf die regelmäßige Zufuhr von Flüssigkeit. "Das ist wichtig für Vitamin- und Mineralienhaushalt", sagt der Coach des deutschen Rekordmeisters, der davor warnt, die Hitze-Diskussion zu dramatisieren. "Was die Fahrer in diesem Jahr bei der Tour de France geleistet haben, ist viel anstrengender als 90 Minuten Fußball."

Unterdessen hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) die Schiedsrichter aufgefordert, am Wochenende großzügig damit umzugehen, wenn Spieler während des Spiels trinken oder sich abkühlen wollen und dafür das Spielfeld kurz verlassen. Die Verbände von Unter- und Oberfranken hatten den Spielbeginn in ihren Ligen am Wochenende kurzerhand auf 18.30 Uhr verlegt. In der Oberliga Niedersachsen/ Bremen wurden vier, in der Oberliga Baden-Württemberg fünf Partien in die Abendstunden verschoben.

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