Fußball-Weltverband benennt Gewinner
Bei der Bewerbung zählen Beziehungen

Am Tag der Bekanntgabe wäre er am liebsten im Urlaub, antwortete Franz Beckenbauer süffisant lächelnd auf die Frage, ob er nicht Angst vor der Rolle des Buhmanns habe. Daraus wird nichts.

HB DÜSSELDORF. Der Präsident des WM-Organisationskomitees (OK) weilt am Montag in der Alten Oper in Frankfurt und lauscht der Entscheidung der Verantwortlichen des Fußball-Weltverbandes Fifa. Anschließend muss er sich mit dem Missmut mindestens zweier Bewerberstädte herumschlagen. Denn von den 15 Kandidaten kommen allenfalls 13 zum Zug.

Auf die Frage nach den Verlierern gibt sich das OK in Frankfurt zugeknöpft und sagt: "Die Städte stehen erst am Montag fest." Alle Meldungen über sichere Sieger oder eine eventuelle Aufstockung von zwölf Bewerbern auf 13 Städte seien "reine Spekulation", stellt OK-Sprecher Gerd Graus fest. Doch auch wenn die Verlierer der Lotterie 13 aus 15 noch nicht offiziell feststehen, räumen Experten Bremen und Mönchengladbach schlechte Chancen ein. Auch Düsseldorf wackelt.

Strenge Fifa-Auflagen

Da alle Bewerber die strengen Fifa-Auflagen erfüllt haben, dürften weichere Standortfaktoren - sprich persönliche Verbindungen - eine wichtige Rolle spielen. Berlin und München sind gesetzt, wahrscheinlich als Gastgeber des End- und Eröffnungsspiels. Leipzig hat den Bonus der einzigen ostdeutschen Stadt. Für Hamburg sprechen die Bedingungen der bereits bestehenden Arena, für Hannover Bundeskanzler Gerhard Schröder und DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle. Damit fällt Bremen als dritter norddeutscher Bewerber wohl raus.

Frankfurt als Sitz des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Stuttgart als Heimat von DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sind ebenfalls durch. An den beiden modernen Fußball-Tempeln im Westen, der Arena "Auf Schalke" und dem Dortmunder Westfalenstadion, geht sowieso kein Weg vorbei, Ähnliches gilt für Kaiserslautern.

Nürnberg hat Vorteile

Bleiben Nürnberg, Düsseldorf, Gladbach und Köln, die sich um die letzten Plätze balgen. Nürnberg hat hier zwei Vorteile: Der nächste Spielort ist weit entfernt, der Sitz des langjährigen Nationalelf-Ausrüsters Adidas-Salomon um so näher. Für Köln spricht im Rheinstädte-Vergleich die Größe der Stadt. Zudem war man bei der WM 1974 schon nicht dabei - im Gegensatz zu Düsseldorf. Gladbach wurden von Anfang an nur Außenseiter-Chancen gegeben. Der fußballverrückten Stadt fehlt die Lobby. Doch hatte man gestern die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Wir gehen davon aus, dass wir noch im Rennen sind", hieß es.

Horst Schmidt, beim OK für die Stadien zuständig, hätte aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten am liebsten nur zehn Spielorte. "Doch wir wollten was für die Infrastruktur tun." Bei der Stadienauswahl werde neben der regionalen Verteilung vor allem auf die Größe Wert gelegt. Denn "die Tickets sind die wichtigste Einnahmequelle des OK", so Schmidt. Die Organisatoren rechnen mit einer 100-prozentigen Stadionauslastung. Zu den 64 Spielen sollen rund 3,1 Millionen Fans kommen, davon eine Million aus dem Ausland. Die Stadionbetreiber verdienen an der WM kaum: Die Spielstätten müssen komplett werbefrei sein, auch darf kein Sponsor im Stadionnamen auftauchen. Lediglich 15 Prozent der lokalen Ticketeinnahmen verbleiben vor Ort. Zudem müssen die Stadien für die fünf bis sechs WM-Spiele auf eigene Rechnung teilweise umgerüstet werden. So fordert die Fifa 600 Plätze für schreibende Journalisten und 200 Kommentatoren-Plätze - ein Vielfaches des normalen Bundesligabetriebs.

20 000 Medienvertreter werden 2006 erwartet. Um das geplante 40 000 Quadratmeter-Medienzentrum haben sich Leipzig, Frankfurt, Berlin, Düsseldorf und München beworben. Dies soll nun angeblich gesplittet werden: TV und Radio sollen nach München, zwei Pressezentren nach Berlin und - als mögliches Trostpflaster - nach Düsseldorf.

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