Fußballinteresse wächst
„Wann spielen denn die Holländer?“

Bei Frauen wächst das Interesse am Fußball. Selbst Frauen-Zeitschriften bereiten ihre Leserinnen gezielt auf die WM vor.

WiWo/ap HAMBURG. Der jungen Frau laufen Tränen über die Wangen. Hilflos steht ihr Freund daneben, nimmt die Schluchzende tröstend in den Arm. Weder Liebeskummer noch ein Todesfall haben die Blondine so erschüttert - der Grund für die Trauer ist profaner: Bayer Leverkusen hat den Kampf um die Meisterschaft soeben endgültig verloren. Szenen wie diese, gesehen bei "ran" auf Sat1, könnten sich in Zukunft häufiger abspielen. Immer mehr Frauen entdecken - pünktlich zur WM - die Männerdomäne Fußball für sich.

Vor allem Vereine wie FC St. Pauli oder SC Freiburg, deren Fans als wenig gewaltbereit gelten, haben verstärkt weiblichen Zulauf, wie Gerd Dembowski, Vorsitzender des Fan-Bündnisses B.A.F.F. (Bündnis aktiver Fußball-Fans), erklärt. "Insgesamt liegt das Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Fans im Stadion aber noch bei drei zu sieben". Dagegen würden sich immer mehr Frauen Fußball im Fernsehen anschauen.

Dass die lange Fußball-Abstinenz der Weiblichkeit allmählich nachlässt, ist sogar wissenschaftlich belegt. Nach der aktuellen Sportfive-Studie "European Football" interessieren sich mittlerweile 44 % der weiblichen Bevölkerung für Fußball. Das sind fast doppelt so viele wie vor acht Jahren (23 %). Und so ist es pünktlich zur Fußball-WM überhaupt nicht mehr angesagt, den fußballbegeisterten Männern zickig die Leidenschaft für das runde Leder zu vermiesen. Im Gegenteil: Wer als moderne Frau etwas auf sich hält, interessiert sich jetzt für Fußball.

Doch Interesse ist eine Sache, das nötige Basiswissen eine andere. Fragen wie "Auf welches Tor spielen wir?", "Wo ist eigentlich Berti Vogts?" oder "Wann spielen denn die Holländer?" können in Männerrunden bestenfalls für Kopfschütteln und schlimmstenfalls für den Rausschmiss sorgen. Um das zu verhindern, haben sich jetzt mehrere Frauenzeitschriften ins Zeug gelegt, um ihre Leserinnen für die kommenden Wochen zu wappnen.

"Wonach riecht Fußball?"

"Amica" etwa hat sich Hilfe suchend an den Fachmann und Sportkommentator Gerhard Delling gewandt, um stellvertretend für die Zielgruppe die wichtigsten Fragen zu klären: "Worauf sollte ich da achten?" ("Auf den Ball"); "Was ist denn das Tolle an einem Ball?" ("Das ist das Medium"); "Hat Fußball Sie schon mal zum Weinen gebracht?" ("Nein"); "Wonach riecht Fußball?" ("Zigarettenqualm und frisch gemähter Rasen").

Andere geben sich gar nicht erst mit langatmigen Erklärungen ab. In der Annahme, dass die Abseits-Regel vermutlich auch nach zwanzig Wiederholungen noch nicht verstanden wird, heißt das Erfolgsrezept: Einfach so tun als ob. Das passende "Hochstapler-Set" liefert die "Allegra". Neben schlauen Kommentaren wie "Mal auf die Flügel spielen!" oder "Die Stürmer müssen mehr mit Bällen gefüttert werden" liefern die Kärtchen die wichtigsten Infos zu den meisten WM-Mannschaften, inklusive der schönsten Spieler.

Und welcher Mann wäre nicht beeindruckt, wenn seine Frau angesichts des brasilianischen Teams plötzlich zu Einsichten kommt wie: "Das schönste Tor war 1970, Finale gegen Italien, das 4:1 von Alberto. Bei dem Spielzug hatten alle elf Spieler von Brasilien vorher den Ball berührt." Die echten Tränen - ob aus Freude oder aus Trauer - kommen bei so viel Engagement dann von ganz allein.

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