Fußballverband beharrt auf Sonderrolle
Fifa lässt weiter keine Anti-Doping-Beobachter zu

Im Anti-Doping-Kampf beharrt der Fußball-Weltverband Fifa auch bei der WM in Japan und Südkorea auf seiner Sonderrolle. Unnachgiebig lehnte es die Fifa weiter ab, Beobachter der Welt-Anti- Doping-Agentur (WADA) bei der WM zu zulassen oder sich dem Trainings- Kontrollprogramm der WADA anzuschließen.

dpa SEOUL. "Es gibt keinen Grund dafür, von Nichtmedizinern beaufsichtigt zu werden. Unabhängige Beobachter sind nicht vorgesehen", erklärte Jiri Dvorak, der Fifa-Chefmediziner bei der WM, am Mittwoch in Seoul, "dazu müssten die Regeln geändert werden." Bei den Olympischen Spielen in Sydney und Salt Lake City hatte die WADA das Kontrollsystem mit einem Team überwacht.

Während 28 der 25 olympische Sommersportarten sich dem WADA-Testsystem angeschlossen haben, zögert die Fifa - ebenso wie Fechter und Handballer - einen Anschluss hinaus. "Die Fifa ist ein sehr wichtiger Verband. Ein Beitritt zur WADA wäre ein bedeutendes Zeichen im Kampf gegen Doping", sagte WADA-Chef Richard Pound der dpa.

Die Fifa argumentiert jedoch, dass sie Doping-Kontrollen nur von Ärzten vornehmen lassen will, was die WADA nicht garantiert. "Mit der Einführung der Bluttest bei der WM ist dies noch notwendiger geworden", sagte Dvorak. In Japan und Südkorea werden von rund 250 der 736 WM-Spieler erstmals Blutproben verlangt, um der illegalen Einnahme des die Sauerstoffaufnahme fördernden Erythropoietin (EPO) auf die Spur zu kommen.

"Wir haben keine Hinweise, dass EPO im Fußball eine Rolle spielt. Doch nachdem die Bluttest bei den Winterspielen in Salt Lake City erfolgreich waren, entschlossen wir uns auch dazu", so Dvorak. Zudem veranstaltete die Fifa, die seit 1966 Doping-Kontrollen bei den WM-Titelkämpfen durchführt, auch Trainings-Test. "Jede der 32 Mannschaften, die hier spielt, ist vor der WM, getestet worden", berichtete Dvorak.

Die Resultate der Doping-Tests in den ersten elf WM-Spielen - pro Partie werden je zwei Akteure pro Team kontrolliert - sind nach Fifa-Angaben alle negativ ausgefallen. Bisher gab es erst einen Doping-Fall bei einer WM - und dies war ein Skandal: 1994 in den USA wurde Argentiniens Superstar Diego Maradona des Kokain-Gebrauchs überführt.

Dennoch hat die Zahl der Doping-Sünder im Fußball durch mit anabolen Stoffen verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel zugenommen. So wurden kurz vor der WM die portugiesischen Nationalspieler Joaquim "Quim" Silva und Daniel Kenedy des Dopings überführt. Zu den prominenten Profis, die schon einmal ertappt wurden, gehörten aber auch die Niederländer Frank de Boer (FC Barcelona) und Edgar Davids (Juventus Turin) sowie der Portugiese Fernando Couto (Lazio Rom).

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