Fußballvereine sollen zurückstecken
Interessenkonflikt zwischen Fußball-Bundesliga und Olympia

Sollte sich die deutsche "U21"manschaft für das olympische Fußball-Turnier in Athen qualifizieren, könnte es zu einem Interessenkonflikt zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und den Bundesliga-Vereinen kommen. Obwohl der deutsche Fußball-Nachwuchs nach dem Erreichen der EM-Endrunde gute Chancen auf die Olympia-Teilnahme hat, sind während der Sommerspiele vom 13. bis 29. August zwei Bundesliga-Spieltage und die erste Runde im DFB-Pokal angesetzt worden.

HB HAMBURG. "Wir werden auf Olympia jedenfalls nicht verzichten", sagte DFB-Trainer Uli Stielike am Montag und fügte mit einem Anflug von Sarkasmus hinzu: "Und wenn wir mit einer reinen Amateurmannschaft dorthin fahren, sind wir dem olympischen Gedanken doch sehr nah."

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hatte bereits vor den Relegationsspielen gegen die Türkei entschieden, dass der Punktspielbetrieb ungeachtet der Medaillenjagd in Athen weitergehen soll. Diesem Wunsch entsprach das DFB-Präsidium am Wochenende. Am 14./15.8. und 28./29.8. regiert nun die Bundesliga, am 21./22.8. der DFB-Pokal. Dazwischen bestreitet auch noch die Nationalmannschaft am 18. August ein Länderspiel in Österreich. Außerdem finden die letzten Qualifikationsspiele für die Champions League (24./25.8.) und den UEFA-Cup (26./8.) statt, auch die 2. Bundesliga und die Regionalligen spielen durch.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder erwartet, dass die Clubs im Fall der Olympia-Teilnahme kollektiv zurückstecken. Grundsätzlich, so der DFB-Chef, solle bei Olympischen Spielen möglichst die stärkste Mannschaft spielen. Schließlich bewirbt sich der Verband sogar mit sehr guten Aussichten um die Ausrichtung der Europameisterschaft vom 27. Mai bis 8. Juni 2004, um mit dem Heimvorteil im Rücken einen der drei Olympia-Tickets zu holen. Die Entscheidung über den EM-Gastgeber fällt die UEFA-Exekutive am 10./11. Dezember. Wie prestigeträchtig eine deutsche Olympia-Teilnahme ist, zeigte der Gewinn der Bronzemedaille von Jürgen Klinsmann & Co 1988 in Seoul. Seitdem war der deutsche Fußball-Nachwuchs bei Olympia nur Zuschauer.

Stuttgarter Jungstars fliegen zur EM

Prinzipiell sind die Vereine nach dem Reglement des Weltverbandes FIFA verpflichtet, ihre Spieler zu offiziellen Wettbewerben abzustellen. Darauf dürfte Mayer-Vorfelder im Ernstfall pochen, nachdem er sich zuletzt bei der Besetzung der deutschen U20-Auswahl für die am Donnerstag beginnende Weltmeisterschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten überaus nachsichtig gezeigt hatte. Gleich sechs Talente aus dem Aufgebot von Stielike durften auf Wunsch ihrer Arbeitgeber zu Hause bleiben. Nach diesem Kahlschlag rückte Stielike vom Ziel Viertelfinale ab und wäre schon froh, unter diesen Umständen die Gruppenspiele zu überstehen.

Klar ist lediglich, dass die beiden Stuttgarter Jungstars Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi in den Olympia-Planungen keine Rolle spielen und stattdessen mit der A-Nationalmannschaft zur EM nach Portugal sollen. Dennoch droht gerade dem VfB Stuttgart im Olympia-Ernstfall der größte Aderlass: Der Grieche Ioannis Amanatidis, der Weißrusse Alexander Hleb sowie die Deutschen Philipp Lahm und Christian Tiffert träumen allesamt vom Start in Athen. "Wir beim VfB mit unseren vielen jungen Spielern wären davon hart betroffen", sagte Vereinspräsident Erwin Staudt: "Wir sind mit der DFL im Gespräch."

Kompromissbereit ist man beim TSV 1860 München, der seine Stammkräfte Benjamin Lauth und Andreas Görlitz für die U21 abstellt. "Ich habe dagegen keine Einwände. Der Verein besteht nicht nur aus zwei Spielern", sagte Präsident Karl-Heinz Wildmoser: "Wir können uns doch freuen, wenn zwei Spieler von uns zu Olympia fahren und dort vielleicht sogar eine Medaille gewinnen."

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