Fußballweltmeister Deutschland gestrichen
Lafontaine kritisiert „Kanzlerwahlverein“

Die SPD droht nach Ansicht der Jusos und des früheren Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine zum Kanzlerwahlverein zu werden. Nach Verabschiedung des Wahlprogramms durch den SPD-Vorstand am Dienstagabend kritisierte Lafontaine auch Schröders Strategie, im Bundestagswahlkampf die Auseinandersetzung "Mann gegen Mann" mit seinem Herausforderer Edmund Stoiber zu suchen.

wiwo ap BERLIN. Schröder wollte das Programm, das ein Parteitag am 2. Juni endgültig verabschieden will, am Mittag der Öffentlichkeit vorstellen. Der Juso-Vorsitzende Niels Annen sagte im Hessischen Rundfunk, die Konzentration des Wahlkampfs auf eine "Personality-Show" um Schröder berge die Gefahr inhaltlicher Verflachung. Lafontaine erklärte in der "Bild"-Zeitung, die Sorge, dass sich die SPD zu einem "Kanzlerwahlverein" entwickele, sei "ein Stück weit schon berechtigt". Die SPD müsse aber eine Programmpartei bleiben, forderte Lafontaine. "Wenn sie zum Kanzlerwahlverein wird, gibt sie sich auf", meinte der frühere SPD-Chef.

Der niedersächsische Ministerpräsident Sigmar Gabriel verteidigte dagegen die Entscheidung seiner Partei, sich im neuen Wahlprogramm vor allem die Anziehungskraft des Kanzlers zu Nutze zu machen. "Es macht durchaus Sinn, vor allem auf unser Zugpferd Gerhard Schröder zu setzen", erklärte Gabriel im ARD -"Morgenmagazin". Wichtig sei, dass der Kandidat und die politischen Leitlinien der SPD überein stimmten. Dies sei absolut der Fall. "Wir wären schlecht beraten, nicht mit dem Pfund des Kanzlers zu wuchern", meinte Gabriel.

Nach ursprünglicher Kritik scheint auch die SPD-Parteilinke mit dem Wahlprogramm einigermaßen zufrieden. Die Bundestagsabgeordnete Andrea Nahles sagte in Radio EINS, Schröder habe wirklich den Versuch gemacht, die Positionen zu integrieren. "Wir haben uns in einigen Punkten auch durchsetzen können", erklärte Nahles. Als wichtigsten Punkt im Programm nannte Nahles: "Wir sprechen jungen Leuten eine Garantie aus für ein Job und Ausbildungsangebot." Darüber sei sie sehr froh. Die Aussage, dass Deutschland 2006 Fußballweltmeister werde, "haben wir gestern, zum Leidwesen von (Generalsekretär) Franz Müntefering, aus dem Programm herausgestrichen."

"Ein Schröder allein ist zu wenig"

Der SPD-Vorstand hatte am Dienstagabend das Programm für die Bundestagswahl im Herbst nach dreistündiger Beratung einstimmig verabschiedet. Vor der Beratung hatte Schröder den Teamgeist der Partei im Bundestagswahlkampf beschworen. "Ein Schröder allein ist zu wenig", sagte er. Die SPD werde ihre politische Arbeit auf einer klar programmatischen Basis fortsetzen. "Das kann niemand allein schaffen", sagte Schröder. Dazu brauche es der gemeinsamen Anstrengungen zwischen der Parteibasis und den Spitzenleuten.

Schröder sagte, er sei grundsätzlich mit dem Wahlprogramm zufrieden. Was die SPD 1998 begonnen habe, Erneuerung und soziale Gerechtigkeit, werde auch mit dem neuen Programm fortgesetzt.

"Zu viel Schröder kann es gar nicht geben", sagte nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement. Zum Regierungsprogramm erklärte er: "Es handelt sich um ein modernes Programm, das einen vernünftigen Schwerpunkt auf die Bildung legt und die Arbeit angemessen berücksichtigt."

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