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G-8-Staaten wollen mit Internet gleichen Chancen für alle

DEU065 3 pl 621 DEU /AFP-OC79 D/G7/G8/Gipfel/Internet/WZF G-8-Staaten wollen mit Internet gleichen Chancen für alle - Schröder möchte deutsche Firmen in Initiative einbinden - Kritiker sehen Hilfsprogramm vor allem für Industrie = Nago, 23. Juli (AFP) - Die sieben führenden Industriestaaten und Russland wollen über das Internet mehr Chancengleichheit auf der Welt schaffen. Bei ihrem am Sonntag beendeten Gipfeltreffen im südjapanischen Okinawa starteten die Staats- und Regierungschefs der so genannten G-8-Gruppe eine Initiative, mit der die ärmeren Länder an das weltweite Datennetz angebunden werden sollen. In der traditionellen Abschlusserklärung des Gipfels heißt es dazu: «Durch gemeinsames Handeln werden wir die Vorteile der Informationstechnnologie optimal nutzen und sicher stellen, dass sie auch diejenigen erreichen, die derzeit nur begrenzten Zugang dazu haben.» Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) kündigte an, deutsche Firmen in die Initiative einzubinden. Gipfelkritiker bemängelten das Vorhaben als Hilfsprogramm für die Computerindustrie. "Wir haben eine Vision von der Informationsgesellschaft, in der die Menschen besser in der Lage sein werden, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und ihre Bestrebungen in die Tat umzusetzen», betonen die G-8-Chefs in einer eigenständigen «Charta von Okinawa über die globale Informationsgesellschaft». Darin sagen die G-8-Staaten digitalem Analphabetentum den Kampf an. Alle Bürger sollten durch Erziehung, lebenslanges Lernen und Weiterbildung mit Computern vertraut gemacht werden. Schulen und Büchereien sollen online gebracht werden, Lehrer eine spezielle Ausbildung erhalten. Alle Menschen sollten in der Lage sein, Zugang zu Netzwerken, Information und Kommunikation zu bekommen. Entwickelte Staaaten und Entwicklungsländer sollten enger mit Gesellschaft, Firmen und Nicht-Regierungsorganisationen zusammenarbeiten. In der Charta verpflichten sich die G-8-Staaten (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Russland) auch auf das Ziel, bezahlbare Kommunikationsdienstleistungen anzubieten. Nutzerfreundliche Technik ohne unnötige Barrieren solle vorangetrieben werden. Als Beispiel nennt die Erklärung Zugang zum mobilen Internet. Schröder erklärte, Pilotprogramme und Projekte zur Informationstechnik könnten «nur ein Aspekt für Armutsbekämpfung» sein. Deutsche Unternehmen sollten mithelfen, die Pläne für eine Verbreitung des Internet in den Entwicklungsländern voranzutreiben. Eine entsprechende Initiative von US-Firmen müsse mit den deutschen Unternehmen in der nationalen Internet-Initiative D 21 diskutiert werden. Der Kanzler verteidigte die Charta gegen den unter anderem von der Erlassjahr-Kampagne Jubilee 2000 erhobenen Vorwurf, die G-8-Staaten würden dem ihrer ertragreichsten Wirtschaftsbranche helfen statt den ärmsten Menschen der Welt. Was auf Okinawa beschlossen worden sei, sei notwendig und folge ähnlichen Initiativen auf europäischer und nationaler Ebene. Wie bei der Deutschland-21-Initiative werde auch in Okinawa auf «private public partnership» gesetzt. Diese Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft sei auch erforderlich, um die «notwendige Durchdringung der Gesellschaft» mit Informations- und Kommunikationstechnik zu erreichen. Eine Jubilee-2000-Sprecherin sagte, die hungernden Armen bräuchten zunächst lebensnotwendige Dingen wie Nahrung, Wohnungen und Strom. «Sie können keine Computer-Kuchen essen. Demonstranten versengten aus Protest gegen die Okinawa-Charta einen tragbaren Computer. Die Gruppe OXFAM bemängelte, das Internet-Vorhaben helfe den 880 Millionen Analphabeten in der Welt kaum. +++ Die deutsche Fassung der Charta steht im Internet unter www. bundesregierung.de/dokumente/artikel/ix_14593.htm +++ pin/cs AFP 231311 JUL 00

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