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G10-Notenbanker sehen Stabilisierung der US-Wirtschaft

Es bestünden hoffnungsvolle Zeichen, hieß es aus den Reihen der Zehnergruppe.

rtr BASEL. Für die Notenbanken der Länder der Zehnergruppe (G10) besteht Hoffnung für die angeschlagene Weltwirtschaft. Eine Kehrtwende der US-Konjunktur könne aber noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, erklärte Eddie George, britischer Notenbankchef und gleichzeitig Sprecher der Gruppe, am Montag im Anschluss an die monatliche Sitzung der Notenbank-Gouverneure der G10 bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel. Dank den ersten Auswirkungen der Zinssenkungen und der Steuerrückvergütungen bestünden hoffungsvolle Zeichen einer grösseren Stabilität in den USA.

Gemäss George sind Befürchtungen einer Rezession in den USA übertrieben. Die Rate des Lagerabbaus sei nun für eine gewisse Zeit ziemlich stabil geblieben. Zudem habe sich der Konsum-Sektor bemerkenswert gut behauptet. "Dies deutet darauf hin, dass sich das Tempo des Abschwungs in den vergangenen Monaten stabilisiert hat. Das muss die erste Stufe sein, bevor die Wirtschaft anzuziehen beginnt," fasste George zusammen. Als Zeitrahmen nannte er die zweite Hälfte des laufenden Jahres bis in die erste Hälfte des kommenden Jahres. An der Sitzung nahm auch US-Notenbankchef Alan Greespan teil.

Trotzdem mahnte George, dass ein Aufschwung der weltweit grössten Volkswirtschaft nicht unmittelbar bevorstehe. Gegenwärtig seien in den Wirtschaftsdaten nicht viele Anzeichen auszumachen, die einen Aufschwung andeuteten, jedenfalls keinen kräftigen Aufschwung, so George.

George machte diese Aussagen, nachdem am Freitag überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht worden waren. Die US-Arbeitslosenquote war im August auf 4,9 von 4,5 % im Juli und damit auf den höchsten Stand seit September 1997 gestiegen. Die Zahl der abgebauten Stellen ausserhalb der Landwirtschaft fiel mit 113 000 viel höher aus als von Experten erwartet. Volkswirte zeigten sich geschockt von den Zahlen und sagten, Hoffnungen auf eine baldige Erholung der US-Wirtschaft hätten einen herben Rückschlag erlitten.

George erklärte, die Daten hätten bestätigt, was andere Arbeitsmarkt-Indikatoren angezeigt hätten. In diesen anderen Daten habe sich der Abschwung der Wirtschaft schon länger gezeigt. Ein positives Zeichen sei jedoch, dass die Rate des Stellenabbaus in den Vereinigten Staaten gegenwärtig tiefer sei als noch vor einigen Monaten.

Auch für die Eurozone gab George eine vorsichtig optimistische Einschätzung. "Die Auswirkungen des Abschwungs kombiniert mit steigenden Energie- und Nahrungsmittelpreisen in der Eurozone hatte einen negativen Einfluss auf die Konsumausgaben," sagte George. Dieser sei im laufenden Jahr tiefer ausgefallen als erwartet. "Auch dort bestehen Signale, dass die Situation nahe dem Tiefpunkt ist und dass die Aktivität anziehen könnte," so George.

Um die Wirtschaft anzukurbeln hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Hauptrefinanzierungssatz am 30. August um 25 Basispunkte auf 4,25 % zurückgenommen und die Zinsen im laufenden Jahr damit zum zweiten Mal gesenkt. Die EZB rechne nicht mehr damit, 2001 das angestrebte Wirtschaftswachstum von 2,0 bis 2,5 % zu erreichen. Die Notenbank will die Prognose senken.

Im Gegensatz zu den USA und Europa sei das Bild der japanischen Wirtschaft deutlich weniger beruhigend. Die Zahlen zum BIP im zweiten Quartal seien enttäuschend ausgefallen. Am Freitag hatte die japanische Regierung mitgeteilt, dass die weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft im zweiten Quartal zum vorhergehenden Quartal um 0,8 % geschrumpft war. Der annualisierte Rückgang beläuft sich damit auf 3,2 %.

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