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G20-Treffen führt nicht zu Beruhigung an Finanzmärkten - Ökonomen

Das Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende hat nach Einschätzung von Ökonomen nicht zu einer grundlegenden Beruhigung an den Finanzmärkten geführt.

dpa-afx FRANKFURT. Das Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Wochenende hat nach Einschätzung von Ökonomen nicht zu einer grundlegenden Beruhigung an den Finanzmärkten geführt. Der Euro blieb mit 1,3 018 Dollar in Reichweite seines erst am vergangenen Donnerstag erreichten Rekordhochs von 1,3 074 Dollar. Die Notierungen für Gold, Staatsanleihen und Rohöl zeigten einheitlich nach oben, während die europäischen Aktienmärkte auf Talfahrt gingen. Die Sorge vor einer nachlassenden Wachstumsdynamik gepaart mit erheblichen globalen Ungleichgewichten lastet weiter auf den Märkten.

"Die G20-Veranstaltung impliziert, dass die Homogentität auf G20, G7 und G3 Ebene nicht länger gegeben ist", sagte Ökonom Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank. Die Einflussmöglichkeiten dieser Gipfeltreffen auf die globalen Finanzmärkte sänken. Für den Dollar ließen sich dadurch "bestenfalls unilaterale Stützungsaktionen" ableiten. Diese dürften aber keine nachhaltige Marktwirkung zeitigen und das Problem zu großer Dollar-Reserven weiter verstärken.

Hellmeyer: 'Wunderliches Kaufinteresse'

Auf gemeinsame Beschlüsse zum Höhenflug des Euro gegenüber der US-Währung verzichteten die Finanzminister und Notenbankchefs der G20 zum Abschluss ihrer dreitägigen Jahrestagung in Berlin am Sonntag. Die USA scheint Händlern zufolge über den jüngsten Kursverfall ihrer Währung wenig besorgt und wohl nicht zu Interventionen bereit. Gleichwohl stellt Hellmeyer ein "wunderliches Kaufinteresse" im Bereich unmittelbar vor der alten Höchstmarke fest.

Die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer forderten bei ihrem Treffen in Berlin unterschiedliche Maßnahmen der USA, Europas und Asiens gegen die globalen Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen. Die Schwäche des Dollar im Vergleich zum Euro wurde im Abschlusskommuniqué aber nicht erwähnt. Zur Vermeidung abrupter Währungsturbulenzen versprachen die USA eine deutliche Verringerung ihres Haushaltsdefizits. Europa sowie Japan wollen Strukturreformen vorantreiben und die asiatischen Länder für eine größere Wechselkursflexibilität sorgen.

Dieses Signal dürfte nach Einschätzung der Devisenexperten den Höhenflug des Euro aber nicht stoppen. Neue Höchstmarken seien nur eine Frage der Zeit. Unter Druck war der Dollar bereits am Freitagnachmittag nach Äußerungen von US-Notenbankchef Alan Greenspan geraten. Dieser hat nach Einschätzung von Hellmeyer "in ungewohnt klaren Worten" dargelegt, dass das riesige US-Leistungsbilanzdefizit zu einem geringeren Interesse an Dollar-Anlagen führen könnte.

USA Soll Schärferen TON Verhindert Haben

Die USA soll nach Einschätzung von Devisenexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank am Wochenende ein Ansinnen Deutschlands abgelehnt haben, starke Volatilität an den Devisenmärkten als unerwünscht zu erklären, wie es noch in der Abschlusserklärung des G7-Treffens von Boca Ratan gestanden hatte. Auch Helabatrust-Experte Richard Zellmann verweist auf Aussagen von Teilnehmerkreisen mit ähnlichem Inhalt.

Der 1999 gegründeten G20 gehören neben den sieben führenden Industriestaaten (G7) und der EU auch Argentinien, Australien, Brasilien, China, Indien, Indonesien, Korea, Mexiko, Russland, Türkei, Saudi-Arabien und Südafrika an. Im nächsten Jahr hat China den G20-Vorsitz.

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