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G7-Notenbanker zu Konjunktur vorsichtig optimistisch

Die Notenbankchefs der Siebenergruppe der führenden Industrienationen (G7) beurteilen die Aussichten für die erwartete Erholung der Weltwirtschaft vorsichtig optimistisch. Bei einer Währungskonferenz im kanadischen Montreal wiesen sie allerdings zugleich auf die Risiken für die jeweiligen nationalen Volkswirtschaften hin.

rtr MONTREAL. Die Perspektiven für die USA als größte Volkswirtschaft der Welt haben sich nach Einschätzung des Chefs der US-Notenbank (Fed), Alan Greenspan, seit Januar nicht grundlegend geändert. Greenspans Äußerungen belasteten am Dienstag im späten Geschäft die US-Aktienmärkte. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, geht davon aus, dass Nahrungsmittel- und Ölpreise die Inflation in der Euro-Zone vorerst bei rund zwei Prozent halten. Allerdings habe sich die Trendwende beim Wirtschaftswachstum bestätigt. Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird nach den Worten von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke noch immer von den Auswirkungen der Wiedervereinigung gedämpft. Die derzeitige konjunkturelle Erholung stehe auf keiner sehr breiten Basis, sagte er.

Greenspan: Ausblick seit Januar nicht grundlegend geändert

Greenspan sagte: "Der Ausblick der Fed hat sich eigentlich seit Januar nicht grundlegend verändert." Die Inflation bleibe weiter "bemerkenswert niedrig". Die US-Wirtschaft gehe derzeit durch eine "leichte Schwächephase", sei aber immer noch mitten in der Erholung. Nach Ansicht von Analysten signalisierte der Fed-Chef mit diesen Äußerungen, dass die US-Währungshüter die Leitzinsen vorerst nicht erhöhen werden. Derzeit liegt der Schlüsselzins der Fed mit 1,75 % auf dem niedrigsten Niveau seit rund 40 Jahren.

Ein deutlicher Aufschwung bei den Investitionen der Unternehmen zum Aufbau der Lagerbestände stimuliere die Produktion kräftig, sagte Greenspan. "Aber es ist eine einmalige Sache, und die Frage ist, ob danach die Endnachfrage das Wachstum aufrechterhalten wird." An der Wall Street drehte der Standardwerte-Index Dow Jones nach Greenspans Äußerungen im späten Geschäft ins Minus und schloss 0,23 % schwächer mit 9687,84 Punkten. Der technologielastige Nasdaq-Index gab seine Tagesgewinne teilweise wieder ab und ging mit einem Plus von einem Prozent bei 1578,12 Zählern aus der Sitzung.

Nach Einschätzung des Fed-Chefs hat sich die US-Wirtschaft in den vergangenen 18 Monaten als beachtlich widerstandsfähig erwiesen. Die Konjunktur habe sich nach den Anschlägen vom 11. September rasch erholt. Dies sei zum Teil den Fortschritten in der Informationstechnologie zuzuschreiben, die schnelle Reaktionen auf konjunkturelle Schwankungen ermöglicht und damit der Wirtschaft geholfen hätten, schwere Krisen zu überwinden. Die Verbesserungen der Produktivität in den vergangenen sechs Monaten wiesen auf eine fundamentale Veränderung hin, sagte der US-Notenbankchef weiter. Die sich anbahnende konjunkturelle Erholung in den USA sei aber nicht typisch. Greenspan führte zur Begründung an, der wirtschaftliche Abschwung, der im vergangenen Jahr begonnen habe, sei der schwächste seit 50 Jahren gewesen.

Duisenberg: Inflation in Euro-Zone weiter bei zwei Prozent

EZB-Präsident Duisenberg sagte bei der Konferenz, die EZB erwarte, dass sich die Inflation im weiteren Jahresverlauf um zwei Prozent bewegen und auch im nächsten Jahr auf diesem Niveau verharren oder leicht darunter fallen werde. Er fügte hinzu, die Entwicklung der Ölpreise und andere externe Faktoren stellten zwar ein Risiko für die wirtschaftlichen Aussichten der Euro-Zone dar. Die Erwartung einer Trendwende beim realen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Euro-Zone sei aber durch jüngst veröffentlichte Schätzungen bestätigt worden, sagte Duisenberg.

Welteke: Wiedervereinigung dämpft Wachstum noch immer

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft ist nach den Worten von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke derzeit enttäuschend. Er wies jedoch darauf hin, dass Deutschland noch immer einen wirtschaftlichen Preis für die Vereinigung beider deutscher Staaten zahle. Dies dämpfe noch immer das Wachstum in Deutschland. Nach Einschätzung des Gouverneurs der Bank von Japan (BoJ), Yutaka Yamaguchi, festigt sich die Konjunktur in Japan. "Wir glauben, dass sich die wirtschaftliche Aktivität als Ganzes schrittweise stabilisiert", sagte der Notenbankchef. Diese Entwicklung habe mit einer Erholung der Exporte begonnen. Yamaguchi forderte zugleich Geduld mit der Reformpolitik in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

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