G7 verlangen von Wolfensohn Rechenschaft
Chef der Weltbank gerät hart in die Kritik

Bislang stand vor allem der Internationale Währungsfonds im Kreuzfeuer der Kritik, doch nun kommt in Prag auch die Weltbank und ihre Spitze unter heftigen Beschuss.

PRAG. Die Vertreter wichtiger westlicher Kapitalgeberländer werfen Weltbankchef James Wolfensohn, der seit fünf Jahren amtiert, eklatante Versäumnisse bei der Reform der Weltbank und mangelnde Fokussierung auf Kernaufgaben vor.

Dies wurde bei den vorbereitenden Abstimmungen der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7) für die Prager Tagung deutlich. Einige Vize-Finanzminister und Staatssekretäre kritisieren Wolfensohn, dass er sich als Liebling der Nichtregierungsorganisationen (NGO) und als Anwalt der Armen in der Welt wirksam profiliere, als Reformer jedoch eklatant versage. In wichtigen Bereichen sei die Weltbank unter dem früheren Wall - Street-Banker außer Kontrolle geraten. Allerdings wird konzediert, dass die Entwicklungshilfeministerien in den meisten G7-Ländern noch hinter Wolfensohns stehen.

Beim Treffen der G7-Finanzminister am Samstag soll Wolfensohn Rede und Antwort stehen, heißt es aus dem Kreis der Siebenergruppe. Man werde dem in letzter Zeit "zunehmend imperial" agierenden Weltbankchef zu verstehen geben, dass eine zugestandenermaßen brillante Öffentlichkeitsarbeit im Weltmaßstab zur Förderung der "Zivilgesellschaft" die solide Entwicklungsfinanzierung im Rahmen sinnvoller Projekte nicht ersetzen kann. Gleiches gelte auch für die Vergabe immer höherer Mittel an Nichtregierungsorganisationen. Die Weltbank hole sich mit fast 1 Mrd. $ für NGO-Programme "einen Kuckuck ins Nest", so die Kritiker.

Gezielt wollen die G7 die aus Sicht der westlichen Steuerzahler nicht vertretbaren Überlappungen der Arbeit von Weltbank und regionalen Entwicklungsbanken sowie die Defizite in der Zusammenarbeit mit dem IWF ansprechen. Begrüßt wird, dass sich Weltbankpräsident Wolfensohn und IWF-Chef Horst Köhler am 5. September in einem "Joint Statement" zu einer engeren Abstimmung bei der Aufgabenteilung beider Institutionen verpflichtet haben.

Vertreter regionaler Entwicklungsbanken wie Enrique Iglesias, der Chef der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank (IDB), teilen die von den G7 vorgebrachte Kritik: Wolfensohn laufe Gefahr, durch die immer stärkere Ausrichtung der Bank auf die Förderung der Zivilgesellschaft die seit Jahrzehnten geltenden Standards der Entwicklungsfinanzierung zu untergraben. In Lateinamerika habe Wolfensohns diffuse Strategie der Förderung der Zivilgesellschaft dazu geführt, dass die Arbeit der multilateralen Banken beim Aufbau staatlicher Institutionen erschwert werde.

Dass dagegen US-Finanzminister Larry Summers vor seiner Abreise nach Prag in einer Rede Wolfensohns Förderung der NGO unterstützt, ist nach Ansicht der Europäer in den G7 eine versteckte Wahlkampfhilfe: Kritik am Weltbankpräsidenten aus dem US-Finanzministerium wäre Wasser auf die Mühlen der republikanischen Gegner einer expandierenden Weltbank.

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