G8-Gipfel
Swoboda heißt Freiheit

Die russische Regierung hat bereits im Vorfeld des G8-Gipfels alles unternommen, um Bürgerrechtsaktivisten und Globalisierungsgegner nicht ins Land zu lassen. Wer dennoch den Weg nach St.Petersburg gefunden hatte, durfte erfahren, wie weit das Demokratiebewusstsein des Putin-Regimes reicht.

ST. PETERSBURG. Der Schlüssel zu Russlands Demokratie passt in ein simples Vorhängeschloss. Um 13.52 Uhr dreht ihn ein kurzgeschorener Milizionär in der dunkelblauen Uniform der St.Petersburger Polizei um: Stahlkette, Vorhängeschloss - und der Zaun um das Kirow-Stadion in der Gipfel-Stadt ist dicht. "Swoboda, Swoboda" (Freiheit), skandieren die gut 120 russischen Regimegegner den drei Polizei-Kordons entgegen. Sie wollen das Stadion verlassen und in der Stadt demonstrieren gegen die Einschränkung der Freiheit in Russland und die Globalisierung. Jetzt sitzen sie fest, gefangen von einem Vorhängeschloss.

Dass gerade einmal zehn Dutzend Menschenrechtler, Gewerkschafter, Umweltschützer und Liberale den Weg ins entlegene Kirow-Stadion gefunden haben, liegt auch an der Polizei: Im Ausland bekannte Globalisierungsgegner konnten gar nicht erst nach Russland einreisen. Sibirische Gewerkschafter wurden von der Miliz im Ural aus dem Zug geholt, Busse mit Regimekritikern aus Moskau wurden auf der Hälfte der Strecke bei der Stadt Twer abgefangen. Bürgerrechtsaktivisten berichten von 3000 Festgenommenen, die eigentlich am Gegengipfel der Globalisierungsgegner gegen das G8-Treffen der Staats- und Regierungschefs in St.Petersburg teilnehmen wollten.

Den 42 Jahre alten Wladimir Solowejtschik, Organisator der "Sozialgipfel" genannten Gegenveranstaltung, rief die Heimat bereits am Montag: Früh morgens standen Polizisten vor der Tür des Aktivisten mit einem Einberufungsbefehl zur Reservistenübung. Solowjtschik entkam dem Vaterland durch die Hintertreppe. So konnte er statt weit weg in Sibirien den Stechschritt zu üben, am Sonnabend den Gegengipfel im Kirow-Stadion leiten.

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