Gaddafi für gemeinsame Strategie der Araber
Iran befürwortet Sturz der Taliban

Für die Iraner, die seit der islamischen Revolution 1979 keine diplomatischen Beziehungen zu den USA unterhalten, bergen die Folgen der Terrorattacken in New York und Washington große Gefahren, zugleich könnten sich jedoch unerwartete Chancen für dieses international geächtete Land öffnen.

NIKOSIA. Seit vielen Jahren steht die Islamische Republik Iran auf der amerikanischen Liste jener Staaten, die Terroristen unterstützten. Wegen iranischer Hilfe an die libanesische Hisbollah, die palästinensischen Hamas und Dschihad in ihrem Kampf gegen Israel hat der US-Kongress erst im Sommer Sanktionen gegen Teheran erneuert. Erst vor drei Monaten hatte der US-Generalstaatsanwalt ungenannte führende Vertreter des iranischen Regimes der Verwicklung in einen Terrorakt in Saudi-Arabien bezichtigt, bei dem 1996 19 US-Soldaten ums Leben gekommen waren. Der Iran fühlt sich damit von einer möglichen amerikanischen Kampagne gegen alle "Schurkenstaaten" direkt bedroht.

Doch Präsident Mohammed Chatami hat die Bereitschaft seines Landes erklärt, den Terrorismus zu bekämpfen. Dies erfordere aber ein langfristiges und vernünftiges Vorgehen und sollte in internationaler Übereinstimmung erfolgen, schrieb Chatami nach einer Meldung des Nachrichtensenders Chabar an Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Während Chatami zu den ersten Staatsführern gehörte, die dem "amerikanischen Volk" sein "tiefstes Mitgefühl" bekundeten, bleibt der Irak bei seiner harten Haltung. Er warnte die arabischen und islamischen Staaten davor, sich einer von den USA geführten Anti-Terror-Allianz anzuschließen. Der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi, der ebenfalls den Anschlag verurteilt hatte, hat die arabischen Staaten dazu aufgerufen, eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung des Terrorismus zu entwickeln.

Doch auch Verurteilung des Mordes an Unschuldigen durch Chatami bedeutet noch keineswegs, dass sich Teheran einer solchen von US-Präsident George Bush erstrebten Allianz aktiv anschließen werde. Dabei hätte ein solcher Entschluss große Bedeutung für eine eventuelle Militäraktion gegen Afghanistan. Der Iran, in einer strategisch äußerst wichtigen Position zwischen dem Mittleren Osten, Zentral- und Südasien gelegen, teilt 900 km Grenze mit Afghanistan. Seine fundierten Kenntnisse des Nachbarstaates könnten amerikanischen Strategen beträchtliche Hilfe bieten. Zudem arbeitet die iranische Regierung seit Jahren auf den Sturz der in Afghanistan herrschenden islamistischen Taliban, deren Machtübernahme die Iraner um ihren wichtigen Einfluss in der Region beraubt hatte, hin.

Iran unterstützt die oppositionelle "Nord-Allianz" unter dem gestürzten Präsidenten Borhaneddin Rabbani. Vor drei Jahren standen beide Staaten am Rande des Krieges, nachdem die Taliban zehn iranische Diplomaten ermordet hatten. Seit vielen Monaten führt der Iran zudem heftige Kämpfe, um die Grenze gegen die große Zahl von Drogenschmugglern aus Afghanistan abzuriegeln.

Es sind religiöse und dogmatische, aber auch politische Gegensätze, die die Taliban in den Augen selbst der konservativen autokratischen Geistlichen des Irans zu Erzfeinden machen. Zunächst bekennen sie sich zur sunnitischen Hauptströmung des Islams, die Iraner hingegen sind Schiiten. Die Taliban genossen bisher die Unterstützung Pakistans und Saudi-Arabiens, Irans langjährigen Erzrivalen um die Führung der islamischen Welt. In den vergangenen Jahren erwiesen sich die Taliban zudem selbst für die repressiven Geistlichen im Iran zu brutal. Ihre Unterdrückung der Frauen und jeglicher Freiheiten werden offiziell im Iran verurteilt.

Zwischen Iranern und Amerikanern gab es indirekt wiederholt einen Gedankenaustausch über eine Lösung der Afghanistan-Krise. Der Hass auf die Taliban treibt Irans Konservative aber nicht automatisch in die Arme der USA. Es ist ein heikler Balanceakt, den Teheran nun zu vollziehen hat. Bush stellte klar, dass es keinen Mittelweg geben könne. Wer sich nicht am "Kreuzzug" beteiligt, sei dagegen. Ein Neutralität, wie sie die Iraner im Kuwait-Krieg 1991 einnahmen, könnte sich deshalb als fatal erweisen. Sie würde die Gefahr eines Militärschlages nicht bannen.

Durch eine Kooperation mit Washington böte sich die einzigartige Chance auf ein Ende der US- Sanktionen und dringend benötigter Hilfe aus dem Westen. Die USA könnte Teheran auch die Möglichkeit anbieten, die "Volks-Mudschaheddin", im Kampf gegen den Terror mit einbeziehen. Von ihren Stützpunkten im Irak führt diese radikale Gruppe seit vielen Jahren Terrorakte im Iran aus. Die USA führen sie auf ihrer Liste der Terrororganisationen an.

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