Galicien droht wieder eine Ölpest
Roboter und Torpedos als letzte Rettung

Die "ökologische Zeitbombe" des auf dem Meeresgrund liegenden Unglückstankers "Prestige" soll möglicherweise durch den Einsatz von Robotern oder Torpedos entschärft werden. Das niederländische Bergungsunternehmen Smit International bestätigte am Mittwoch, dass es einen Plan ausarbeite, wie die schätzungsweise 50 000 Tonnen Öl aus dem Wrack abgepumpt werden könnten.

HB/dpa LA CONRUNA/MADRID. Eine von der spanischen Regierung eingesetzte Expertenkommission will auch eine andere Möglichkeit prüfen: das 250 Kilometer vor der spanischen Atlantikküste liegende Wrack mit Torpedos zu beschießen und zu zerstören. Eine solche Operation hätte das Ziel, das gesamte Öl mit einem Mal im Meer aufsteigen zu lassen und es an der Oberfläche abzusaugen. "Dazu bräuchte man allerdings sehr viele Spezialschiffe", sagte der Vorsitzende der Kommission, Emilio Lora- Tamayo, der Zeitung "El País" (Mittwochausgabe).

Derzeit strömen aus den 14 Lecks im Wrack des vor drei Wochen gesunkenen Tankers pro Tag 125 Tonnen Öl aus. Nach Schätzungen der Experten könnte es bis zum Jahr 2006 dauern, bis das letzte Öl aus der "Prestige" ausgeflossen ist. Wie Spaniens Vizeregierungschef Mariano Rajoy mitteilte, soll das französische Spezial-U-Boot "Nautile" jetzt in einer neuen Mission prüfen, ob die Möglichkeit besteht, in einem ersten Schritt an dem Wrack wenigstens einen Teil der Risse abzudichten.

Ob ein Abpumpen des Öls technisch möglich ist, wird von manchen Experten eher skeptisch beurteilt. "Es ist leichter, auf dem Mond etwas zu reparieren als in 3 600 Metern Meerestiefe", sagt der Meeresgeologe Toni Carafat. Eine Umfrage der Zeitung "La Vanguardia" unter mehreren Wissenschaftlern ergab: Die einzige Möglichkeit besteht darin zu warten, bis das Öl an die Oberfläche kommt, und es dort abzusaugen. Bisher hat man noch nie aus einer solchen Tiefe Öl abgepumpt.

Smit hält ein solches Vorhaben dennoch für möglich. Es würde zwar Millionen von Euro kosten, aber letzten Endes erheblich billiger sein, als das ausgelaufene Öl von den Küsten zu entfernen, sagte Smit-Sprecher Lars Walder in Rotterdam. Für die Vorbereitung seien drei Monate und für die Ausführung weitere zwei Monate erforderlich. Voraussetzung sei aber, dass die Wetterbedingungen besser seien als jetzt.

Die spanische Expertenkommission prüft neben den Möglichkeiten eines Abpumpens des Öls und einer Zerstörung des Wracks durch Torpedo-Beschuss noch eine dritte Option. Danach könnte die "Prestige" auf dem Meeresgrund einbetoniert werden. "Der Bau eines Sarkophags ist die komplizierteste Option, aber wir schließen sie nicht nicht von vornherein aus", sagte Lora-Tamayo.

Derweil bereiteten sich die Bewohner der galicischen Küste auf eine neue Ölpest vor. Starker Westwind trieb die im Meer treibenden Ölteppiche rasch auf das Festland zu. Die Lage an einzelnen Küstenstrichen sei "Besorgnis erregend", sagte Rajoy. Vor der Bucht von Arousa wurden über 3000 Fischerboote zusammengezogen, um die größten Muschelbänke in Europa vor der erwarteten Ölflut zu schützen. Die galicische Küste, die nach dem Tankerunglück bereits von zwei Ölfluten heimgesucht worden war, steht wahrscheinlich in den nächsten Tagen vor einer dritten Ölpest. In der Bucht der Hafenstadt Vigo wurde bereits am Mittwoch neuer Ölschlamm angeschwemmt. Dies bedeutete nach Angaben der Behörden allerdings noch nicht den Beginn einer neuen Ölflut.

dpa hk xx pn

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%