Galoppierende Personalkosten
Trotz Sparzwang planen Bundesligisten mit Rekordetat

Nur sieben Vereine haben angesichts der geringeren Fernseheinnahmen etwas abgespeckt - alle anderen gehen mit ähnlichen oder höheren Budgets in die Saison.

HB DÜSSELDORF. Sparen ist das große Thema bei den 18 Fußball- Bundesligisten. Gehaltskürzungen, Kader-Verkleinerung, Streichen von Sonderprämien, Zurückhaltung auf dem Transfermarkt - wenn's ums Geld geht, gibt es kein Tabu mehr. "Durch die Mindereinnahmen aus der Vergabe der TV-Rechte muss jeder Verein mit 18 bis 20 Prozent weniger Einnahmen kalkulieren", rechnet Wolfgang Holzhäuser, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, vor. In den meisten Etatentwürfen für die Saison 2002/2003 spiegelt sich dieser Sparwille jedoch nicht wider.

Die Gesamtsumme aller Etats übersteigt sogar die des Vorjahres (642,4 Millionen Euro) um rund zehn Millionen Euro und liegt auf dem Rekordniveau von 652,7 Millionen Euro. Als einziger Spitzenclub braucht sich Vizemeister Bayer Leverkusen zurzeit keine finanzielle Sorgen zu machen und kalkuliert sogar mit etwa fünf Millionen Euro (38,5 Millionen Euro) mehr im Vergleich zum Vorjahr. Als Finalist der Champions League verdienten die Rheinländer (33,8 Millionen Euro) königlich. "Konkrete Sparmaßnahmen gibt es nicht, doch wir beobachten die Situation genau", sagte der neue Sportmanager Ilja Kaenzig, dessen Verein durch die Verkäufe von Michael Ballack und Zé Roberto zu Bayer München (rund 24,5 Millionen Euro) zusätzlich ordentlich kassierte. Investiert wurde dieses Geld in sechs neue Spieler (25,7 Millionen Euro).

Der FC Bayern will mit einem ähnlichen Etat wie im Vorjahr (62 Millionen Euro) den Weg zurück an die Tabellenspitze finden, kündigte aber an, ebenfalls sparen zu wollen. "Die eine oder andere freiwillige Sonderprämie wird es nicht mehr geben", erklärte Manager Uli Hoeneß. Der Börsen notierte Meister Borussia Dortmund hat seinen Haushalt (51 Millionen Euro) auf dem Vorjahresniveau eingefroren. Zudem will der BVB seinen Kader um vier Spieler verkleinern. Die galoppierenden Personalkosten zwingen die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) zu weiteren Kosten senkenden Maßnahmen: Die Gehälter der Profis sollen zusammen gestrichen werden. Andererseits ist Dortmund aber einer der wenigen Clubs, die mutig weiter investieren: Die dritte Ausbaustufe des Westfalenstadions kostet immerhin 18 Millionen Euro.

Sparen ja, klagen nein - das ist die Devise beim Hamburger SV. "Wir haben auch Probleme, aber die sind noch nicht so groß wie bei einigen anderen Clubs", sagte der scheidende HSV-Sportdirektor Holger Hieronymus, der knapp vier Millionen Euro mehr (61 Millionen Euro) als im Vorjahr veranschlagte. Auch bei Hertha BSC (45,8 zu 43,5 Millionen Euro), dem VfL Wolfsburg (35/30,7) und Werder Bremen (40/38,3) stiegen die Budgets. Deutlich gesenkt hat der deutsche Pokalsieger Schalke 04 die finanziellen Erwartungen. Statt eines Umsatzes von 98 Millionen Euro in der Saison 2001/2002 rechnen die Königsblauen für die kommende Spielzeit nur noch mit 80 Millionen. Schalke-Manager Rudi Assauer glaubt, dass angesichts der angespannten Lage die Vereine "in allen Bereichen" umdenken und nach neuen Einnahmequellen suchen müssen.

Immerhin waren dem Pokalsieger im vergangenen Jahr noch die garantierten Einnahmen aus der Champions-League gewiss. Assauer will sich mit "allen Spielern unterhalten", wie man den entstandenen Verlust auffangen kann. Dass bei Schalke zehn Profis auf einem Schlag aufhören, bringt kaum Geld (250 000 Euro). Dafür wurden für 13,25 Millionen Euro neue Akteure verpflichtet. Sichtbar wird der Sparwille in den Etat-Planungen von Borussia Mönchengladbach (25 zu 26 Millionen Euro für 2001/2002), 1860 München (29/33), VfB Stuttgart (35,4/39,1), Energie Cottbus (21/22,5), Hansa Rostock (25/25,6), dem 1. FC Kaiserslautern (23/24,5) und 1. FC Nürnberg (12/12,3). Stark aufstocken müssen die Aufsteiger ihre Budgets. Hannover 96 lebte schon in der 2. Liga auf großem Fuß und braucht nur fünf Millionen Euro (nun 25 Millionen Euro) drauf zu legen. Der VfL Bochum kalkuliert mit acht Millionen Euro. Arminia Bielefeld machte wie Schalke nur Angaben zu den Umsatzplanungen. Die liegen in diesem Jahr zehn Millionen Euro höher als zu Zweitliga- Zeiten.

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