Ganz locker bleiben
Mit Daytrading von Schwankungen profitieren

Daytrader können am Auf und Ab der Börse verdienen - vorausgesetzt, sie machen nicht einige grundlegende Fehler. Emotionen etwa sollten außen vor bleiben.

Wenn es an der Börse kracht, herrscht überall Jammer. Überall? Oliver Schneider schüttelt den Kopf. Daytrader wie er können auch vom Kursrutsch profitieren. Und gerade in flauen Börsenzeiten florieren sogar oft die Geschäfte. "Unser Ziel ist es, kurzfristige Schwankungen zu nutzen - an denen mangelt es ja nicht", sagt der 22-jährige Frankfurter. Der gelernte Koch, der zurzeit als Ernährungsberater arbeitet, will mittelfristig hauptberuflich auf Trader umsatteln. Was er bei diesem Job schätzt: "Ich nehme das Heft selbst in die Hand", sagt er und lehnt sich kurz von seinem Bildschirm im Frankfurter Tradingcenter der trading AG-house.net zurück, "bei den Banken kann man oft nicht so handeln, wie man sich das wünscht - es dauert zu lange, bis die Aufträge ausgeführt werden."

Dem können wohl viele Trader zustimmen. Schneider ist in einer Hinsicht aber schon ein besonderer Fall: So bietet ihm der Aktienhandel nach einigen Jahren Börsenerfahrung nicht mehr genug Reize - "das ist was für die ältere Generation" -, er will mehr Action sehen, darum spekuliert er mit Futures (Terminkontrakte). Zwar gibt es in einigen deutschen Städten Tradingcenter, die sich auf dieses Derivategeschäft spezialisiert haben, aber viele andere Anleger bleiben weiterhin den deutschen Aktien treu.

So weiß Werner Humpert, Leiter Investmentprodukte Deutschland bei UBS Warburg, aus Erfahrung: Viele Daytrader spekulieren hier zu Lande gerne auf Wellenbewegungen im Deutschen Aktienindex. Seiner Beobachtung nach sind in den vergangenen Wochen zum Beispiel viele Anleger bei 4 600 Dax-Punkten eingestiegen, und bei 5 000 Stellen seien plötzlich viele Verkäufer auf den Plan getreten.

Ob sich das dauernde Ein- und Aussteigen lohnt? Das Börsensprichwort "Hin und her macht Taschen leer" sei zwar generell richtig, aber man müsse hier doch differenzieren, betont Humpert. So kassierten die Online-Broker meist zwischen 0,2 und 0,25 Prozent Gebühren am Auftragsvolumen, das ergibt bei Kauf und Verkauf etwa ein halbes Prozent Gebühren. Also lohnt sich eine Spekulation, wenn der Dax ein Prozent bis zwei Prozent nach oben oder unten schwankt. Bei traditionellen Banken, die ein bis zwei Prozent Gebühren forderten, sei es nur dann sinnvoll, loszulegen, wenn man eine Bewegung um drei Prozent erwartet, rechnet der Banker vor.

Wer die Wellenbewegungen beim Dax ausnutzen will, kann auch eine weniger spekulative Strategie fahren: Papiere aus dem Wertpapierbestand umschichten, das heißt zum Beispiel eine Sorte Zertifikate verkaufen und eine andere erwerben. Dabei fällt keine Spekulationssteuer an, weil ja nicht ein- und dasselbe Wertpapier innerhalb von zwölf Monaten gehandelt wurde. So könnte ein Anleger zum Beispiel ein Dax-Zertifikat von Bank A beim Stand von 5 000 Dax-Punkten verkaufen. Fällt der Index, kann er ein neues Dax-Zertifikat einer anderen Bank bei 4 700 Stellen erwerben; auf diese Weise entsteht ein steuerfreier Gewinn.

Die Psyche unter Kontrolle

Gleich, ob Anleger nun mit Aktien oder Futures spekulieren, sie machen immer wieder dieselben Fehler - das ist auch Schneiders Erfahrung. Es sei zwar eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Geschäfte, dass Investoren gut mit ihrer Handelssoftware umgehen können. Doch er hält es für viel wichtiger, die eigene Psyche unter Kontrolle zu halten, nicht nach Gefühl zu handeln, sondern nach einem System. "Sonst handelt man oft hektisch - und verliert", sagt Schneider, der gerade eine Trading-Schulung hinter sich hat. Anleger sollten nicht zu gierig sein, aber auch nicht zu ängstlich.

Und diese Gratwanderung fällt nicht leicht, ergänzt Claus David Grube von der Grube Trainings GmbH in Hamburg. Viele Anleger machten den Fehler, Trends nachzulaufen, anstatt kurzfristig antizyklische Strategien zu fahren - "die gingen meist gegen die Intuition". Momentan sei die Hauptfrage, ob sich der Abwärtstrend - auch innerhalb des Tages - fortsetze oder ob es zwischendurch eine längere Seitwärtsbewegung gebe. Und falls es weiter bergab geht, ist für Grube klar: Zukaufen ist angesagt, eben eine antizyklische Strategie. Der Amateur werde indessen bei einer Talfahrt von Panik ergriffen und laufe beim Aufwärtstrend hinterher, wenn es bereits zu spät ist.

Interessante Erkenntnis des Trainers: Manchmal habe ein Trader eine mentale Blockade - "und die sollte er beachten". Denn sie zeige ihm oft, dass sein Handelsplan nicht Erfolg versprechend sei. Oft sei das größte Problem, dass ein Plan für eine Person nicht angemessen ist, weil er nicht auf seine Risikobereitschaft zugeschnitten sei.

Wie Grube berichtet, ist die falsche oder inkonsequente Einsetzung von Stopp-Marken eine weitere Ursache von Misserfolgen: So übten viele Anleger die geplanten Stopps nicht tatsächlich aus. Oder sie setzten sie zu weit, also mit zu viel Abstand zum aktuellen Kurs, weswegen sie zu hohe Verluste riskierten. Als praktikable Strategie schlägt Grube vor, einen Stopp unterhalb einer aktuellen Unterstützung zu setzen.

Stopp-Marken sind wichtig

Auch Buchautor Gregory Millman ("Day-Trading - Millionen in Minuten", Campus Verlag) hält solche Stopp-Marken für wichtig, insbesondere für unerfahrene Trader. Daneben sollte jeder Anleger einen täglichen Hausaufgabenplan aufstellen, der mindestens eine Stunde Studium vor Börsenbeginn beziehungsweise nach Handelsschluss vorsehe. In dieser Zeit sei es sinnvoll, die jüngsten Transaktionen unter die Lupe zu nehmen, sich mit den Nachrichten zu befassen und Ideen für zukünftige Strategien zu sammeln. Außerdem empfiehlt Millman, ein Trading-Tagebuch zu führen. Das sollte Folgendes enthalten: allgemeine Marktbeobachtungen, die Überlegungen, die zu einer Transaktion geführt haben sowie eine Erfolgsbeurteilung.

Ein weiterer wichtiger Ratschlag Millmans lautet: "Versuchen Sie nicht, den großen Coup zu landen." Kleine Gewinne addierten sich schneller zu einem überdurchschnittlichen Profit als gelegentliche große Gewinne, legt er den Daytradern nahe.

Schneider ist das bereits klar. Reichtum über Nacht hat sich bei ihm bislang nicht eingestellt. Doch das Handeln nach System habe sich gelohnt, zieht er Bilanz: "Per saldo habe ich mit meinen Geschäften über Jahre hinweg konstant mein Geld vermehrt."

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