Garantien in Gefahr
Lebensversicherer müssen vorsorgen

Alarmstimmung in der Assekuranz: Durch die Krise am Kapitalmarkt laufen einige Anbieter Gefahr, ihre Garantien nicht mehr einhalten zu können. Um das zu verhindern, werden Notpläne geschmiedet.

HB DÜSSELDORF. Die deutschen Lebensversicherer bereiten sich auf den Ernstfall vor: die Schieflage von Gesellschaften, die für ihre Versicherten nicht mehr den Garantiezins erwirtschaften können. Vorstände von Versicherungsgesellschaften spielen bereits Varianten für Auffanglösungen durch. Dabei favorisieren sie einen brancheninternen Pool, der im Krisenfall befristet die Garantieverzinsung gewährleistet. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Branchenkreisen.

Die Lebensversicherer garantieren ihren Kunden, den Sparanteil ihrer Beiträge mit 3,25 % zu verzinsen. Auf Grund der Dauerbaisse an den Börsen und der niedrigen Zinsen an den Rentenmärkten haben einige Anbieter aber Probleme, diese Garantierendite zu erwirtschaften. Zudem sind ihre Reserven so gut wie aufgezehrt.

Die nun vorgestellten Pläne sehen vor, dass kapitalstarke Anbieter den Vertragsbestand eines in Schwierigkeiten geratenen Versicherers in Rückdeckung nehmen. Das bedeutet, dass die Poolmitglieder aus ihren freien Mitteln vorübergehend die Garantieverzinsung von 3,25 % für die Kunden der angeschlagenen Gesellschaft finanzieren. Die Poolträger würden ebenfalls die Kapitalanlagen des Problemversicherers managen. So wollen sie mittelfristig durch eine professionelle Kapitalanlage erreichen, dass aus dem übernommenen Geschäft selbst wieder die Garantieverzinsung erwirtschaftet wird.

Der Branche ist klar: Sollte nur ein einziger Anbieter die Garantien nicht einhalten, wäre der Imageschaden für das Produkt Lebensversicherung enorm. Die Deutschen besitzen rund 88 Millionen Leben-Policen.

Nach Aussagen von Versicherungsvorständen diskutiert die Branche solche Rettungsmodelle seit Ende Mai, als sich in dem Vorstandsetagen die Meinung verfestigte, dass sich die Kapitalmärkte in diesem Jahr nicht mehr durchgreifend erholen werden. Bis in den August könne eine solche Lösung umgesetzt werden, heißt es.

Derzeit gebe es keinen akuten Anlass, "aber wir wollen vorbereitet sein", sagte ein Lebensversicherungsvorstand. Für Experten ist klar: Bei diesem Plan müssten die kapitalstarken Anbieter wie Allianz und Ergo einen Großteil der Lasten übernehmen. Wegen des frühen Stands der Überlegungen ist noch offen, welche Gesellschaft welchen Anteil an dieser Lösung tragen wird.

Einen Problemfall gibt es bereits: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die Familienfürsorge Lebensversicherung a.G. in Detmold unter Zwangsverwaltung gestellt - ein bisher seltener Schritt. Der Vorstand wurde entlassen und durch einen externen Verwalter ersetzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%