Gartner-Studie
Outsourcing gab es schon immer

Outsourcing ist in aller Munde. Kaum ein Unternehmen fühlt sich in diesem Prozess wie ein Teil einer großen Wirtschafts-Welle. Wie der Job-Transfer die europäische IT-Industrie beeinflussen wird.

HB DÜSSELDORF. Laut einem aktuellen Gartner-Report ist der Transfer von Arbeitsplätzen an ausländische Anbieter für Europa kein neues Phänomen. Die Herausforderung für die Regierungen liegt laut Gartner darin, die langfristigen positiven Aspekte des Offshore-Outsourcings zu erkennen - ungeachtet der kurz- und möglicherweise sogar mittelfristigen Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Im Folgenden sind die wesentlichen Inhalte der Studie kurz dargestellt.

Europäische Unternehmen haben vor rund 18 Monaten vermehrt damit begonnen, sich auf ihre Kernkompetenzen zurückzuziehen und einstmals von ihnen selbst durchgeführte Arbeiten auszulagern. Vor allem im IT-Bereich sind viele der Programmieraufgaben nicht nur in neue Unternehmen ausgegliedert, sondern aus Kostengründen sogar auf andere Kontinente verlagert worden. Allen voran profitierte Indien mit seinem großen Heer an IT-Spezialisten von der Outsourcingwelle.

Die sich abschwächende Wirtschaftslage hat ihren Teil dazu beigetragen, dass das Kostenbewusstsein der Unternehmen anstieg und als Folge eine hohe Arbeitslosigkeit von qualifizierten Fachkräften, beispielsweise im IT-Bereich, entstand. Gewerkschaften und Politiker hierzulande warnen vor weiteren Auslagerungen in andere Länder und die damit verbundenen negativen Folgen für die heimische Wirtschaft.

"Das gleiche Spiel"

Es ist jedoch kein neues Phänomen, dass eine lokale Industrie von anderen Märkten herausgefordert wird. Als in England die Textil-, Werften- oder Autoindustrie vor großen Umbrüchen stand, begann in diesen Branchen ein unumkehrbarer Trend. Es gab viele Versuche, die Abwanderung aufzuhalten, aber letztendlich konnte der Niedergang dieser Industriezweige in England lediglich verlangsamt werden. Ganze Ortschaften wurden beispielsweise bei einer Werftenschließung ihrer Arbeitsstätte beraubt.

Allen Unkenrufen zum Trotz hat der Niedergang dieser einstmals so wichtigen Wirtschaftszweige die britische Wirtschaftskraft nicht geschmälert. Arbeitnehmer zogen in andere Landesteile, bildeten sich weiter oder schulten auf andere Berufe um und die englische Volkswirtschaft erhielt dadurch insgesamt Auftrieb. So seltsam es klingen mag: Ohne den Niedergang der alten Industrien und damit einhergehender Härten wäre eine Weiterentwicklung der Gesamtwirtschaft Englands nicht möglich gewesen.

Europa im 21. Jahrhundert

Laut Gartner wird Großbritannien vermutlich die härtesten Auswirkungen der Job-Abwanderung zu spüren bekommen. Begründet wird dies damit, dass die Outsourcingwelle dort bereits zu einem gewissen Reifegrad gekommen sei. Aber auch hier könne man nicht grundsätzlich sagen "Outsourcing ist schlecht". Denn die Preisvorteile, die britische Unternehmen durch ihr extremes Kostenbewusstsein haben, stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit in den globalen Märkten.

EU-Osterweiterung

Europa verändert sich derzeit rasant, vor allem durch die Osterweiterung der Europäischen Union in den kommenden Monaten. Einige dieser Staaten haben bereits damit begonnen, ihre eigene Outsourcing-Kapazität zu erhöhen und an einen erwarteten steigenden Bedarf vorab anzupassen. Länder wie die Tschechische Republik, Ungarn, Polen und die Baltischen Staaten bieten nicht nur Kostenvorteile, sie haben auch ausreichendes und gut ausgebildetes IT-Fachpersonal zur Verfügung. Längst gehören sie nicht mehr zu den Entwicklungsländern, die Infrastruktur und geschäftliche Umgebung haben vielfach das Niveau der Industrieländer erreicht.

Da vielen europäischen Unternehmen der Weg nach Asien jedoch zu weit ist, ist laut Gartner ein weiterer Trend absehbar: Im Outsourcing erfolgreiche indische Unternehmen werden Zweigstellen in europäischen Ländern eröffnen.

Die soziale Dimension

Die Weiterbildung und Umschulung von Arbeitnehmern wird laut Gartner vorwiegend hin zu höherwertigen Tätigkeiten geschehen. Das damit wachsende Heer der gut ausgebildeten Fachkräfte werde im Endeffekt auch zu einem Vorteil der Unternehmen werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle freigesetzten Arbeitnehmer sich erfolgreich weiterbilden können oder bereit zu einem Ortswechsel sind. Daher sollten Arbeitgeber an das Thema Outsourcing mit Fingerspitzengefühl herangehen. In einigen Unternehmen wird beispielsweise ein sogenanntes rollierendes System bei der Einführung von Outsourcing-Personal eingesetzt. Dabei werden lediglich durch Eigenkündigung oder altersbedingt frei werdende Positionen durch fremde Arbeitskräfte ersetzt.

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