Gaspipeline soll armem Westen Chinas auf die Sprünge helfen – Ostasien auch für Gasmulti Gazprom wichtiger Zukunftsmarkt
Shell und Exxon gelingt in China Durchbruch

Elefantentreffen in Xinjiang: Die beiden größten Ölkonzerne der Welt erschließen gemeinsam mit dem größten Gaskonzern der Welt Gasfelder in Westchina. Von dort bauen sie eine Pipeline in den reichen Osten des Landes.

HONGKONG. Die Öl-Multis Exxon-Mobil und Royal Dutch/Shell haben den ersehnten Durchbruch auf dem chinesischen Energiemarkt geschafft. Gemeinsam mit dem weltgrößten Gaskonzern, der russischen Gazprom, haben Shell und Exxon-Mobil mit dem chinesischen Staat einen Rahmenvertrag über eines der größten Infrastrukturprojekte des Landes geschlossen: Für 20 Mrd. $ werden Erdgasfelder im äußersten Westen des Landes erschlossen. Zudem entsteht eine 4 000 Kilometer lange Pipeline bis nach Schanghai an die dicht besiedelte Ostküste.

Das Abkommen ist auch ein Erfolg für die Deutsche Bank, die sich für ihre Investmentbanking-Sparte in Asien ehrgeizige Ziele gesetzt hat. Die Frankfurter fädelten das Geschäft als alleiniger Berater von Petrochina ein. Es ist ihr erster großer Beratungsdeal in China. Bis die Finanzierung endgültig steht und alle Details ausgehandelt sind, dürften der Bank zufolge noch drei bis sechs Monate vergehen.

Die niederländisch-britische Royal Dutch/Shell, das US-Unternehmen Exxon-Mobil sowie Gazprom beteiligen sich an dem Projekt mit je 15 %. 50 % übernimmt der chinesische Ölkonzern Petrochina, 5 % der Raffineriekonzern Sinopec. Das Potenzial des chinesischen Gasmarktes bezeichnen Analysten als enorm. Um den Verkauf des Gases dürften sich die chinesischen Partner kümmern, die Öl-Multis werden sich auf den Bau der Leitung und die Ausbeutung der Gasfelder in der Provinz Xinjiang konzentrieren. Insgesamt dürften sie 4 Mrd. $ investieren.

Mit dem Bau der Pipeline, die ab 2004 jährlich 12 Mrd. Kubikmeter Gas befördern soll, verfolgt Peking mehrere wirtschaftspolitische Ziele: Das Projekt soll den enorm wachsenden Energiebedarf im boomenden Osten des Landes decken helfen. Gleichzeitig mindert das Erdgas die Abhängigkeit von unsauberer Kohle, die an der Luftverschmutzung in vielen Städten maßgeblich schuld ist. Bis 2005 will China 6 % seines Energiebedarfs durch Gas decken. Derzeit sind es 2,5 %. Außerdem ist die Pipeline ein Schlüsselprojekt für die Erschließung der bitterarmen Westprovinzen.

BP, weltweit die Nummer drei, hatte sich aus dem Projekt im Vorjahr zurückgezogen. Dass es Peking dennoch gelungen ist, die beiden Ölmultis und den Gasriesen Gazprom mit ins Boot zu bekommen, ist ein Erfolg. Denn unter Analysten gehen die Meinungen auseinander, wie profitabel die Pipeline wird. Offiziell wird eine Kapitalrendite von 12 % versprochen. Kritiker befürchten, die Förderkosten könnten sich als zu hoch erweisen, die Gasreserven als zu gering und die Abnehmerpreise als nicht konkurrenzfähig. "Unsere Berechnungen ergeben keine attraktiven Renditen", meint UBS Warburg-Analyst Cheng Khoo.

Doch spielt das Projekt für Gazprom, Shell und Exxon jeweils eine gewichtige Rolle. Gazprom-Chef Alexeij Miller hat dem Handelsblatt erläutert, dass Ostasien der wichtige Expansionraum für Gazprom sein werde, da die Wachstumschancen in Westeuropa ausgereizt seien. So baut Gazprom gemeinsam mit Shell bereits eine große Pipeline von Sibirien Richtung Schanghai. Shell und Exxon wiederum sind in Fernost auf der russischen Halbinsel Sachalin als Produzenten von Flüssiggas aktiv. Von dort wollen sie groß ins China-Geschäft einsteigen.

Petrochina will das Gas für 1,30 Yuan (0,15 $) pro Kubikmeter verkaufen. Einem der möglicherweise größten Kunden der Pipeline ist das viel zu teuer: Die BASF hat Interesse, den 2,9 Mrd. $ teuren Petrochemiekomplex in Nanjing, den sie zusammen mit Sinopec baut, an die Pipeline anzuschließen. Doch der Abnahmepreis liege um die Hälfte über dem in Europa, klagt ein Firmensprecher in Hongkong. Nun drohen die Ludwigshafener damit, importiertes Flüssiggas zu kaufen. "Shell und Exxon sind keine Wohlfahrtsorganisationen", entgegnet HSBC-Analyst Gordon Kwan, für den das Gas-Projekt Sinn macht. Kwan rechnet überdies damit, dass die Regierung der Pipeline mit Subventionen oder härteren Umweltauflagen zu Kunden verhilft.

Nach dem 25 Mrd. $ teuren Drei-Schluchten-Damm ist das Gasprojekt die größte Infrastrukturmaßnahme in China. Um seinen Energiebedarf zu decken und die Effizienz der rückständigen einheimischen Energiekonzerne zu stärken, braucht China Kapital und Know-how der Öl-Multis. Internationale Konzerne haben in jüngster Zeit eine Reihe großer Deals in China geschlossen. So hat sich BP einen 30 %-Anteil an einem 616 Mill. $ teuren Flüssiggasterminal in Südchina gesichert, Shell kann ein riesiges Gasfeld im Tarim-Becken ausbeuten.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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