Gast-Kolumne
Wettbewerbsstatus und -perspektiven im deutschen TK-Dienstemarkt

Der Markt für festnetzbasierte Telekommunikations- (TK-) Dienste in Deutschland ist seit geraumer Zeit durch widersprüchliche Trends gekennzeichnet.

DUISBURG. Einerseits wachsen die in diesem Markt erzielten Umsätze weiterhin. So stiegen die Umsatzerlöse mit Festnetzdiensten in Deutschland nach Angaben der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) im Jahr 2001 auf 40,3 Mrd. und nahmen damit um 8,1% gegenüber dem Vorjahr zu. Unternehmen, die im Wettbewerb zur Deutschen Telekom (DT) Festnetze betreiben und vermarkten, gaben in den vier Jahren von 1998 bis 2001 etwa 9 Mrd. für Sachinvestitionen aus. Demnach müßte das Festnetzdienstegeschäft eigentlich wirtschaftlich interessant sein. Andererseits steigt die Zahl der Festnetz-Reseller (z.B. Teldafax, Talkline, Drillisch, Conos), -Carrier (z.B. Carrier 1, Star 21) und DSL-Betreiber (z.B. Riodata), die sich im Insolvenzverfahren befinden oder sich aus dem Festnetzgeschäft in Deutschland zurückgezogen haben. Selbst große DT-Wettbewerber wie Arcor oder BT Ignite entlassen Mitarbeiter, die sie z.T. erst vor kurzem eingestellt haben.

Deutsche Telekom wieder auf dem Vormarsch

Im Geschäft mit ortsnetzübergreifenden Festnetztelefonverbindungen ist im Jahr 2001 erstmals seit dem Wettbewerbsstart 1998 der umsatzbezogene Marktanteil der DT zu Lasten des Anteils alternativer Carrier wieder gestiegen. Der geringste DT-Umsatzanteilszuwachs war bei Fernverbindungen mit 0,3 ? zu beobachten, der höchste bei Auslandsverbindungen: Dort stieg der DT-Umsatzanteil 2001 wieder auf 65,6%, nachdem er im Vorjahr noch bei 61,1% gelegen hatte. Über alle Anbieter und Verbindungstypen hinweg nahm der Umsatz mit ortsnetzübergreifenden Festnetzverbindungen 2001 um 7,1% gegenüber 2000 ab. Weitere Preisrückgänge bei Fern- und Auslandsverbindungen sind kaum mehr zu erwarten. So wies der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes für Ferngespäche im März 2002 und im März 2001 identische Werte auf; bei Auslandsverbindungen nahm er bereits im gleichen Zeitfenster um 1,5 Indexpunkte zu. Lediglich bei den bislang für Carrier sehr profitablen Ortsverbindungen ist im Zuge der Einführung von Call-by-Call/Preselection im Ortsnetz ab Dezember 2002 noch mit deutlicheren Preissenkungen zu rechnen.

Die enorme Dominanz der DT bei Telefonanschlüssen veränderte sich in den letzten 18 Monaten nicht wesentlich. DT-Wettbewerber erreichten bei ISDN-Basisanschlüssen bzw. -Primärmultiplexanschlüssen Ende 2001 einen Marktanteil von 4,5% bzw. 10,9% nach 2,8% bzw. 9,3% am Ende des Vorjahres. Ihren großen Vorsprung bei breitbandigeren DSL-Anschlüssen konnte die DT über eine Niedrigpreis- und Produktbündelungsstrategie mit einem Marktanteil von 97% der ca. 2,2 Mio. bis Ende 2001 abgeschlossenen DSL-Verträge erfolgreich verteidigen. Aufgrund der hohen Monatsmiete von 17,40, die DT-Wettbewerber für eine Teilnehmeranschlußleitung (TAL) noch bis Ende März 2003 zu zahlen haben, sind alternative Carrier nur schwer in der Lage, preislich konkurrenzfähige ADSL-Angebote zu machen, die auch noch für sie hinreichend große Deckungsbeiträge erwirtschaften.

Regulierer wird kaum etwas ändern

An dieser Situation ändert auch eine RegTP-Entscheidung vom 15.03.02 wenig: Mit ihr verpflichtete sie die DT, bestimmte TAL-Frequenzfenster im Wege des sogen. "Line Sharing" für 4,77 monatlich und Einmalentgelte vom 85,92 bis 151,86 an andere Carrier zu vermieten, um jenen so die Vermarktung "reiner" Internet-/Datennetzzugänge zu ermöglichen. Solche Angebote ohne Sprachdienste werden im Markt wenig Erfolg haben, weil sie Kunden komplexe Beziehungen zu verschiedenen Carriern zumuten. Da könnte schon eher die am 11.04.02 von der RegTP verfügte Herabsetzung der Einmalentgelte bei der Übernahme einer kompletten TAL (ohne Arbeiten beim Endkunden) um 24% auf 70,56 alternativen Carriern die Entwicklung konkurrenzfähiger Telefonanschluß- und DSL-Angebote im Massenmarkt etwas erleichtern.

Alternative Zugangsnetze, die DT-Wettbewerbern ohne Rückgriff auf TAL einen Anschluß von Kunden an ihr Transportnetz ermöglichen, sind unverändert im Privatkundenmarkt nicht in Sicht. Fast alle Inhaber von Lizenzen für Point-to-Multipoint-Richtfunknetze haben in den letzten 18 Monaten ihren Netzaufbau eingestellt. Die beiden neuen TV-Kabelnetzbetreiber ish und Iesy kommen in drei Bundesländern nur mühsam mit der Netzaufrüstung und dem Absatz von schnellen Internetzugängen und Kabeltelefonanschlüssen voran. In den übrigen sechs Bundesländern kontrolliert die DT weiter diese Infrastruktur, deren Wert mit zunehmender Verbreitung von DSL- und Satelliten-Anschlüssen beständig abnimmt.

Diskussion über die Chancen der sechs UMTS-Lizenzinhaber

Der deutsche Mobilfunkmarkt wird seit Anfang 2001 durch ein Nachlassen des Kundenwachstums und eine Diskussion über die Chancen der sechs UMTS-Lizenzinhaber v.a. durch innovative mobile Datendienste eine Amortisation ihrer Lizenzerwerbs- und Infrastrukturinvestitionen zu erreichen, geprägt. Nachdem sich die Zahl der Mobilfunkanschlüsse in Deutschland in nur 2 Jahren von Ende 1998 bis Ende 2000 auf 48,2 Mio. verdoppelt hatte, wurde bis Ende 2001 gerade noch ein Anstieg um 17% auf 56,2 Mio. Anschlüsse erreicht. Der mittlere Monatsumsatz pro Mobilfunkkunde ging im 4. Quartal 2001 um 13% auf ¤ 26 gegenüber dem Vorjahresquartal zurück. T-Mobile und Vodafone D2 dominieren weiter mit einem Kundenmarktanteil von über 80% den Markt gegenüber den beiden Spätstartern E-Plus und O2.

Seit der Versteigerung der Frequenzen zum Betrieb von UMTS-Netzen in Deutschland an sechs Unternehmen für insgesamt ¤ 50,81 Mrd. im August 2000 fallen Schätzungen der Umsatzpotentiale für UMTS-Datendienste zunehmend niedriger aus. Mehrere Lizenznehmer fordern eine Änderung der Lizenzbestimmungen dahingehend, daß Zusammenschlüsse von UMTS-Netzbetreibern ohne Rückgabe ersteigerter Frequenzen ermöglicht werden sollten. Nach eigenen Wirtschaftlichkeitskalkulationen benötigt ein Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland einen UMTS-Kundenmarktanteil von 25%-30%, um bis zum Laufzeitende der Lizenz eine Kapitalverzinsung von 10% zu erzielen. Da sechs Unternehmen diesen Marktanteilsschwellenwert unmöglich erreichen können, besteht auf der Anbieterseite des deutschen UMTS-Marktes ein ökonomisch unumgehbarer Konsolidierungsbedarf, den die RegTP nicht durch einfaches Festhalten an den ursprünglichen Lizenzbedingungen aus der Welt schaffen kann. Daher sollte die Behörde lieber proaktiv einen modifizierten UMTS-Regulierungsrahmen konzipieren, der zugleich konsolidierungsoffen und wettbewerbsfördernd ist.

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