Gastbeitrag
Dax auf 5 400 Punkte - nur eine Frage der Zeit

Folgt man den Kurszielen vieler renommierter Investmenthäuser für den Dax bis Jahresende 2008, kann die Devise ja eigentlich nur lauten: jetzt Aktien kaufen, billiger wird´s nicht mehr. Wenn da mal nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist!
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Die Bullen sind zurück auf dem Parkett – vier freundliche Börsentage in Folge und die Gesichter der Börsianer hellen sich wieder auf! Wo gestern noch Sorgenfalten dominierten entdecken wir nun fröhlich Mienen. Das war sie also, die Kreditkrise! Bis an die psychologisch wichtige aber charttechnisch unerhebliche Marke von 6 000-Dax-Punkten hatte die Krise das wichtigste deutsche Aktienbarometer gedrückt. Aber von dort prallte der Index zweimal nach oben ab wie ein Flummi an der Wand. Und dies aus gutem Grund: Die aktuellen Quartalszahlen einer Reihe von US-Banken waren nicht so schrecklich wie erwartet! Zwar präsentierten die Citigroup, JPMorgan und die Banc of America durchweg schauderhafte Zahlen für das abgelaufene Quartal, aber der Markt hatte noch deutlich Schlimmeres erwartet und quittierte die Quartalsergebnisse mit einem Kursfeuerwerk.

Also hatten Sie doch alle Recht, die Fondsmanager und Bankenprofis, die schon seit Anfang Mai nicht müde werden, das Ende der Kredit- und Bankenkrise auszurufen. Und wenn man sich die Kursziele vieler renommierter Investmenthäuser für den Dax bis Jahresende 2008 so anschaut, kann die Devise ja eigentlich nur lauten: jetzt Aktien kaufen, billiger wird´s nicht mehr.....

Wenn da mal nicht der Wunsch der Vater des Gedankens ist! Der CEO der Citigroup erklärte bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen, dass der Immobilienmarkt in den USA und Großbritannien bis Ende 2009 weiter fallen wird.

"Wir sind noch nicht aus dem Gröbsten heraus und die Erholung die wir in der vergangenen Woche gesehen haben, war nur eine Art Erleichterungsrally", sagte Jay Bryson, Chefökonom bei Wachovia Securities. Immobilienmarkkollaps, Bankenkrise, Kreditklemme, haussierende Rohstoffpreise und ein implodierender US-Dollar – am Markt hat sich ein Cocktail zusammengemixt, der für die Aktienmärkte weltweit nur sehr schwer verdaulich sein wird. Und die Notenbanker diesseits und jenseits des Atlantiks wirken zunehmend hilfloser in Anbetracht der Problematik. Während die US-Notenbank versucht, das Problem mit massiven Zinssenkungen zu lösen, stellt die EZB die Inflationsproblematik in den Vordergrund und erhöht ihrerseits die Leitzinsen in Europa. Dass die US-Notenbank ihr Ziel nicht erreicht, verdeutlicht die Tatsache, dass die meisten US-Konsumenten und Unternehmer aktuell einen höheren Zinssatz für ihre Kredite zahlen müssen als vor den Zinssenkungen der FED. By the way – die FED hat die Zinsen bereits um 325 Basispunkte (=3,25%) gesenkt.....

Mittlerweile gibt es Marktbeobachter, die die aktuelle Situation in den USA mit der Japans in den frühen 90er-Jahren vergleicht. Auch dort führten exzessive Marktbewertungen bei Immobilien und Aktien zu einer Deflation und einer Depression am japanischen Aktienmarkt. Der Nikkei stand vor dem Beginn der Krise in Japan bei 39 000 Punkten, aktuell notiert er bei 13 000 Zählern. Die japanische Notenbank hat den Zins übrigens fast bis zur Nulllinie gesenkt. Die Probleme hat sie damit allerdings nicht gelöst.

Mag sein, dass sich die aktuelle Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt noch ein wenig fortsetzt und den Dax bis auf 6 600 Punkte bringt. Nach unserer Auffassung ist dies jedoch nur eine kurzfristige Rallye im Bärenmarkt. Die nächste Abwärtsbewegung wird den Dax wieder Richtung 6 000 bringen und wir haben große Zweifel, dass diese Marke auch im dritten Anlauf standhält. Kurse von 5 400 im Dax und 1 100 im S&P500 in den nächsten Wochen und Monaten würden uns nicht überraschen. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit.........

Christian Kratz ist Gründer und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Rhein Asset Management.

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