Gastgeber träumen vom Finale
Trainer Hiddink bremst Euphorie in Südkorea

Die Fans träumen bereits vom Finale, aber der Trainer tritt auf die Euphorie-Bremse. Nach dem erstmaligen Einzug in ein WM-Achtelfinale ist die Erwartungshaltung im Land des Mit- Gastgebers Südkorea fast ins Unermessliche gestiegen.

dpa SEOUL. "Einige erhoffen jetzt Unmögliches. Die Erwartungen sind riesig", stellte der zum National-Helden avancierte Erfolgscoach Guus Hiddink vor dem Duell mit dem dreimaligen Weltmeister Italien fest.

Mill. Fans feierten bis in die Morgenstunden den 1:0-Erfolg der "Roten Teufel" gegen Portugal. Für einige war die Aufregung zu viel: Sie fielen in Ohnmacht oder litten unter Atembeschwerden und Herzrasen. In Seoul mussten 72 Menschen in Krankenhäusern behandelt werden. Auf den Straßen fielen sich fremde Menschen um den Hals, viele brachen in Freuden-Tränen aus. "Ich war noch nie so glücklich", sagte ein Mann in Seoul, wo 400 000 Fans die Innenstadt verstopften. Die meisten von ihnen glauben nun fest an weitere Überraschungen ihres Teams.

Auch in der Mannschaft herrscht Optimismus. Die "Squadra Azzurra" wird zwar als stark eingestuft, aber nicht als unbezwingbar angesehen. "Wir können ins Viertelfinale kommen", meinte Kapitän Myung-Bo Hong. "Mit der richtigen Einstellung können wir auch Italien schlagen", ergänzte Ji-Sung Park, der mit seinem Treffer das vorzeitige WM-Aus der favorisierten Portugiesen um Weltfußballer Luis Figo besiegelt hatte.

Entsprechend euphorisch rauschte es am Samstag durch den Blätterwald. "Es ist der schönste Tag seit der Unabhängigkeit Koreas. Nach 48 Jahren haben wir endlich Fußball-Geschichte geschrieben", schrieb die Zeitung "Sportsseoul". Und "Daily Sports" stellte fest: "Es ist ein Traum! Wir haben es wirklich geschafft. Der koreanische Fußball, der immer am Rande stand, ist in die Mitte gerückt."

Besondere Würdigung erfuhr Hiddink, der als Vater des Erfolges angesehen wird. Staatspräsident Kim Dae Jung gratulierte persönlich in der Kabine und ließ es sich nicht nehmen, den Niederländer herzlich in die Arme zu schließen. "Guus Hiddink hat Wort gehalten: Korea hat die Fußball-Welt überrascht", lobte die Zeitung "Joong-ang Ilbo" den 55-jährigen Fußball-Lehrer, der das Team seit seinem Amtsantritt im Januar 2001 an internationales Spitzenniveau herangeführt hat.

Die Mannschaft wird für den größten Erfolg in der südkoreanischen Fußball-Historie fürstlich entlohnt. 175 000 Euro kassiert jeder Spieler, zudem winkt den Jüngeren eine Befreiung vom 26-monatigen Wehrdienst. Präsident Kim kündigte nach dem Sieg gegen Portugal an, sich dafür beim Militär stark zu machen. Die Mannschaft solle sich weiterentwickeln, um auch künftig Ehre für das Land einzulegen.

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