Gastgeber vor "Endspiel" gegen Spanien
Portugiesen fürchten Ende des EM-Festes

Dem festlichen Charakter der Fußball-Europameisterschaft in Portugal droht vor dem entscheidenden Spiel zwischen den Gastgebern und Spanien das Ende. Die Spanier fürchten den Heimvorteil der Portugiesen.

HB BERLIN. Mit Fußball hat das abschließende Spiel der Vorrundengruppe A bei der EM zwischen Spanien und Gastgeber Portugal nichts mehr zu tun. «Das ist Krieg. Es geht um töten oder getötet werden», sagte Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari in einem Interview mit einem spanischen Radiosender vor der Partie im Estadio Jose Alvalade am Sonntagabend.

Allerdings ging der Brasilianer, der vor zwei Jahren sein Heimatland zum insgesamt fünften WM-Titel geführt hatte, auch mit seiner Mannschaft wenig zimperlich um. «Es ist, als ob du mit deiner Freundin fünf oder sechs Jahre zusammen bist, dann heiratest und dich dann nach einer Woche trennst. Du schläfst miteinander, wachst auf und stellst fest, wie sie am Morgen aussieht - richtig hässlich.»

Besonders die 1:2-Auftaktniederlage gegen Griechenland hat den Coach sehr enttäuscht. «Wir sind in der jetzigen Situation, weil wir nicht genug Qualität haben. Hätten wir mehr Qualität, wären wir bereits qualifiziert.» Während Außenseiter Griechenland mit einem Punktgewinn einen der beiden für das Viertelfinale berechtigten ersten Gruppenplätze einnehmen würde, droht entweder Spanien oder Portugal das Aus. Portugal benötigt gegen Spanien einen Sieg, um das Viertelfinale zu erreichen, Spanien reicht ein Punktgewinn zum Einzug in die Runde der besten acht Teilnehmer.

Die Spanier, Europameister von 1964, fürchten daher einen Heimvorteil für den Gastgeber und kritisierten die Ansetzung von Schiedsrichter Anders Frisk. Der Europäischen Fußball-Union (Uefa) wird sogar unterstellt, in dem Schweden einen Heim-Schiedsrichter mit der Leitung des brisanten Spiels der beiden Erzrivalen beauftragt zu haben.

Auch die spanische Presse vermutet mehr hinter der Ansetzung von Frisk, weil bei einem Ausscheiden des Gastgebers das Turnier gestorben sei. Die Ablehnung der Spanier gegen die Ansetzung von Frisk beruht auf dem WM-Achtelfinale 2002 in Asien. Damals pfiff der 41 Jahre alte Versicherungskaufmann aus Mölndahl einen umstrittenen Foulelfmeter für Irland, so dass Spanien erst im Elfmeterschießen das Viertelfinale erreichte.

Spaniens Nationaltrainer Inaki Saez hingegen geht davon aus, «dass der Schiedsrichter korrekt pfeift, darüber mache ich mir keine Sorgen.» Größere Schwierigkeiten sieht Saez in dem finalen Charakter. «In diesem Spiel geht es um alles oder nichts, es ist alles andere als ein Freundschaftsspiel wie bei unserem 3:0-Sieg im September vergangenen Jahres in Portugal. Diese Partie dient als Bezugspunkt für meine Mannschaft. Damit kann ich meine Spieler überzeugen, dass wir Portugal schlagen können.»

Spaniens Stürmerstar Raul, der am Sonntag sein 75. Länderspiel bestreitet, ist fest vom Weiterkommen seiner Mannschaft überzeugt: «Wir und die Griechen kommen ins Viertelfinale.» Seit 1981 kassierte Spanien gegen Portugal keine Niederlage mehr und ist zudem in den letzten zwölf Länderspielen insgesamt unbezwungen. Zuletzt kassierte das Team am 7. Juni 2003 in der EM-Qualifikation in Saragossa gegen Griechenland eine 0:1-Niederlage.

Portugals Luis Figo, der bei Real Madrid Raul mit Torvorlagen bedient, lässt die Statistik und die martialische Sprache seines Trainers kalt: «Wir wollen die Partie nicht zusätzlich anheizen. Wir geben auf dem Platz die Antwort.»

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