Gastro-Tipp
Kontakte und Apfelschorle

Und wohin nach der Corporate Challenge? Dorthin, wo sich sonst die Finanzwelt zum After-Work-Drink trifft. Das Weekend Journal gibt die besten Frankfurt-Tipps für die Apfelschorle nach dem Rennen.

Aktienkurse ziehen endlos über den Bildschirm, Analysten geben stumm Prognosen ab. Die Banker und Börsianer aber, die in der Bistro-Bar "Euro Deli" einlaufen, beachten Bloomberg TV nicht: Der Chase- Lauf ist Thema an der ovalen Bar aus dunklem Holz, inmitten des in warmen Rot getünchten Raums. Der Caipirinha - der Happy Hour wegen im Plastikbecher - löst die Zunge: Wer läuft mit, wo geht?s lang, wie ehrgeizig sind die Ziele? Eine Abwechslung zu den üblichen Gesprächen in den After- Work-Läden, für die das Auswahlkriterium neuerdings nicht heißt: Wo ist es am nettesten? Sondern: Wo sind die Leute, die mir einen Job verschaffen könnten?

Die Coffee-Shops zwischen Europäischer Zentral-, Commerzbank und Alter Oper, die Bistros und Pizzerien an der Fressgass, die Kantine der Börsianer, "Bull & Bear", das "Souper", wo Krawattenträger raffinierte Suppen aus getöpferten Schalen löffeln, bringen keine Kontakte. Eher schon das "Da Scialpi" in der Hochstraße oder gegenüber das holzig-rustikale "Bitburger". Wo Deutsche-Bank-Ikone Rolf-E. Breuer und sein Kreis auf der Eckbank gerne mal Maultaschen oder Fleischkäse verspeisen, "sind schon Jobs vergeben worden", sagt eine Mitarbeiterin der Bank Salomon Oppenheim über das "Bitburger".

Die "Astor Bar" in der Berliner Straße stiftet sogar Beziehungen: Zwei Mal pro Monat wird zur "Tafelrunde" geladen. Gediegen, bei dezentem Licht und rund 100 Sorten Whisky im raumhohen Barregal. Das Frankfurter Nachtleben gibt sich arbeitnehmerfreundlich: Kaum eine Lokalität in der Bankenmetropole, die nicht Happy Hour oder After-Work-Party im Angebot hat - in der Krise beäugt so mancher die Cocktail-Preise eben besonders. Ganz vorne das "Monza": Vor drei Jahren legte erstmals ein DJ, selbst Banker, für seine Kollegen Platten auf. Seitdem ist der Mittwoch im Monza ein Jour fixe.

Wer einen entspannten Cocktail vorzieht, muss in der "Luna Bar" früh kommen. Denn später am Abend platzt die schnickschnackfreie Bar, die der Playboy schon zur "Bar des Jahres" gekürt hat, aus allen Nähten. Wer aber alles zugleich will, steuert das "Living XXL" am Fuß der Europäischen Zentralbank an: 80er-Fans aus allen Berufen drängen sich trotz beeindruckender 1 100 Quadratmeter unter bunten Lichtern.

Im Vergleich dazu ganz unaufgeregt und unkompliziert nähern sich Banker und andere Frankfurter in den traditionsreichen Apfelweinkneipen einander an. So hocken bei "Mutter Ernst" einträchtig unter vergilbten Fotos alteingesessene Frankfurter und der umstrittene PR-Berater Moritz Hunziger. Das Gespräch mit dem Tischnachbarn ist unvermeidlich. "Die meisten privaten Nummern in meinem Handy habe ich hier eingesammelt", erzählt ein Neu-Frankfurter - bei einem Glas Weißbier. Doch nach anstrengenden 5,6 Kilometern wird am kommenden Mittwoch so mancher doch eher eine Apfelschorle bevorzugen.

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