Gaz de France übernimmt Großteil von Tui-Energietochter
Tui verkauft Preussag Energie

Der Touristikkonzern Tui verkauft die Deutschland-Aktivitäten seiner Tochter Preussag Energie für knapp eine Milliarde Euro an den französischen Energiekonzern Gaz de France. Für das kleinere Auslandsgeschäft des Erdöl- und Erdgasunternehmens verhandelt Tui noch mit anderen Interessenten.

Reuters HANNOVER/PARIS. Nach mehrwöchigen Verhandlungen, bei denen sich der französische Staatskonzern als bester Bieter durchsetzte, unterzeichneten die Vorstände von Tui und Gaz de France am Freitag in Paris die Kaufverträge. Das Geschäft, das zum 1. Januar 2003 wirksam werden solle, müsse noch vom Tui-Aufsichtsrat gebilligt und von den europäischen Kartellbehörden geprüft werden, teilte Tui mit.

Der einstige Stahl- und Rohstoffkonzern, der sich im Sommer von Preussag in Tui umbenannt hat, setzt damit seinen Umbau zum weltweit größten Touristikkonzern fort. Zuvor waren bereits zahlreiche Industriebeteiligungen verkauft worden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der lukrativen Energietochter soll der hohe Schuldenstand gesenkt werden.

Mit dem getrennten Verkauf und damit der Aufteilung von Preussag Energie dürfte Tui jetzt einen Gesamterlös von deutlich mehr als die zuletzt in der Branche erwarteten eine Milliarde Euro erzielen. Für das Auslandsgeschäft, das unter anderem Beteiligungen an Erdöl- und Erdgasfeldern in Venezuela, Tunesien, Neuseeland und Kasachstan umfasst, sind nach Angaben aus Tui-Kreisen noch zwei Interessenten in der engeren Wahl.

Preussag Energie mit Sitz in Lingen (Niedersachsen) und rund 700 Beschäftigten galt in der Energiebranche als interessantes Kaufobjekt. In Deutschland macht Preussag Energie weit mehr als zwei Drittel seines bisherigen Geschäftes. Zuletzt förderte das Unternehmen 2001 weltweit 1,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas, davon 90 Prozent in Deutschland. Die Erdölförderung lag 2001 bei 3,3 Millionen Barrel Erdöl, davon allerdings nur gut 15 Prozent in Deutschland. Die von Gaz de France jetzt erworbenen Vorkommen im nordwestdeutschen Becken werden auf 25 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 50 Millionen Barrel Erdöl geschätzt.

Gaz de France-Vizepräsident Jean-Marie Dauger kündigte am Freitag im "Handelsblatt" an, der Staatskonzern wolle in Europa weiter expandieren. Neben Deutschland, wo GdF bereits mehrere Beteiligungen besitzt, seien auch Investitionen in Italien und Spanien ins Auge gefasst. Der Anteil eigener Gasquellen solle von sechs auf 15 Prozent erhöht werden, sagte Dauger. Gaz de France war nach Angaben aus Verhandlungskreisen vor allem an dem deutschen Gasgeschäft von Preussag Energie interessiert, zu dem neben den Rohstoffvorkommen auch Beteiligungen an Ferngasleitungen und Speichern gehören.

Die Energiesparte war jahrelang der Gewinnbringer des ehemaligen Preussag-Konzerns. Im vorigen Jahr erwirtschaftete die gesamte Energiesparte 836 Millionen Euro Jahresumsatz und ein operatives Ergebnis von 338 Millionen Euro und damit 40 Prozent des Konzernergebnisses. Der Umsatz von Preussag Energie betrug dabei rund 540 Millionen Euro. In diesem Jahr waren Umsatz und Ergebnis allerdings auf Grund der weltweiten Konjunkturprobleme stark rückläufig.

Die Tui-Führung wollte die Energietochter wegen ihres guten Ergebnisses im Gegensatz zu zahlreichen anderen inzwischen verkauften Industriebeteiligungen lange Zeit behalten. Der hohe Schuldenstand, der durch die Zukäufe in der Touristik verursacht wurde, und der Konzentrationsprozess auf dem weltweiten Energiemarkt führten indes im Frühsommer zur Kehrtwende.

Mit dem Erlös aus dem Energie-Verkauf will Tui seine Schulden senken. Diese steigen bis Ende 2002 auf Grund von Vorausleistungen in der Touristik von zuletzt 4,8 Milliarden Euro auf 5,8 Milliarden Euro an. Bis Ende 2003 will Tui die Schulden aber deutlich unter vier Milliarden Euro senken.

Die Tui-Aktie reagierte kaum auf die Verkaufsentscheidung. Wegen der anhaltenden Befürchtungen für die Touristik durch einen Irak-Krieg verlor Tui wie in der vorigen Woche weiter. Das Minus reduzierte sich nach Bekanntwerden des guten Erlöses aber ein wenig. Am Nachmittag lag Tui in einem schwachen Gesamtmarkt noch gut ein Prozent im Minus bei 15,75 Euro.

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