Gaz de France, Vattenfall Europe, EnBW, Wintershall und Essent bekunden Interesse
Eons Gasbeteiligungen locken Käufer an

Der Eon-Konzern muss sich für die Ruhrgas-Übernahme von Beteiligungen trennen. Die ersten Konkurrenten haben ihr Interesse bereits bekundet. Vor allem die ostdeutsche Verbundnetz Gas AG (VNG) reizt die Bewerber.

DÜSSELDORF. In der Düsseldorfer Zentrale des Energiekonzerns Eon werden die Konkurrenten in den kommenden Wochen Schlange stehen. Für die Übernahme der Ferngasgesellschaft Ruhrgas muss sich das Unternehmen von fünf Beteiligungen trennen: Der ostdeutschen Verbundnetz Gas (VNG), Bayerngas, den Stadtwerken Bremen, der EWE aus Oldenburg und der Gelsenwasser AG, die wohl schon an Eons größten Konkurrenten RWE vergeben ist (siehe Handelsblatt vom 8.7.2002). Nach den restlichen vier Kaufobjekten haben Gaz de France, Vattenfall Europe, Wintershall, EnBW und Essent schon ihre Fühler ausgestreckt.

Vor allem die VNG lockt die Käufer: "Wir sind prinzipiell interessiert", sagte eine Sprecherin des französischen Gasriesen Gaz de France (GdF). Der Chef der BASF-Tochter Wintershall, Reinier Zwitserloot sagte: "Natürlich werden wir als Miteigentümer der VNG Optionen prüfen". Wintershall hält knapp 16 %, die GdF 5,3 % der VNG-Anteile. Als heißer Kandidat gilt in der Branche auch Vattenfall Europe, als Tochter der schwedischen Vattenfall die Nummer drei auf dem deutschen Strommarkt. Der designierte Vorstandschef Klaus Rauscher kündigte lediglich an, sein Unternehmen wolle künftig eine aktivere Rolle im deutschen Gasmarkt übernehmen.

"Die VNG ist eindeutig der dickste Brocken", sagte Analyst Matthias Heck von Sal. Oppenheim. Das Unternehmen sei praktisch "die ostdeutsche Ruhrgas". Die VNG mit Sitz in Leipzig importiert Gas und vertreibt es in Ostdeutschland. Es hält einen Anteil am deutschen Gasmarkt von 16 %. Gemeinsam haben Eon und Ruhrgas bislang rund 42 % der Anteile. Die Beteiligung dürfte rund 700 Mill. Euro wert sein. Ein Paket von 10 % muss vorrangig ostdeutschen Kommunen angeboten werden. Die restlichen 32 % gehen an einen strategischen Investor. Der Bund muss aber zustimmen.

Als möglicher Käufer für Eons 24,1-%-Anteil an den Stadtwerken Bremen (SWB) wird in der Branche die niederländische Essent gehandelt. Das Unternehmen hält bereits 51 %. "Wir werden uns aktiv an der Neugestaltung der Gesellschafterstruktur beteiligen", sagte ein Essent-Sprecher, "aber nicht um jeden Preis". Die Beteiligung dürfte rund 300 Mill. Euro wert sein.

Als klein aber fein gilt die EWE AG. Das Unternehmen beliefert rund 1 Mill. Kunden zwischen Ems, Weser, Elbe mit Strom und Gas. Eon muss sich von einem 27,4-%-Paket trennen. Wert: 500 Mill. Euro. Wegen seiner Lage - das Versorgungsgebiet grenzt an die Niederlande und an Bremen - gilt auch hier Essent als heißer Kandidat. An der Ferngasgesellschaft Bayerngas, die rund zwei Drittel des Gasabsatzes in Bayern deckt, hatte schon vor Wochen die Energie-Baden-Württemberg (EnBW) Interesse bekundet. Die Eon AG muss ihre 22 % abgeben. Das Paket dürfte rund 110 Mill. Euro wert sein. Die Ruhrgas darf ihre 22 % aber behalten. "Ein Engagement wird damit deutlich unattraktiver", relativierte EnBW-Vorstandsmitglied Gerhard Jochum. Als Bewerber stehen aber auch die Münchner Stadtwerke parat.

Spannend bleibt die Frage, wie sich die Ölmultis BP, Shell und Exxon Mobil künftig auf dem deutschen Gasmarkt positionieren. Bislang waren sie an der Ruhrgas beteiligt. Die Deutsche BP hatte schon vor Wochen angekündigt, sie wolle aktiver am Markt agieren. Die zum Verkauf stehenden Beteiligungen dürften für das Unternehmen aber unattraktiv sein. BP will sich auf die Belieferung von Stadtwerken und Industriekunden mit Gas konzentrieren. Ein Sprecher der Deutschen Shell sagte ebenfalls, sein Unternehmen sei nicht interessiert. Für die Ölgesellschaften dürfte es reizvoller sein, dass Ruhrgas den Zugang zum Leitungsnetz erleichtern muss. "Dies ist der wichtigste Faktor für die Wettbewerbsintensität", sagte der Energieprofessor Dieter Schmitt. Er erwartet, das Shell und Exxon eine ähnliche Strategie wie BP einschlagen. Beide Unternehmen dürften dabei eigene Wege gehen. Bislang sind sie über die BEB Erdgas und Erdöl GmbH verbunden. Der Shell-Sprecher sagte aber, bisher seien keine Änderung geplant.

Das Rennen um die Beteiligungen scheint noch offen zu sein. Eon wollte sich nicht äußern. Aus konzernnahen Kreisen hieß es aber, man gehe offen in die Gespräche und habe keine Präferenzen. Sechs Monate hat der Konzern Zeit, die Auflagen zu erfüllen.

Quelle: Handelsblatt

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