Gearing verbessert
Merck stärkt sich mit Kapitalspritze

Der Darmstädter Pharmakonzern hat sein Eigenkapital mit einer Kapitalerhöhung von rund 400 Mill. Euro gestärkt. Die Börse reagiert enttäuscht.

shf FRANKFURT/M. Der Darmstädter Pharmakonzern Merck KGaA hat sein Eigenkapital mit einer Kapitalerhöhung von rund 400 Mill. Euro gestärkt. Mit dem Schritt will Merck Finanzschulden senken, die Bilanz verbessern und beim Ausbau des Geschäfts beweglicher werden, teilte das Unternehmen mit.

Nach Ansicht von Kapitalmarktexperten dürfte der Schritt für Merck auch mit Blick auf eine geplante Bewertung durch Rating- Agenturen wichtig sein. Immerhin verbessert sich das Gearing, also die Relation zwischen Netto-Finanzschulden und Eigenkapital, von bisher 1 auf etwa 0,8.

Pharma-Analysten gehen jedoch davon aus, dass sich der Spielraum des Konzerns mit der Kapitalerhöhung nur moderat verbessert. "Größere Übernahmen oder Zukäufe dürften Merck weiterhin schwerfallen", erwartet Andreas Theisen von WestLB Equities. An der Frankfurter Börse gab die Merck-Aktie bis zum frühen Abend um 9 % auf 23,02 Euro nach. Sie notierte damit deutlich unter dem Kurs von 23,50 Euro, zu dem die neuen Aktien bei institutionellen Investoren vor allem in den USA und Großbritannien platziert wurden.

Merck hat durch die Transaktion flüssige Mittel von brutto 105 Mill. Euro hereingeholt. Weitere knapp 300 Mill. Euro Eigenkapital sind durch Umwandlung von Verbindlichkeiten gegenüber dem Mehrheitseigner E. Merck OHG zugeflossen. Dies Holding der Gründerfamilie hält weiterhin 73,8 % des Merck - Kapitals.

Mit Netto-Finanzschulden von rund 2 Mrd. Euro zum Jahresende 2002 ist die Merck KGaA nach wie vor noch deutlich höher verschuldet als die meisten vergleichbaren Pharmaunternehmen. Konnte der Konzern in den vergangenen Jahren die Verschuldung durch eine Reihe von Teilverkäufen noch zurückführen, sind weitere Verkäufe derzeit nicht in Sicht. Der geplante Börsengang der Laborhandels-Tochter VWR liegt wegen der schwachen Marktverfassung weiter auf Eis. Man wolle VWR nur dann an die Börse bringen, wenn man einen angemessenen Gegenwert erhalten könne, sagte ein Sprecher.

Gleichzeitig hat Merck - gemessen am operativen Cashflow - im laufenden Jahr relativ hohe Investitionen geplant, so unter anderem für den Bau eines neuen Werkes für therapeutische Proteine in Thüringen sowie für ein weiteres Werk für Flüssigkristalle in Darmstadt. Hinzu kommen Kosten von bis zu 200 Mill. Euro für Umstrukturierungen und Rechtsstreitigkeiten.

Im ersten Quartal verbuchte der Konzern bei 1,75 Mrd. Euro Umsatz einen nahezu stabilen operativen Gewinn von 185 Mill. Euro. Auch für das Gesamtjahr prognostiziert Merck eine stabile Entwicklung. Allerdings hat das Unternehmen im Pharmageschäft eine relativ schwierige Übergangsphase zu bewältigen, nachdem vor knapp zwei Jahren der bisherige Umsatzträger Glucophage in den USA den Patentschutz verloren hat. Der Umsatz mit dem Diabetesmittel ist daraufhin stark zurückgegangen.

Die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf der Krebsforschung, in die Merck in den vergangenen Jahren stark investiert hat. Einen wichtigen Erfolg verbuchte das Unternehmen hier vor wenigen Wochen mit positiven Testresultaten für das Krebsmedikament Erbitux, für das Merck noch im laufenden Jahr die Zulassung in Europa beantragen will.

Gleichzeitig gab es aber auch Rückschläge. So zeigte ein weiteres Krebsmittel enttäuschende Resultate bei den klinischen Tests. Zwei Forschungsprojekte im Bereich Diabetes musste Merck vor einigen Wochen einstellen, ebenso wie die Arbeiten an einem Medikament gegen Depressionen, das man zusammen mit Glaxo Smithkline entwickeln wollte.

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