Geballte Kritik am "Abschwung Ost"
Im Gepäck des Kanzlers ist fast nur guter Rat

"SOS - Mehr als Versprechen kann ich nicht!" Dieser Spruch mit CDU-Handschrift empfing Gerhard Schröder zum Auftakt seiner Sommerreise vor dem Greifswalder Universitätsgebäude. Illusionen hatte sich dort angesichts leerer Berliner Kassen ohnehin niemand gemacht. Wie erwartet, beließ es der Kanzler, abgesehen von einem 10 000-Mark-Zuschuss für internationale Studentenreisen, bei guten Ratschlägen und Lob für die vorpommersche Traditions-Uni. Und er musste eine Menge Kritik dafür einstecken, dass es den Leuten in Ostdeutschland nur langsam besser geht.

ap GREIFSWALD. Der Greifswalder Rektor Hans-Robert Metelmann hatte sich mehr versprochen als den Hinweis Schröders im sonntäglichen ZDF-Interview, dass die finanziellen Möglichkeiten des Bundes ausgeschöpft seien. Denn seine Universität muss sich, wie auch andere ostdeutsche Bildungsstätten, nach äußerst knapp bemessener Decke strecken und vor allem auf dringend erforderliche Neubauten und Renovierungen verzichten.

Darüber konnte auch das Lob Schröders für die international anerkannten Leistungen der Greifswalder Mediziner und Biotechniker nicht hinwegtrösten. Höchste Bewunderung zollte der Kanzler im Anatomischen Institut vor allem der Demonstration eines Hydrojet-Wasserstrahl-Skalpells. Es ermöglicht feinste und genaueste Operationsschnitte, wie der Bundeskanzler beim Herauslösen eines Pfirsichkerns aus dem Fruchtfleisch selbst ausprobieren konnte.

Ringstorff äußert Verständnis

Im Gegensatz zu Metelmann hat sich Schwerins Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD) mit dem engen Finanzrahmen offenbar abgefunden. Zusätzliche Mittel und Programme für den Osten könnten gegenwärtig nicht erwartet werden, bedauerte er. Anders sieht das offenbar Ringstorffs Arbeits- und Bauminister von der PDS, Helmut Holter, der wie die mecklenburg-vorpommersche Opposition eine "grobe Vernachlässigung" Ostdeutschlands beklagte. Von der "Chefsache Aufbau Ost", die der Kanzler immer wieder verkündet, spürten die Menschen in den neuen Ländern zu wenig, bemängelte Holter.

Noch drastischer sagte es der Schweriner CDU-Fraktionschef Eckhardt Rehberg. Schröder meide soziale und wirtschaftliche Brennpunkte und wolle über die wirklichen Probleme der Menschen im Osten nichts wissen. "Warum ist der Kanzler nicht nach Eggessin und Basepohl gefahren, wo durch Schließung von Bundeswehrstandorten 3 400 Arbeitsplätze wegfallen", fragte Rehberg.

"Schröder hat anstatt des versprochenen Aufbaus Ost den Abschwung Ost zur Chefsache gemacht", setzte die CDU-Landesvorsitzende Steffie Schnoor noch eins drauf. Sie warf Schröder neben der Schließung von Bundeswehrstandorten und Bahnbetriebswerken in Mecklenburg-Vorpommern vor, die Airbus-Ansiedlung und den Bau des Transrapid im Land nicht genügend unterstützt zu haben. Schnoor beklagte vor allem die Abwanderung junger Leute. Es habe nicht den Anschein, dass des Kanzlers Sommertour daran etwas ändern werde, sagte die CDU-Politikerin.

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