Geberkonferenz in Japan: Kabul fordert massive Finanzhilfen

Geberkonferenz in Japan
Kabul fordert massive Finanzhilfen

Unmittelbar vor der an diesem Montag in Tokio beginnenden Geberkonferenz für Afghanistan hat sich der Chef der Übergangsregierung in Kabul, Hamid Karsai, tief enttäuscht über die bisherigen Hilfsleistungen des Westens geäußert. Zugleich warnte er vor einem Rückfall seines Landes ins Chaos.

cr DÜSSELDORF/TOKIO. Der Chef der Übergangsregierung Afghanistans, Hamid Karsai, hat die Welt eindringlich um Hilfe beim Wiederaufbau des Landes gebeten. Nach all den Jahren "des Schmerzes und des Terrorismus" wollten die Afghanen ein neues Leben beginnen, sagte Karsai am Sonntag in Tokio. In der japanischen Hauptstadt beraten am Montag und Dienstag die Delegierten aus über 60 Ländern und Organisationen über ein Hilfsprogramm für Afghanistan.

Karsai sagte auf einem Empfang für die Konferenzteilnehmer: "Wir brauchen Ihre Hilfe, um jenen Millionen von Kindern und Frauen, Verletzten und Verstümmelten ein neues Leben zu schenken, die zu Opfern der Jahre des Schmerzes und des Terrorismus wurden." Afghanistan wolle auf eigenen Beinen stehen und mit seinen eigenen Werten und Traditionen zum Frieden in der Welt und zum Kampf gegen den Terrorismus beitragen.

Deutschland wird für den Wiederaufbau Afghanistans 320 Mill. Euro Finanzhilfe für die kommenden vier Jahre zusagen. Das kündigte Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul unmittelbar vor der Geberkonferenz an. Die Schwerpunkte der deutschen Hilfe seien der Wiederaufbau von Schulen, die Errichtung eines unabhängigen Rechtssystems und die Wiederherstellung der Rechte der Frauen. Die EU-Kommission will für den Wiederaufbau in diesem Jahr mindestens 200 Mill. Euro bereitstellen.

Die Vereinten Nationen fordern massive Finanzhilfen für den Wiederaufbau Afghanistans. Allein für das kommende Jahr sehen Experten einen Bedarf von 1,7 Milliarden Dollar. Vor dem Beginn der Geberkonferenz in Tokio kritisierte der Leiter des Entwicklungsprogramms der Uno (UNDP), Mark Malloch-Brown, dass einige Staaten sehr zögerlich seien, Finanzhilfen in Aussicht zu stellen.

Enttäuschung über bisherige Wiederaufbauhilfe

Auch Karsai zeigte sich enttäuscht über die bisherige Wiederaufbauhilfe. Er forderte mehr und dauerhafte Hilfen für sein durch Krieg und Taliban-Regime zerstörtes Land. "Wenn die internationale Gemeinschaft nicht will, dass Afghanistan wieder ins Chaos zurückfällt und ein Hort des Terrorismus wird, müssen die großen Versprechen endlich in Taten umgesetzt werden", sagte Karsai dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Nach jüngsten Schätzungen werden für den Wiederaufbau Afghanistans in den nächsten zehn Jahren rund 15 Mrd. $ (16,8 Mrd. Euro) benötigt.

Die Konferenz in der japanischen Hauptstadt gilt als erste Möglichkeit für die seit Ende Dezember amtierende Übergangsregierung, ihre Vorstellungen über einen Neuanfang für Afghanistan der Weltöffentlichkeit vorzustellen. Gemeinsamen Vorsitz der Tagung haben Japan, die USA, die EU und Saudi-Arabien, deren Regierung Karsai bei einen Besuch am Samstag nach Medienberichten eine Soforthilfe von 20 Mill. $ zusagte.

Der Schlüssel zum Wiederaufbauprogramm wird die Einführung einer stabilen Währung sein. Bereits vor den US-Luftangriffen, die am 7. Oktober begannen, hatten jahrelange Kämpfe im Land verheerende Wirkungen auf die Wirtschaft und die Währung. Nach 23 Jahren Krieg sind nun die Tage der afghanischen Währung, des Afghani, gezählt. Der Afghani könnte nach Einschätzung des Generaldirektors der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), Yoshihiro Iwasaki, zunächst vom US-Dollar ersetzt werden, um die afghanische Wirtschaft zu stabilisieren.

Gesamtwirtschaftliche Politik

Entscheide sich die afghanische Regierung für den Dollar, dann könnten die Behörden In den darauf folgenden Jahren den Wert des Afghani im Vergleich zum Dollar in den verschieden Landesteilen beobachten, während die Regierung zugleich eine Zentralbank einrichte und eine gesamtwirtschaftliche Politik entwickele. "Das könnte drei bis vier Jahre dauern", sagte Iwasaki. In dieser Zeit würden sich verschiedene Wechselkurse zum Dollar einpendeln. Wenn das funktioniere und sich die Wirtschaft stabilisiere, würde die Zentralbank alle afghanischen Währungen integrieren, den Dollar als Basiswährung zurückziehen und neue afghanische Banknoten ausgeben.

In den Straßen der Hauptstadt Kabul hat sich der Handel mit Afghanis stürmisch entwickelt. Nach dem 11. September war der Afghani mit Kursen von 80 000 je Dollar gehandelt worden. Als die Taliban Kabul verließen, sank der Kurs auf 11 000 Afghani je Dollar. Zurzeit werden 37 000 Afghanis für einen Doller gezahlt.

Bei der Geberkonferenz in Tokio werde ein Treuhänderfonds ein wichtiges Mittel sein, um die laufenden Kosten der Übergangsregierung zu begleichen, sagte Iwasaki. Die ADB, die Weltbank, die Uno und die islamische Entwicklungsbank werden Iwasaki zufolge eine Gruppe formen, um die Hilfen zu verteilen.

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