Gebeugte Haltung, unruhiger Blick
Rhetorik-Experte: Schröders Rede war „Hilferuf"

Die Rede von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf dem Sonderparteitag am Sonntag in Berlin war nach Ansicht des Rhetorik-Experten Günter Zienterra "ein Hilferuf". "Der Leidensdruck war spürbar", sagte der Seminarleiter des Instituts für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn.

HB/dpa BERLIN. Die Delegierten hätten einen Parteivorsitzenden "auf der verzweifelten Suche nach Zustimmung" erlebt. Die Rede bezeichnete Zienterra als "verkrampft und unsicher".

Der Kanzler habe mit einem "eingeübten, zum Teil nachlässig artikulierten Wechselgang von leiseren Appellen und mit Stimmdruck hervorgehobenen Aufforderungen" versucht, Entschlossenheit zu demonstrieren. Mimik, Gestik und Haltung hätten jedoch Unsicherheit verkörpert.

Die Haltung sei gebeugt gewesen, der Blick unruhig und auf der ständigen Suche nach Verbündeten im Saal. "So kann er seine Glaubwürdigkeit nicht verstärken", sagte Zienterra der dpa. Verkrampft sei der Kanzler von einem Bein auf das andere geschwankt, die Gestik habe sich auf Bewegungen der rechten Faust beschränkt. "Er hat entscheidende Botschaften nicht mit Bewegungen unterstrichen."

Mimik und Stimme seien zwar von Kampfeswillen geprägt gewesen. "Aber Schröder hat nicht einmal verbindlich oder aufmunternd gelächelt", kritisierte der Experte. So sei es schwer, Vertrauen zu gewinnen und die Zuhörer für sich einzunehmen. "Daran ändert auch nichts, dass er jeden vierten Satz mit "Freundinnen und Freunde" beendete."

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