Gebot von 70 bis 80 Euro pro Stammaktien im Gespräch
Mögliche Übernahme durch Henkel beflügelt Wella-Aktie

Die Aktien des Darmstädter Kosmetikherstellers Wella haben auf eine mögliche Übernahme durch den Konsumgüterkonzern Henkel mit einem kräftigen Kurssprung reagiert.

Reuters DÜSSELDORF. Aus mit der Angelegenheit vertrauten Kreisen hatte Reuters erfahren, der Düsseldorfer Konzern wolle bis zu 5,3 Milliarden Euro für Wella zahlen und habe dem Spezialisten für Haarpflegeprodukte pro Stammaktie ein Gebot von 70 bis 80 Euro vorgelegt.

Die Wella-Stammaktien gewannen darauf Montagfrüh 47 Prozent auf 58 Euro, während die im MDax notierten Vorzugsaktien 37 Prozent auf 56 Euro zulegten - obwohl Henkel diese Papiere nach Angaben von Analysten gar nicht übernehmen müsste. Die im Deutschen Aktienindex notierten Anteilsscheine von Henkel gaben im schwachen Gesamtmarkt 4,5 Prozent auf knapp 64 Euro nach.

Henkel und Wella schweigen sich aus

"Henkel hat das Gebot vorgelegt und Wella prüft es nun", hieß es in den Kreisen. Die Unternehmen wollten den Bericht auch am Montag nicht kommentieren. Ein Henkel-Sprecher bekräftigte aber frühere Aussagen von Konzernchef Ulrich Lehner, wonach Henkel über eine mit sieben Milliarden Euro gefüllte Kasse verfügt.

Der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) zufolge hat Henkel noch keine offizielle Mitteilung über eine mögliche Übernahme des traditionsreichen Kosmetikkonzerns Wella vorgelegt. Eine Sprecherin des BAFin sagte auf Anfrage, es liege keine Benachrichtigung über eine geplante Übernahme von Wella vor. Henkel müsste das BAFin benachrichtigen, wenn der Konzern eine offizielle Offerte für Wella vorlegt.

Wella-Kauf bereits als Variante genannt

Spekulationen über ein Interesse von Henkel an Wella waren bereits im Mai 2000 aufgetaucht. Damals hatte Lehner einen Kauf von Wella als "interessante Variante" bezeichnet. Wella, das nach wie vor von den Nachfahren der Gründerfamilie Ströher kontrolliert wird, sei bislang aber stets skeptisch gegenüber Fusionen gewesen, hieß es in den Kreisen. In Frage komme daher auch nur eine freundliche Übernahme. In die Konsumgüterbranche ist zuletzt allerdings Bewegung gekommen.

So soll jüngst der US-amerikanische Henkel-Konkurrent Procter&Gamble Branchenkreisen zufolge der Münchener Allianz seine Preisvorstellungen für deren Beiersdorf-Anteil umrissen haben. Auch die Eigentümer des Kaffeerösters Tchibo haben bereits ihr Interesse an einer Aufstockung des eigenen Anteils am Nivea-Hersteller bekundet. Auch der französischen L'Oreal war Interesse am Hamburger Beiersdorf-Konzern nachgesagt worden.

70 Euro pro Wella-Aktie attraktiv

Analysten bezeichneten den in den Kreisen genannten Kaufpreis je Wella-Aktie überwiegend als attraktiv. "70 Euro ist ein realistischer Preis für Wella", sagte Analyst Thomas Effler von der Commerzbank. 80 Euro - die in den Kreisen genannte Obergrenze - würde Henkel dagegen "Bauchschmerzen bereiten", fügte er hinzu. Aber Henkel müsse der Familie Ströher das Angebot für Wella schon "schmackhaft machen", um zu erreichen, dass diese ihre Anteile veräußere.

Für Henkel wäre die Übernahme Effler zufolge Erfolg versprechend: "Strategisch macht das Sinn." Die Henkel-Haarpflegemarke Schwarzkopf sei im Gegensatz zu Wella keine starke Marke - "das passt", betonte Effler. Auch von Seiten der Wettbewerbshüter erwarte er im Fall einer möglichen Übernahme in Europa keine größeren Probleme. Nur auf dem deutschen Markt müsse es möglicherweise kleinere Verkäufe geben.

Gunnar Cohrs, Analyst bei der Behrenberg Bank in Hamburg, sagte, ein Angebot von 70 bis 80 Euro sei "sehr attraktiv". Er sehe den fairen Wert für die Wella-Aktie derzeit bei 55 bis 60 Euro, womit das Gebot auf dieser Basis einen Aufschlag von rund 20 Prozent darstelle. "Das macht Sinn", sagte auch Konsumanalyst Michael Otto von der Helaba Trust in Frankfurt. Ein Interesse von Henkel an den Darmstädtern stehe jedenfalls außer Frage. "Den Vorzugsbesitz muss Henkel bei einer Akquisition nicht übernehmen", sagte Otto allerdings mit Blick auf die vollständig im Streubesitz befindlichen Anteilsscheine. Daher sei der starke Kursanstieg auch der Vorzüge an der Börse nicht verständlich.

In Familienbesitz befinden sich 78 Prozent der allein stimmberechtigten Wella-Stammaktien. Im Jahr 1880 hatte der damals 26-jährige Friseur Franz Ströher mit der Herstellung von Perücken und Zöpfen den Grundstein für den Weltkonzern gelegt. Wella hat seinen Geschäftsschwerpunkt im Frisörgeschäft und ist nach L'Oreal in dieser Sparte der zweitgrößte Anbieter weltweit. Bislang hat das Darmstädter Unternehmen einen Marktanteil von rund 20 Prozent, die Henkel-Haarpflege-Tochter Schwarzkopf kommt auf etwa sechs Prozent. Durch ein Zusammengehen von Wella und Schwarzkopf würde Henkel damit nahe an den Marktanteil von L'Oreal von rund 30 Prozent herankommen.

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