Gebrauchs- und Verbrauchsgüter schlagen sich am besten
Umsatzeinbruch beim Handel

Die anhaltende Konsumflaute in Deutschland belastet den Einzelhandel schwer und dämpft nach Einschätzung von Volkswirten die Konjunkturerholung.

Reuters FRANKFURT/M. Der Einzelhandel verbuchte im ersten Halbjahr dem Statistischen Bundesamt zufolge unter Berücksichtigung der Inflation ein Umsatzminus von 3,7 Prozent. Allein im Juni sanken die realen Umsätze um 5,2 Prozent zum Vorjahr. Die schwache Arbeitsmarktlage, die "Teuro"-Debatte und schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft hätten die Verbraucher knausern lassen, sagten Volkswirte. Selbst wenn die Bürger verschobene Käufe nachholen sollten, dürfte der Konjunkturschub vom Verbrauch mager ausfallen. Einen Hoffnungsschimmer lieferte die jüngste GfK-Umfrage zur Stimmung der Verbraucher, die sich dabei zuversichtlicher zur Konjunktur und ihrer Einkommenssituation äußerten.

Verunsicherung sorgt für Konsumflaute

Noch allerdings drückt die Konsumflaute die Umsätze und Gewinne des Einzelhandels. Im Juni schrumpfte der Umsatz der Branche nach Angaben des Statistikamtes vom Mittwoch real um 2,2 Prozent zum Mai. Der Einzelhandelsumsatz trägt etwa ein Drittel zum Konsum bei, der wiederum rund 60 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung ausmacht.

Die Konsumschwäche schlug sich auch in den Bilanzen der Handelskonzerne nieder. Der weltweite fünftgrößte Handelskonzern Metro meldete am Mittwoch einen Gewinnrückgang im ersten Halbjahr und senkte sein Umsatzprognose für dieses Jahr etwas. Der Gewinn des Modekonzerns Hugo Boss brach in den ersten sechs Monaten um 43 Prozent ein.

Dass die Deutschen auch im Juli noch nicht gewillt waren, mehr Geld auszugeben, lässt sich an der Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erkennen: Die Bereitschaft, langlebige Produkte wie Fernseher oder Kühlschränke zu kaufen, sei trotz eines Anstiegs im Juli weiter extrem schwach geblieben, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Volkswirte waren über die anhaltende Kaufzurückhaltung der Verbraucher nicht überrascht. "Der private Konsum in Deutschland ist und bleibt schwach", sagte Gabriele Wiedmann von der DekaBank. Da beim Konsum Psychologie eine große Rolle spiele, hätten die schlechte Arbeitsmarktlage und der "Teuro"-Ärger die Kauflaune verdorben.

Auch der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) vermutet, die Mischung von Firmenpleiten, Aktienkurssturz und schwachem Arbeitsmarkt verunsicherten die Verbraucher zutiefst. Erstmals in der Nachkriegsgeschichte seien die Umsätze im Handel sieben Monate nacheinander gesunken, erklärte der HDE. Auch Metro-Chef Hans-Joachim Körber sprach vom "schwierigsten Einzelhandelsumfeld seit Ende des Zweiten Weltkriegs".

Volkswirte erwarten nur mäßige Erholung

Offenbar haben die Menschen ihr Kaufverhalten mit der Euro-Einführung geändert. "Die Verbraucher schauen scharf auf die Preise und sind wohl mehr zu den Discountern gegangen", vermutete Ulla Kochwasser von der Mizuho Corporate Bank in Frankfurt. Metro-Chef Körber äußerte sich ähnlich: "Unsere Kunden sind höchst preissensitiv geworden, und das kann man in jedem Supermarkt beobachten."

Kochwasser sieht aber für den Einzelhandel Licht am Ende des Tunnels: "Ich glaube, das Schlimmste ist jetzt vorbei." Der Sommerschlussverkauf werde die Umsätze aufbessern und allmählich gewöhnten sich die Bürger an den Euro. DZ-Bank-Volkswirt Bernd Weidensteiner rechnet ebenfalls mit einer mäßigen Belebung des Konsums: "Irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, wo es nicht mehr schlechter werden kann." Die Verbraucher dürften einen Teil der Käufe nachholen, die sie sich verkniffen hätten, ohne aber für einen Konsumboom zu sorgen.

Grund zur Hoffnung geben den Volkswirten die Ergebnisse der GfK-Umfrage. Die GfK teilte mit, der Konsumklima-Indikator für August sei zwar mit 7,5 Punkten zum Vormonat noch einmal etwas gesunken, die Verbraucher bewerteten aber in der Juli-Umfrage die Konjunkturaussichten und ihre zukünftige Einkommenssituation deutlich zuversichtlicher als bisher.

Wie andere Volkswirte sieht DekaBank-Analystin Wiedmann im schwachen Konsum einen Grund dafür, dass die Konjunkturerholung in Deutschland nicht so stark ausfällt wie noch zu Jahresbeginn erwartet. "Der private Konsum kommt nicht in Schwung, das einzige, was die Wirtschaft zieht, sind die Exporte und auch hier sind die Aussichten schlechter geworden." Wie viele andere Banken habe auch die DekaBank kürzlich die Wachstumsprognosen für Deutschland für dieses und für kommendes Jahr gesenkt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%