Gebrauchtwagenmarkt erholt sich
Kfz-Gewerbe warnt vor falschen Hoffnungen

Die Gefahr bestehe, dass enttäuschte Erwartungen auf bis zu 20 Prozent niedrigere Preise die Nachfrage nach Neuwagen weiter dämpften, sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), Rolf Leuchtenberger, am Dienstag im Vorfeld der Internationalen Handwerksmesse in München.

Reuters MÜNCHEN. "Auch die Automobilhersteller sind wirtschaftlich nicht in der komfortablen Situation, die Preisschraube spürbar nach unten zu drehen", sagte er. Nach einer Forsa-Umfrage erwarten 69 Prozent der Autofahrer, dass die Liberalisierung der Vertriebsregeln neue Autos in Deutschland günstiger macht.

Die EU plant eine umfassende Reform der Bindung von Händlern an die Automobilhersteller, um den Wettbewerb zu stärken und die Preise zu drücken. Sie soll im Oktober 2002 in Kraft treten.

Das Kfz-Gewerbe habe im vergangenen Jahr Einbußen im Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen durch Service- und Reparaturgeschäft wett gemacht, das "wie ein Fels in stürmischer Brandung" gewesen sei, sagte Leuchtenberger. Mit Neu- und Gebrauchtfahrzeugen habe jeder zweite Kfz-Betrieb dagegen kein Geld verdient. Der Umsatz der Branche sei im vergangenen Jahr um 0,6 Prozent auf 126,47 Milliarden Euro gesunken. Die Umsatzrendite vor Steuern sei auf 0,8 Prozent gefallen, im Neuwagengeschäft sei sie sogar auf 0,4 Prozent geschrumpft. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Kfz-Branche sei um 12 000 auf 513 900 gesunken.

Für 2002 äußerte sich Leuchtenberger verhalten optimistisch: Januar und Februar seien deutlich besser gelaufen als erwartet. Minimalziel sei, den Verkauf von Neuwagen von 3,34 Millionen im vergangenen Jahr zu halten. "Mit dem Prinzip Hoffnung sind auch 3,4 bis 3,5 Millionen möglich. Aber das wird sehr schwer", sagte er. "Kaufkraft ist da, aber die psychologischen Hemmnisse sind offenbar größer." Neue Modelle könnten aber Kaufanreize geben. Der Investitionsstau der um ihre Zukunft bangenden Autohändler werde sich aber wohl erst 2003 auflösen.

Im abgelaufenen Jahr hatten freie und Vertragshändler sieben Prozent weniger Neu- und Gebrauchtwagen verkauft, wie der ZDK weiter mitteilte. Zu Gunsten von Privatverkäufen und des reinen Gebrauchtwagenhandels sei ihr Marktanteil auf 33 von 35 Prozent gesunken. Grundsätzlich erhole sich der Gebrauchtwagenmarkt aber weiter.

Eine Spaltung des Kfz-Gewerbes befürchtet Jürgen Creutzig, der Präsident des europäischen Branchenverbandes Cecra, in Folge des Liberalisierungsvorstoßes von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. "Die Unternehmen, die überleben, werden zu neuen Ufern aufbrechen", sagte Creutzig. Sie erhielten mehr Unabhängigkeit gegenüber den Auto-Herstellern und könnten sich mit europaweit agierenden Reparatur-Ketten zusammen tun.

Der Mittelstand werde dagegen in seiner Existenz gefährdet. Von den 172 000 freien Händlern und 108 000 Vertragswerkstätten müssten innerhalb von zwei bis drei Jahren tausende aufgeben, sagte er. Der Chance von freien Werkstätten, sich als Markenwerkstatt zu qualifizieren, werde das große Erwachen folgen, warnte der Cecra-Chef. Von der neuen Gruppenfreistellungsverordnung (GVO) würden letztlich die Niederlassungen der Hersteller profitieren.

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