Gebühren für Banken sinken: Mastercard kämpft um Marktführerschaft

Gebühren für Banken sinken
Mastercard kämpft um Marktführerschaft

Mit einer neuen Struktur und günstigeren Gebühren will Mastercard seine führende Marktstellung im Kreditkartengeschäft behaupten. Mit der Aufspaltung des deutschen Ablegers der Kreditkartengesellschaft verschwindet aber eines der wenigen funktionierenden Beispiele für die Zusammenarbeit aller drei Säulen der deutschen Kreditwirtschaft.

FRANKFURT/M. In den deutschen Kreditkartenmarkt kommt Bewegung: Der amerikanische Riese American Express hat angekündigt, seinen Marktanteil in den kommenden zwei Jahren verdoppeln zu wollen, und auch Visa hat seine Vertriebsbemühungen verstärkt. Das erhöht den Druck auf Marktführer Mastercard, der reagiert und zum Gegenschlag ausholt.

"Wir müssen Marktführer in Deutschland bleiben", betont Jan Hendrikx, Geschäftsführer von Euro Kartensysteme gegenüber dem Handelsblatt. Nach der Markenfusion von Eurocard und Mastercard und der Eingliederung der europäischen Europay in die amerikanische Mastercard-Zentrale wird nun die deutsche Gesellschaft Euro Kartensysteme aufgespalten. Am 1. Juli gehen die drei neuen Gesellschaften rückwirkend zum 1. Januar 2003 an den Start. Hendrikx verspricht sich hiervon eine besser koordinierte Vertriebsaktivität und dadurch eine höhere Durchschlagskraft.

Die Euro Kartensysteme wurde als Vertriebs- und Dienstleistungsgesellschaft für Mastercard in Deutschland vor fünf Jahren gegründet. Sie war eines der wenigen Beispiele für die funktionierende Zusammenarbeit aller drei Gruppen der deutschen Kreditwirtschaft. 40 % der Anteile halten private Banken, 40 % Sparkassen und 20 % die Genossenschaftsbanken.

Künftig wird es drei Gesellschaften geben. Unter dem alten Namen Euro Kartensysteme werden die 4,5 Mill. selbst ausgegebenen Karten gemanagt. Geschäftsführer dieser Gesellschaft wird Hendrikx. Er verwaltet auch den 5 %-Anteil an Mastercard International. Die gesamten Dienstleistungen für Händler (Acquiring), die den Einsatz von Mastercard-Karten zulassen, werden in eine neue Gesellschaft separiert. Deren Leitung übernimmt Hendrikx? Partner Manfred Krüger. An seine Seite rückt Rainer Sureth, der von der Commerzbank kommt. Die dritte Gesellschaft kümmert sich um Marke, Sponsoring, Werbung und Produktentwicklung. Allerdings übernimmt hier wohl Mastercard Europe einige Aufgaben, heißt es. Dazu wird sich demnächst Aufsichtsratschef Bernd Fieseler, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), äußern.

An den Eigentümerstrukturen wird sich vorläufig nichts ändern. Hendrikx schloss aber nicht aus, dass es in Zukunft zu Verschiebungen der Anteile kommen wird. Er begründet die Aufspaltung mit veränderten Anforderungen und Interessenkonflikten: "Wir sind auf der Acquiring-Seite ein kommerzielles Unternehmen, aber gleichzeitig im Marketingbereich mit übergreifenden Aufgaben betraut und damit ein Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft. Das muss strikt getrennt werden."

Um das Kreditkartengeschäft für die Banken, die die Karten an die Kunden ausgeben, interessanter zu machen, dreht Mastercard kräftig an der Preisschraube: Die Gebühren, die die Banken zahlen, wurden bereits im vergangenen Jahr um 50 % gesenkt. Im laufenden Jahr will Hendrikx die Kosten noch tiefer drücken. Zudem zahlt die Gesellschaft den Banken für die Umsätze immer 10 Basispunkte mehr als Visa. "Die Institute haben das Kreditkartengeschäft in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich das angesichts der Ertragsprobleme der Banken ändern wird", ist Hendrikx zuversichtlich.

Der Zusammenschluss zwischen Europay und Mastercard vergangenes Jahr sei "ohne Vibrationen" verlaufen, sagte Hendrikx, der als einer von sechs Europäern im 18-köpfigen Manage- ment-Board von Mastercard sitzt. Im IT-Bereich seien in den ersten Monaten bereits Einsparungen von 170 Mill. $ erzielt worden. Durch die Aufgabe der Marke Eurocard stünde nun zudem ein höheres Marketingbudget für Mastercard zur Verfügung, so Hendrikx: 20 Mill. in Deutschland und 500 Mill. $ weltweit.

2002 war ein gutes Jahr für Mastercard, betont Hendrikx. Weltweit stieg der Umsatz mit Mastercards um 15 % auf 1 100 Mrd. $, die Zahl der ausgegebenen Mastercards erhöhte sich um 15 % auf 590 Millionen, und die Transaktionen stiegen um 16 % auf 13,6 Milliarden. Solche Zuwächse gab es in Deutschland nicht: Der Umsatz stieg um lediglich 1 % auf 16 Mrd. $, die Zahl der Transaktionen blieb unverändert. Allerdings erhöhte sich die Zahl der ausgegebenen Mastercards um 8 % auf 10,5 Mill. Karten.

Der Verdrängungswettbewerb im deutschen Kreditkartengeschäft ist groß. Der Markt wird von den drei großen Gesellschaften Mastercard (51 % Marktanteil) Visa (39 %) und American Express (10 %) dominiert. Waren 1990 nur rund 4,8 Mill. deutsche Kreditkarten im Umlauf, stieg die Zahl bis Ende 2002 auf 21 Mill. Karten. Nach den USA ist Europa für Mastercard und American Express der zweitwichtigste Ertragsbringer.

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