Gedämpfte Zuversicht für die zweite Jahreshälfte
Intel und Motorola machen IT-Branche Mut

Zwei Schwergewichte der Informationstechnologie sorgen für Hoffnung in der Branche: Intel überrascht mit hohen Umsatzerwartungen, Motorola verspricht für das zweite Halbjahr wieder Gewinn.

jojo MÜNCHEN. Die Börsen waren sich am Mittwoch einig: Die Informationstechnologie-Branche (IT) kommt langsam aus der Talsohle. Weltweit kletterten die Kurse von Technologie-Aktien. Auslöser der Begeisterung auf dem Parkett waren gute Zahlen von Intel und Motorola fürs erste Quartal 2002 sowie positive Prognosen für den Rest des Jahres.

Für Aufsehen sorgte insbesondere Intel. Zum ersten Mal seit fünf Quartalen hat das US-Unternehmen den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr wieder gesteigert. "Trotz schwacher Konjunktur verbesserten wir unseren Produkt-Mix und unsere Profitabilität", freut sich der Chef des weltgrößten Chip-Herstellers, Craig Barrett. Mit Einnahmen von 6,78 Mrd. $ (Vorjahr 6,7) traf Intel genau die Vorhersagen der Analysten. Der Gewinn je Aktie von 15 Cent lag nur leicht unter den Vorhersagen und dem Vorjahr (16 Cent).

Was Anleger und Analysten besonders erfreut: Für das zweite, traditionell schwache Quartal erwartet die Firma aus dem kalifornischen Santa Clara einen gegenüber dem ersten Quartal nahezu unveränderten Umsatz zwischen 6,4 Mrd. $ und 7 Mrd $. Damit noch nicht genug der guten Nachrichten. Intel verspricht, die Bruttogewinnmarge im Jahresverlauf von rund 51 % auf 53 % zu steigern.

Positiv auch die Aussichten für den Mobiltelefon- und Chip-Hersteller Motorola. "Wir werden in der zweiten Jahreshälfte wieder profitabel und auch auf Jahresbasis mit Gewinn abschließen", sagte Motorola-Präsident Edward Breen. Bereits im ersten Quartal haben die Amerikaner ihren Verlust gegenüber dem Vorjahr von 533 Mill. $ auf 449 Mill. $ gedrückt. Der Umsatz lag mit 6 Mrd. $ allerdings merklich unter dem Vorjahreswert von 7,7 Mrd. $.

Schon in diesen Tagen zieht das Geschäft aber offenbar wieder kräftig an: Für das laufende Quartal erwartet die Firma aus Schaumburg einen Umsatz zwischen 6,3 und 6,4 Mrd. $. Motorola hat in den vergangenen Monaten ein hartes Sparprogramm aufgelegt und fast 50 000 Jobs gestrichen.

Von einem Aufschwung auf breiter Front wollen momentan freilich weder Intel noch Motorola sprechen. "Vor allem im Firmenkunden-Geschäft sehen wir noch keine Anzeichen einer Verbesserung," sagte Intel-Europa-Chef Stacy Smith im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Wir sind da nicht allzu optimistisch." Viele Firmen würden Investitionen noch immer verschieben. "Wenn wir den Kunden einen Kostenvorteil bieten können, sind sie aber oft dennoch bereit, Geld auszugeben", so Smith.

Weniger zurückhaltend sind offenbar die privaten Computer-Nutzer. In Europa sei momentan vor allem der Absatz an Endverbraucher eine starke Umsatzstütze, sagt Smith. Insbesondere die Deutschen legen sich offenbar gerne die modernsten PC und Laptops zu: "Die Nachfrage von privaten Kunden ist prima", zeigt sich der Chef von Intel-Deutschland, Jürgen Thiel, zufrieden.

Die großen Computerbauer als wichtigste Kunden von Intel sehen die Lage in Deutschland allerdings skeptisch: "Der Markt ist noch immer rückläufig", betont Mathias Schädel, der den deutschen Ableger von Dell leitet.

Weltweit haben die Konsumenten im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit Mitte der achtziger Jahre weniger PC gekauft als im Vorjahr. Im laufenden Jahr soll der Absatz allerdings wieder um etwa 4 % klettern, erwarten die Experten der Gartner Group. Die Impulse kommen dabei hauptsächlich aus Asien. Ende 2001 war die Region zum ersten Mal zum wichtigsten Absatzmarkt für Intel aufgestiegen.

Kurzfristige Impulse erwartet Intel-Regionalchef Thiel in Europa vor allem von den Handy-Bauern. "Die haben ihre Lager abgebaut und müssen jetzt einkaufen."

Analysten zeigten sich gestern positiv überrascht von den Prognosen von Intel und Motorola. So stufen die Experten von Merrill Lynch und SEB Intel mit "starkem Kauf" ein. Beide Banken erwarten, dass die Gewinne und mit ihnen der Aktienkurs im Jahresverlauf stark steigen werden. Schon in den vergangenen Wochen haben zahlreiche Institute Intel nach oben gestuft. Gestern kletterte der Aktienkurs im frühen Handel in New York um 5 % auf 31,06 $. Motorola legte um 3,2 % auf 48,4 $ zu.

In diesen Tagen legen weltweit die meisten IT-Konzerne ihre Zahlen vor. Die deutschen Anleger warten vor allem auf die Quartalszahlen von Infineon am kommenden Dienstag und von Siemens am Donnerstag.



Quelle: Handelsblatt

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