Gedämpfter Handel
Dollar stabilisiert sich

Der Handel sei aber lustlos wegen der Unsicherheit, wie die Wall Street auf die Anschläge reagieren werde, sagten Händler.

Reuters FRANKFURT. Der US-Dollar hat am Freitagvormittag nur etwas schwächer als im späten US-Handel notiert. Die US-Währung habe sich wegen der Eingriffe der führenden Notenbanken zur Beruhigung der Finanzmärkte nach den Terroranschlägen stabilisiert, sagten Händler. Der Handel sei aber lustlos wegen der Unsicherheit, wie die Wall Street auf die Anschläge vom Dienstag reagieren werde. Es gebe nur wenige Kundenaufträge und Positionsanpassungen, da die meisten Marktteilnehmer die Reaktion der US-Aktienkurse am Montag abwarten wollten. Mit Blick auf die Wiedereröffnung der New Yorker Aktienmärkte sagten einige Händler höhere Volumina im Devisenhandel voraus.

Ein Euro kostete gegen 11.00 Uhr MEZ 0,9130/31 Dollar nach 0,9110/20 Dollar zu Handelsschluss in den USA. Die US-Valuta notierte mit zuletzt mit 118,90/95 nach 118,82/92 Yen am Vorabend. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 108,51/61 32 nach 107,88 Yen gehandelt.

Gedrückte Stimmung

Insgesamt sprachen die Marktteilnehmer von einer gedrückten Stimmung. "Es scheint im US-Handel Schwierigkeiten gegeben zu haben, aber alle kennen die Gründe. Deshalb sind die Leute ruhig", sagte ein Händler einer US-Bank in Tokio. Mehrere große Banken hatten Büros im New Yorker World Trade Center, den die Flugzeug-Terroranschläge vom 11. September vollkommen zerstört wurde. Am Markt herrscht Händlern zufolge Ruhe, weil zahlreiche Marktteilnehmer außerdem moralische Bedenken hätten, in dieser Situation aggressiv zu handeln.

Selbst auf die Ankündigung des japanischen Einzelhandelskonzerns Mycal Corp, Insolvenz zu beantragen, habe der Markt nur lethargisch reagiert. Mit Bewegung sei erst am Montagnachmittag mit Wiederaufnahme des US-Aktienhandels zu rechnen. "Es gilt als ausgemacht, dass die Aktienkurse nächste Woche fallen werden. Es ist deshalb unvermeidlich, dass der Dollar dann unter Druck geraten wird", sagte Yasuji Yamanaka von Nikko Trust and Banking Co.

Gegen einen stärkeren Rückgang des Dollar spreche allerdings die Aussicht auf konzertierte Devisenmarkteingriffe der führenden Zentralbanken zur Stützung der US-Währung, sagten Händler. Die Finanzminister Japans und der USA haben nach den Worten des japanischen Amtsinhabers Masajuro Shiokawa vereinbart, im Falle starker Kursschwankungen am Devisenmarkt einzugreifen. "Ich habe nach den Anschlägen mit US-Finanzminister Paul O'Neill gesprochen und vereinbart, dass Japan und die Vereinigten Staaten sofort die angemessenen Schritte einleiten werden, falls die Kursbewegungen zu stark werden", sagte Shiokawa am Freitag. Er sagte außerdem, er werde in engem Kontakt mit anderen Ländern bleiben und in Devisenfragen kooperieren.

Maßnahmen gegen Liquiditätsengpässe

In den vergangenen zwei Tagen haben die wichtigsten Notenbanken den Geldmarkt zusätzlich mit rund 190 Mrd. Dollar versorgt, um Liquiditätsengpässe zu vermeiden. Die Fed und die EZB hatten am Donnerstag wegen der Folgen der Anschläge einen Austausch von Währungsguthaben vereinbart. Dieses Swap-Geschäft sieht vor, dass die EZB bis zu 50 Mrd. Dollar aus den Beständen der Fed von New York erhält. Die New Yorker Fed bekommt im Gegenzug einen entsprechenden Euro-Betrag.

Das Geschäft laufe in 30 Tagen aus. Die EZB will mit dem Dollar-Betrag europäischen Geschäftsbanken, deren Geschäfte in Folge der Terroranschläge beeinträchtigt wurden, über die nationalen Notenbanken ausreichende Dollar-Liquidität zuführen.

Händler sprachen auch von einer gewachsenen Erwartung, die Leitzinsen weltweit könnten nach den Anschlägen in den USA gesenkt werden. Die Terroranschläge werden nach den Worten des japanischen Notenbankchefs Masaru Hayami auch eine Rolle bei der geldpolitischen Entscheidung der Bank of Japan (BoJ) in der kommenden Woche spielen. "Wenn man bedenkt, dass es so große Folgen hat, wird es ein Faktor bei der Entscheidung sein", sagte Hayami am Freitag in Tokio.

Von der Fed erwarten Analysten teilweise eine weitere Leitzinssenkung von bis zu 50 Basispunkten, nachdem die Notenbank die Zinsen in diesem Jahr bereits sieben Mal um insgesamt drei Prozentpunkte auf 3,5 Prozent im Schlüsselzins gesenkt hat. Neben möglicher Folgen der Anschläge spreche das schwindende Vertrauen der US-Verbraucher in die Wirtschaftslage der USA für eine weitere Senkung. Der Index des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan sank im September viel stärker als erwartet auf 83,6 von 91,5 im August. Die Umfrage dazu war einen Tag vor den Terroranschlägen abgeschlossen worden.

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