Gedanken an die Mutter
Ruderin Boron erlebt bewegenden Olympiasieg

Kathrin Boron hat erreicht, was zu erreichen ist. Doch der Olympiasieg mit dem Doppelvierer ist für die Potsdamerin die wichtigste Medaille ihrer Karriere. Nach ihren Triumph galten ihre Gedanken vor allem einer Person - ihrer Mutter.

HB ATHEN. Kathrin Boron kämpfte mit den Tränen. Sie war glücklich, überglücklich. Nur Minuten zuvor war sie mit ihren Teamkameradinnen Meike Evers, Manuela Lutze und Kerstin El-Qalqili im Doppelvierer zum Olympiasieg gefahren. Es war ein souveränes Rennen der deutschen Ruder-Damen. Am Ende hatte das Quartett die noch beim Weltcup auf dem Rotsee in Luzern vor ihnen platzierten Britinnen Alison Mowbray, Debbie Flood, Frances Houghton und Rebecca Romero in 6:29,29 Minuten mit einem Vorsprung von 1,97 Sekunden auf den zweiten Platz verwiesen. Die drittplatzierten Ukrainerinnen Olena Morozova, Tetyana Olefirenko und Jana Dementjewa landeten mit einem Rückstand von 5,02 Sekunden auf das Boot des Deutschen Ruderverbandes (DRV) auf dem Bronzerang.

Für den DRV war es ein Erfolg, der fest eingeplant war. Denn seit den Spielen 1976 ist der deutsche Doppelvierer der Frauen bei Olympischen Spielen ungeschlagen. Und Bundestrainerin Jutta Lau - die 1976 und 1980 als Schlagfrau selbst zu Gold gerudert war - hat alles getan, damit diese Bilanz sich auch in Athen fortsetzt. Dafür nahm sie auch Missstimmungen in Kauf, die durch Umbesetzungen im deutschen Boot zustande kam. So nahm die Bundestrainerin Peggy Waleska und Britta Oppelt aus dem Boot, brachte dafür Boron und Ewers.

«Natürlich waren Peggy und Britta enttäuscht, aber der Erfolg zeigt, dass die Umbesetzung richtig war», sagte Kathrin Boron. «Aber Peggy kann ja auch zufrieden sein, nachdem sie zusammen mit der Britta Silber im Doppelzweier geholt hat.» Für das deutsche Boot hätte es am Ende allerdings noch kritisch werden können. «Auf den letzten 100 Metern habe ich mich etwas versteuert, da musste ich aufpassen, dass wir nicht gegen eine Boje fahren», sagte Boron zu dem Fehler, der von außen gar nicht wahrnehmbar war. Probleme durch die erst vor sieben Wochen erfolgte Umbesetzung habe es mit Blick auf die Abstimmung untereinander nicht gegeben. «Wir sind alles erfahrene Ruderinnen, die wissen, auf was es ankommt», sagte Meike Evers. Ein Druck durch die historische Olympiabilanz habe auf dem Quartett auch nicht gelastet. «Wir wussten, was wir drauf hatten. Wir wollten hier Olympiasieger werden.»

Für die 34-jährige Boron war es bei ihrem vierten Start bei den Olympischen Spielen zugleich die vierte Goldmedaille. 1992 in Barcelona hatte sie den Doppelzweier, 1996 in Atlanta den Doppelvierer und im Jahr 2000 in Sydney wieder den Doppelzweier gewonnen. Und nun also wieder der Doppelvierer. Für Kathrin Boron schließt sich damit der Kreis, und dieser Erfolg lässt sie zufrieden strahlen. «Das ist ohne Frage für mich die bedeutendste Medaille», sagte die gelernte Bankkauffrau am Sonntag.

Und in diesem Moment galten ihre Gedanken ihrer im vergangenen Jahr verstorbenen Mutter. «Es wäre schön gewesen, wenn sie das noch hätte erleben können.» Kathrin Boron sagte es zwar nicht, aber man konnte ahnen, dass sie diese Medaille vor allem ihr widmete. Nach ihrem Olympiasieg in Sydney hatte die achtmalige Weltmeisterin erst einmal ein Babyjahr eingelegt. Doch schon im Jahr 2002 tauchte sie mit ihrer Tochter Cora als Zuschauerin auf dem Arm bei den Weltmeisterschaften auf, ein Jahr später meldete sie sich in beeindruckender Weise mit dem Gewinn der Vize-Weltmeisterschaft im Doppelzweier zurück. Und nun also der Olympiasieg.

Eigentlich sollte man denken, dass wäre ein gelungenes Ende einer Karriere. Doch so weit scheint es bei Kathrin Boron noch nicht zu sein. Wie es jetzt weitergeht, darüber will sie sich jetzt erst einmal in Ruhe Gedanken machen. «Aber erst einmal genieße ich diesen Triumph.»

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