Gedenken ohne Zwischenfälle
Bush kündigt Kampf gegen „Tyrannen“ an

US-Präsident George W. Bush hat am Jahrestag der Anschläge vom 11. September einen entschlossenen Kampf gegen Terroristen und Tyrannen angekündigt. "Wir werden nicht nachgeben, bis der Gerechtigkeit genüge getan ist und unsere Nation sicher ist", sagte Bush am Mittwochabend (Ortszeit) in New York.

HB NEW YORK/WASHINGTON. Die Fernsehansprache wurde life von Ellis Island im Hafen von New York übertragen, wo Hunderttausende von Immigranten in den USA angekommen waren. Im Hintergrund war die beleuchtete Freiheitsstatue zu sehen.

Auf seine Pläne, im Antiterrorkampf eine neue Front gegen den Irak zu eröffnen, ging Bush nicht direkt ein. Der Präsident wollte am Donnerstag in einer mit Spannung erwartete Rede vor den Vereinten Nationen einen kompromisslosen Kurs gegen den Irak fordern. "Wir werden es nicht zulassen, dass Terroristen oder Tyrannen die Zivilisation mit Massenvernichtungswaffen bedrohen", sagte Bush am Mittwochabend. "Wir haben nicht die Absicht, die jüngste Bande von Fanatikern zu beschwichtigen, die versucht, sich an die Macht morden." Amerikaner würden jetzt und in Zukunft als freies Volk leben, "nicht in Angst, und niemals einer ausländischen Macht oder einem Komplott ausgeliefert".

Der Tag hatte ganz im Zeichen des Gedenkens an die mehr als 3 000 Terroropfer gestanden. In New York waren die offiziellen Gedenkfeiern am Abend mit der Einweihung eines Denkmals für die Terroropfer im Battery Park im Süden Manhattans zu Ende gegangen. Im Beisein von Staats- und Regierungschefs sowie anderen hohen Repräsentanten nahezu aller Länder der Welt wurde eine Ewige Flamme entzündet. Im Mittelpunkt der Anlage steht die Skulptur "Sphäre" des deutschen Bildhauers Fritz Koenig. Die Großplastik, die den gemeinsamen Wunsch der Menschheit nach Frieden und Zusammenarbeit symbolisiert, hatte einst auf dem Platz vor dem World Trade Center gestanden. Sie war bei der Zerstörung der Türme stark beschädigt worden. Deutschland war bei der Denkmalseröffnung durch Außenminister Joschka Fischer vertreten.

Bush hatte im Laufe des Tages an allen drei Anschlagsorten, am Pentagon bei Washington, in Pennsylvania und an Ground Zero, der mehr als 3 000 Terroropfer gedacht. In Anwesenheit mehrerer hundert Angehöriger hatte er an der Stätte des World Trade Centers am Nachmittag einen Kranz niedergelegt und eine Gedenktafel enthüllt. Dort hatte der offizielle Gedenkakt am Morgen um 8.46 Uhr (14.46 Uhr MESZ) mit einer Schweigeminute begonnen. Das war der Zeitpunkt, an dem vor einem Jahr die erste Maschine in den Nordturm des World Trade Centers gerast war. In Büros, auf Straßen und auf den Flughäfen verharrten Millionen Amerikaner im Gedenken der Opfer.

Der Präsident hatte zuvor die Gedenkfeier in Shanksville in Pennsylvania besucht, wo die vierte entführte Maschine abstürzte, nachdem Passagiere die Terroristen an Bord angegriffen hatten. Am Morgen war Bush am Pentagon gewesen, um mit den Angehörigen der Terroropfer der Toten zu gedenken.

Die Präsidentenreise und alle Gedenkveranstaltungen fanden unter größten Sicherheitsvorkehrungen statt. Bis zum Abend wurden keine Zwischenfälle gemeldet. Die Behörden zeigten sich übervorsichtig: In Ohio wurde ein Bundesgebäude evakuiert, nachdem Sprengstoff-Spürhunde an einem Auto auf dem Parkplatz davor angeschlagen hatten. Der Fahrer wurde in Gewahrsam genommen, Sprengstoff jedoch nicht entdeckt. Zwei Flugzeuge wurden in Arkansas und Texas umgeleitet, weil sich Passagiere an Bord verdächtig benahmen. Auch diese Zwischenfälle stellten sich später als harmlos heraus.

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