Gedrückte Stimmung in Nazareth und Bethlehem
"Niemand fühlt den Geist der Weihnacht"

Im Heiligen Land ersticken neue Gewaltausbrüche zwischen Israelis und Palästinensern die Weihnachtsstimmung: In Nazareth und Bethlehem werden nur wenige Touristen erwartet, Souvenirläden, Hotels und Restaurants befürchten schwere Einnahmeverluste.

ap NAZARETH. Schon das vergangenen Jahr war hart, doch Weihnachten 2001 kommen noch die Terroranschläge in den Vereinigten Staaten hinzu, die die Reiselust der Menschen weiter dämpfen.

"Die Leute haben Angst zu fliegen", sagt Michel Bana, der in der Nähe der Verkündigungskirche in Nazareth den Souvenirshop der Familie leitet. "Und diejenigen, die fliegen, wählen wahrscheinlich ein anderes Urlaubsziel." Nazareth ist mit 70 000 Einwohnern Israels größte arabische Stadt. Sie geriet in die Schlagzeilen, als sich Moslems und Christen über die Pläne zum Bau einer Moschee, nur wenige Meter von der Verkündigungskirche entfernt, stritten.

"Niemand spricht gerne darüber", sagt Suhir Massawi, die in ihrem Laden ebenfalls Andenken verkauft. Wie in die Restaurants und Hotels der Nachbarschaft kommen auch zu ihr nur wenige Kunden und sie erwartet nicht, dass sich das in der nahen Zukunft ändern wird. "Ich glaube, dass dieses Weihnachten schlimmer wird als das letzte", erklärt sie. Zwei kleinere Hotels in Nazareth mussten bereits schließen, die beiden größten sind nur zu zehn Prozent ausgebucht, wie die Hotelvereinigung erklärte. "Niemand fühlt den Geist der Weihnacht", sagt Bana. "Niemand hat das Geld, um zu feiern."

In Bethlehem ist die Stimmung ähnlich gedrückt. In diesem Jahr wird die Stadt dunkel bleiben, es wird keine bunte Lichterketten in den Straßen geben. Nur auf dem Manger-Platz wird traditionell der Weihnachtsbaum im Lichterglanz erstrahlen, die Mitternachtsmesse, Konzerte und Prozessionen sollen wie jedes Jahr stattfinden.

"Wir können niemals unsere Hoffnung verlieren"

Für Bethlehem ist es nicht das erste dunkle Weihnachten. Während der israelischen Militärbelagerung von 1967 bis 1995 schreckten die strengen Sicherheitsmaßnahmen viele Besucher ab. Die Spannungen waren besonders stark während der ersten palästinensischen Intifada, die 1993 zu Ende ging. Doch Bürgermeister Hanna Nasser kann sich an keine trübere Weihnachtszeit als die diesjährige erinnern. "Dieses Weihnachten wird nicht wie jedes andere sein", erklärt er. "Viele habe ihr Leben verloren, wurden verletzt oder finanziell geschädigt. Aber wir können niemals unsere Hoffnung verlieren."

In einem Andenkenladen in Bethlehem sprechen Geschäftsführer Viktor Hosch und der Restaurantbesitzer Marvel Diek über die besseren Zeiten, als Touristen in die Stadt strömten. Hosch hat seinen Laden festlich dekoriert und zwei Nikoläuse eingestellt, die seine Kunden begrüßten. In diesem Jahr wird er keine Hilfe brauchen. Die ausländischen Besucher bleiben aus, und viele Einwohner können angesichts der andauernden Gefechte und israelischen Belagerung nur das Nötigsten einkaufen.

Der palästinensische Tourismusminister Mitri Abu Aita erklärte, Bethlehem verliere jeden Monat Einnahmen in Höhe von umgerechnet rund 55 Mill. DM. Er forderte Touristen auf, nach Bethlehem zu kommen. "Wir werden für ihre Sicherheit garantieren", sagte er. Wahrscheinlich folgen aber nur wenige seinem Ruf. Peter Elias, der seit zehn Jahren das Star Hotel in Bethlehem leitet, verzeichnet noch keine Buchungen für die Feiertage und spricht vom schlechtesten Weihnachtsgeschäft aller Zeiten.

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